Elektroauto-Testaktion des Landkreises

Die Zeit nach dem Diesel

Adolf Schröder aus Kirchtimke und Elke Schnau aus Buchholz haben den Elektro-Golf des Landkreises getestet. Sie wurden aus bislang 1150 Bewerbern ausgelost. Ihr Urteil ist weitgehend positiv.
01.08.2017, 16:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Kirchtimke/Buchholz. Die Zeit nach dem Diesel und dem Benziner, sie hat bereits begonnen. Adolf Schröder fährt ein Stromauto. Jeden Tag pendelt der Kirchtimker mit einem Elektro-Golf zu seinem Arbeitsplatz in Woltmershausen. Morgens 43 Kilometer hin, abends wieder zurück. Wie sich das anfühlt? „Sehr entspannt“, sagt der 60-Jährige, „das Fahren macht wirklich Spaß.“

Mit dem Spaß ist es allerdings an diesem Mittwoch schon vorbei, denn der eGolf ist nur geliehen. Vom Landkreis Rotenburg, der seinen Bürgern Klimaschutz und nachhaltige Mobilität näher bringen will, indem er zwei Elektro-Autos geleast hat, die unter Interessierten verlost werden. Nach einem Beschluss des Kreistags unter der früheren Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft hat der Landkreis ein Förderprogramm auf die Beine gestellt, das in dieser Form wohl einmalig sein dürfte: Zehn Tage kostenlos und unverbindlich kann jeder aus dem Kreisgebiet, der einen Führerschein hat, ein modernes Elektroauto Probe fahren – so ihm Fortuna hold ist.

Adolf Schröder hatte Glück, er wurde aus bislang rund 1150 Bewerbern ausgelost. Glück hat er auch mit seinem Arbeitsplatz, denn bei Willenbrock Fördertechnik gibt es auf dem Parkplatz Steckdosen, an denen er sein derzeitiges Gefährt aufladen kann. Zum Fuhrpark des Gabelstapler-Betriebs gehört nämlich ein Fiat-Lieferwagen, den die Firma Linde vor zwei Jahren auf Elektro-Antrieb umgerüstet hat. „Einer unserer Techniker ist damit unterwegs“, so Schröder. Der Kollege aus Lilienthal sei damit hauptsächlich bei den Bremer Stahlwerken im Einsatz. Der Klein-Lkw habe eine Reichweite von etwa 110 Kilometern, was im Winter schon mal knapp werden könne.

Schröders Landkreis-Golf hat dieses Problem im Alltag nicht: Auf dem Papier steht eine Reichweite von 300 Kilometern, was in der Praxis auf „220 bis 240 Kilometer“ hinauslaufen dürfte, wie er sagt. Auch sonst ist der Kirchtimker ziemlich angetan von dem Auto: „Es ist sehr spritzig und gleichzeitig total leise, und die moderne Technik gefällt mir.“ Auch sei der Wartungsaufwand sehr gering – weder Öl- noch Zündkerzenwechsel seien erforderlich, die Inspektionen seien günstig. Von einem endgültigen Wechsel halten ihn zwei Dinge ab: „Ich könnte nicht spontan und ungeplant eine größere Strecke fahren.“ Wobei er auf Nachfrage einräumt, dass solche Eventualitäten äußerst selten seien. Und der zweite Grund: Sein Focus Diesel ist erst fünf Jahre alt, den müsse er noch eine Weile fahren. Dass über Fahrverbote für solche Euro-5-Fahrzeuge diskutiert wird, beunruhige ihn allerdings. Und auch eine Inzahlungnahme solcher Autos beim Händler könne schwierig werden. Ebenfalls zehn Tage den Landkreis-eGolf gefahren ist Elke Schnau aus Buchholz. Was ihr am meisten gefallen hat: „Der beschleunigt schnell.“ Zuvor habe sie sich noch an das Automatikgetriebe gewöhnen müssen, denn ihr Fabia hat Schaltgetriebe. Ein weiterer großer Unterschied: „Der ist so leise, dass ich vorm Losfahren und schaue, ob eine Katze unterm Auto liegt“, sagt sie. Tatsächlich müsse man gerade in Ortschaften sehr umsichtig fahren, weil Spaziergänger oder spielende Kinder das Fahrzeug oft nicht oder erst spät wahrnähmen. Weil ihr Arbeitsweg nur sieben Kilometer beträgt, hat sie die Batterie nur einmal zu Hause und einmal an der Schnellladesäule bei Warncke in Tarmstedt aufgeladen. „Das habe ich mit einem Einkauf im Supermarkt verbunden“, sagt Elke Schnau. Das Laden sei gewöhnungsbedürftig, „da muss man ja rechtzeitig dran denken“. Ansonsten sei das Auto problemlos, und das Fahren habe ihr Spaß gemacht. Auch ihren Neffen habe sie mal fahren lassen, „der wollte gar nicht mehr raus aus dem Auto“, erzählt sie. Und ihr Mann habe alle Funktionen und elektronischen Helferlein ausprobiert, die der eGolf zu bieten hat. „Der war vor allem von Tempomat und Abstandsassistent begeistert.“

Die Elektroauto-Aktion des Landkreises läuft noch bis Ende dieses Jahres. 46 Testfahrer – die Hälfte der Plätze ist für Inhaber der Ehrenamtskarte reserviert – werden insgesamt zum Zuge kommen. Ob das Projekt verlängert wird, müsse der Kreistag entscheiden, heißt es von der Verwaltung.

„Das Auto ist sehr spritzig und gleichzeitig total leise.“ Adolf Schröder, Stromauto-Tester
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