E-Mobilität in Tarmstedt

Die Zeit ist reif für Phase zwei

Ein E-Carsharing-Modell aus Nordfriesland kommt in Tarmstedt gut an, wie ein Infoabend im Rathaus zeigte. Jetzt will man prüfen, ob es auf die Samtgemeinde übertragbar ist.
10.02.2018, 18:31
Lesedauer: 3 Min
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Die Zeit ist reif für Phase zwei
Von André Fesser
Die Zeit ist reif für Phase zwei

Sie diskutierten im Rathaus über die Chancen, die das E-Carsharing für die Region bietet (von links): Traugott Riedesel, Werner Schweizer, Günther Nase, Christiane Seeger und Marcel Bonse.

André Fesser

Tarmstedt. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man den nächsten Schritt machen muss. Für die Mitglieder des E-Car-Forums in Tarmstedt ist er jetzt anscheinend erreicht, dieser Zeitpunkt für Phase zwei. Vor Jahren haben ein paar Privatleute Elektroautos angeschafft, um sie mit anderen zu teilen und damit die Mobilität in der Gemeinde zu verbessern. Doch das System gerät an seine Grenzen, weil es schlichtweg noch nicht nutzerfreundlich genug ist. Werner Schweizer glaubt, dass man es besser machen kann. Er ist der Bürgermeister der Gemeinde Klixbüll und hat sein Konzept am Donnerstagabend im Tarmstedter Rathaus vorgestellt.

Die Einladung der Samtgemeinde kam gut an. Mehr als 50 Interessierte fanden den Weg zur Infoveranstaltung in den Ratssaal, darunter natürliche viele Menschen, die sich in Tarmstedt und umzu sowieso schon mit E-Mobilität beschäftigen. Es kamen aber auch allerlei externe Gäste, etwa der Rhader Bürgermeister Marco Mohrmann (CDU) oder der Vorstand der Grünen im Landkreis Osterholz, Wolfgang Goltsche.

Werner Schweizer aus Klixbüll in Nordfriesland ist das mittlerweile gewohnt und er scheint das Interesse zu genießen. Seit das Schleswig-Holstein-Magazin im Fernsehen über ihn und sein Konzept berichtet hat, macht die Geschichte vom sogenannten Dörps-Mobil die Runde. Selbst aus Baden-Württemberg gebe es mittlerweile Anfragen, sagt er.

Denn die Probleme auf dem Land seien ja überall gleich: Vielerorts gebe es keine Geschäfte mehr, auch der Friseur oder der Arzt haben sich woanders angesiedelt. Dieser Arzt, prophezeite Schweizer, werde auch nicht zurückkehren, aber dann müsse man sich eben selbst bewegen. Schweizers Credo: „Mobilität ist der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes.“

Im 1000 Einwohner fassenden Klixbüll geht das so: In einer Sparte eines örtlichen Vereins hat Schweizer das Dörps-Mobil-Projekt platziert und zwei E-Autos geleast. Mitglieder zahlen fünf Euro Grundgebühr im Monat und 3,50 Euro pro Stunde für das Fahrzeug. Im Ort hat man neun Ladesäulen installiert, der Strom daraus ist kostenlos, denn davon gebe es im windreichen Schleswig-Holstein sowieso mehr als genug. Mit 20 zahlenden Mitgliedern und 90 Nutzungsstunden arbeite das Projekt kostendeckend.

Im Tarmstedter E-Car-Forum verfolgt man die Entwicklung des Dörps-Mobils schon länger. Denn bislang seien die eigenen Fortschritte bei der Etablierung von E-Carsharing in der Gemeinde eher durchwachsen, so der Wilsteder Bürgermeister Traugott Riedesel. „Damit es ein Erfolgsmodell wird, brauchen wir eine Struktur, die es erleichtert, diese Autos zu nutzen.“ Werner Schweizer konnte das nur unterstreichen: „'Die wichtigste Formel ist: Es muss einfach sein.“ In Klixbüll bedeutet das, dass die E-Autos online buchbar sind und jeder sehen kann, ob oder wann ein Fahrzeug verfügbar ist. Eine solche Buchung dauere eine halbe Minute, betont Schweizer, die Abbuchung der Nutzungsgebühr erfolge automatisch. Auch Mitfahrgelegenheiten werden in der App angezeigt, man muss ja nicht immer allein fahren. Somit wird auch der soziale Aspekt berücksichtigt, denn es kommt zu Begegnungen zwischen den Klixbüllern.

Eine Erfahrung, die man auch in Tarmstedt schon gemacht hat. Dort gibt es bereits ehrenamtliche Fahrer, die Menschen ohne Auto auf Nachfrage hin- und herkutschieren. Auch der stellvertretende Samtgemeinde-Bürgermeister Günther Nase betätigt sich als Fahrer, wie er berichtete. Er ließ erkennen, dass er der Carsharing-Idee offen gegenüber steht. Es sei eine Chance vor allem für die vom öffentlichen Nahverkehr abgeschnittenen Dörfer. Und: „Carsharing ist Mobilität zu einem vertretbaren Preis.“

Als Vertreter des Regionalmanagements Börde-Oste-Wörpe stellte Marcel Bonse sogar die Vision in den Raum, dass das E-Carsharing dazu führen könnte, den Bewohnern der Region die Anschaffung eines Zweitwagens zu ersparen. Auch Traugott Riedesel träumt davon. Er habe schon ein Baugebiet in Wilstedt im Auge, in dem auch ein Parkplatz vorgesehen ist: „Ich will erreichen, dass dort so ein Auto steht. Als Quartiersmobil.“

Die Befürworter des E-Carsharings haben am Donnerstag in Tarmstedt jede Menge Schwung aufgenommen. Bis Ostern wolle man die Übertragung des Konzepts auf Tarmstedt prüfen, sagte Riedesel, und auch Günther Nase zeigte sich optimistisch, in einem halben Jahr in Sachen Mobilität in Tarmstedt einen Schritt weiter zu sein. Der Gast aus Schleswig-Holstein, Werner Schweizer, nahm es zufrieden hin, warnte aber auch vor den Schwierigkeiten, die sich beim Carsharing auftun können. Denn wenn so ein Auto zum Teilen erst mal auf dem Hof steht, stelle sich auch ganz schnell die Frage: Wer putzt es?

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