Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik der Kirchengemeinde gibt ihr viertes Buch über Hüttenbusch heraus Diesmal sind es Geschichten von Menschen

Worpswede-Hüttenbusch. Bisher konnten sie sich nicht voneinander trennen, die letzten Getreuen der Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik. Das beschert den Hüttenbuschern fünf Wochen vor Weihnachten das vierte Buch über ihr Dorf. Diesmal handelt es vorwiegend von Menschen. 'So war das - Hüttenbuscher erzählen von ihrem Leben', heißt der Band, dessen erstes Exemplar gerade aus der Druckerei gekommen ist.
12.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes kessels

Worpswede-Hüttenbusch. Bisher konnten sie sich nicht voneinander trennen, die letzten Getreuen der Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik. Das beschert den Hüttenbuschern fünf Wochen vor Weihnachten das vierte Buch über ihr Dorf. Diesmal handelt es vorwiegend von Menschen. 'So war das - Hüttenbuscher erzählen von ihrem Leben', heißt der Band, dessen erstes Exemplar gerade aus der Druckerei gekommen ist.

Im Gemeinderaum der Hüttenbuscher Kirche sitzen sie mal wieder beisammen: Pastor Reiner Sievers, Ortsbürgermeister Waldemar Hartstock, Renate Werner, Bernd Brünings, Hermann Böschen, Hermann Tietjen, Kurt Schmuck und Elfriede Wendelken. Das ist die Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik, die 1994 von Reiner Sievers als Gruppe innerhalb der Kirchengemeinde ins Leben gerufen wurde. Anfangs hatte sie noch über 40 Mitglieder, jetzt sind es noch acht, aber die sind recht aktiv.

Im Jahr 2003 erschien die Hüttenbuscher Dorfchronik. Doch auflösen wollte sich der Kreis danach noch nicht. Also schrieb Kurt Schmuck, Jahrgang 1921 und zweitältester männlicher Einwohner von Hüttenbusch, erstmal eine Anekdotensammlung, die auf den Geschichten basierte, die der Arbeitskreis während seiner Recherchen zu der Chronik gehört hatte. Auch viel eigenes war dabei - Kurt Schmuck ist zwar in Bremen-Hastedt geboren - 'Da habe ich platt gelernt', sagt er -, aber 1927 mit seinen Eltern nach Hüttenbusch gekommen.

Lebensläufe gesammelt

Als drittes Buch erschien 2006 der Heudorfer Bilderbogen. 'Danach wollten wir uns aber immer noch nicht trennen', erklärt Reiner Sievers. Andererseits wusste man nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Da fiel dem Pastor ein Buch in die Hände, in dem eine Ottersbergerin die Lebensgeschichten von Mitbürgern gesammelt hatte, die nach dem Krieg als Flüchtlinge in ihren Ort gekommen waren. Die AG wollte das Thema aber weiter fassen und begann, Lebensläufe zu sammeln. Daraus entstand das Konzept für ein Buch.

Das Ergebnis waren die Geschichten von 24 Menschen, die zum Teil als Flüchtlinge nach Hüttenbusch gekommen waren und teilweise schon nach einigen Jahren wieder fortgezogen waren, aber noch immer Verbindung zum Dorf hatten. Andere Autoren dagegen sind in Hüttenbusch geboren und immer hiergeblieben.

'Wie verhalten sich die Leute zu Hüttenbusch?' Das sei das Grundthema des Buches, erläutert Sievers. Einige Menschen, die der Arbeitskreis angesprochen hatte, wollten keine Auskünfte über ihr Leben geben; andere wollten nicht selbst einen Beitrag schreiben, erzählten ihre Geschichte aber Kurt Schmuck, der sie aufschrieb.

Die meisten Kapitel sind von den Menschen geschrieben, die ihre eigene Geschichte erzählen. Waldemar Hartstock wurde nach Kriegsende als Achtjähriger mit seinen Eltern aus dem ostpreußischen Kempa-Karolina vertrieben. 'Wenn ich daran denke, was für Elend ich auf der Flucht gesehen habe, kommen mir heute noch die Tränen', bekennt er freimütig. Trotzdem rang er sich dazu durch, einen Beitrag für das Buch zu verfassen.

Manfred Petzhold, der aus Pommern stammt, überschreibt seinen Bericht mit 'Eine Reise ins Ungewisse', während 'Landwirtschaftliches Arbeiten mit einem 1 PS-Motor' des gebürtigen Hüttendorfers Helmut Tietjen, Jahrgang 1938, die Landwirtschaft während des Krieges beschreibt. Jeder Autor konnte selbst bestimmen, wie lang sein Beitrag werden und wie er aufgebaut sein sollte.

Um das Layout hat sich Bernd Brünings gekümmert. Einige Kapitel bekam er schon auf Diskette, andere, die mit Schreibmaschine geschrieben waren, konnte er einscannen. Aber es kamen auch handgeschriebene Berichte. 'Zum Glück war keiner in deutscher Schreibschrift dabei', meint er. Auch die Pfarrsekretärin hat einige Berichte in den PC eingegeben. Pastor Sievers übernahm das Korrekturlesen, Bernd Brünings gestaltete die Seiten, und dann ging das ganze Paket an eine Bremer Druckerei.

Ein Testdruck ist inzwischen zurückgekommen, noch nicht gebunden und zur Überprüfung gedacht. Natürlich wurde der Arbeitskreis schnell fündig, wie sollte es anders sein bei 127 Seiten: Die Seite 52 ist leer und wird wiederholt, bei der zweiten Seite 52 steht aber die Seitenzahl nicht außen, sondern in Buchmitte, ebenso bei allen folgenden Seiten. Und bei einem Kapitel gibt es mitten in einer Zeile eine Silbentrennung, die dort nicht hingehört. 'Sowas passiert immer mal', meint Reiner Sievers gelassen, dazu gebe es ja den Testdruck.

In zwei Wochen aber soll die gesamte Auflage von 300 Stück in Hüttenbusch eingetroffen sein. Vorgestellt wird das Buch nach dem Buß- und Bettag-Abendgottesdienst am 17. November um 20 Uhr. Dann beginnt auch der Verkauf. Am Volkstrauertag am Sonntag, 14 November, werden einige Passagen des Buches im Gottesdienst vorgetragen. Der allgemeine Verkauf in den Hüttenbuscher Geschäften läuft ab dem 19. November. Das Buch kostet 9,90 Euro. Wenn die AG damit Gewinn macht, kommt der der Kirchengemeinde zugute.

Und was kommt danach? Wahrscheinlich nichts mehr. 'Aber wenn sich eine zündende Idee ergibt, machen wir vielleicht doch weiter', meint Reiner Sievers. So leicht können sie sich eben nicht trennen.

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