Das Theater in OHZ bereitet ein neues Stück vor / Premiere am 6. November 'Een raffgierige Bagasch!'

Von Peter Otto
29.10.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Von Peter Otto

Osterholz-Scharmbeck. Eine bitterböse Satire ist dem fränkischen Autor Fitzgerald Kusz da eingefallen: 'De letzde Willen', von Rolf Petersen ins Niederdeutsche übersetzt, ist 'Een Liekenköst in fiev Törns' und leuchtet in die Abgründe der menschlichen Seele. Die Handlung zeigt eine scheinbar biedere Familie, die sich in eine üble Schlangengrube verwandelt, in der mit allen Mitteln um das Erbe der verstorbenen Tante Martha gekämpft wird. Das Theater in OHZ, die Scharmbecker Speeldeel, bringt den galligen Leichenschmaus am 6. November auf die Bühne der großen Scheune von Gut Sandbeck.

Die Regie hat Ulf Goerges übernommen, der das Stück zusammen mit dem Theatervorstand ausgesucht hat. Auf einer Presseprobe informierten wir uns jetzt über den Fortgang der Probenarbeit. 'Wir kannten das Stück schon lange', erzählt Theaterleiterin Astrid Gries. 'Aber wir wollten es profihaft auf der Bühne gestalten.' Der Regisseur ergänzt: 'Ich möchte den Menschen darstellen, keine Karikaturen.' Und so schafft er es auch, mit Fingerspitzengefühl die Feinheiten menschlicher Regungen aus den Schauspielern herauszukitzeln.

Die Geschichte ist relativ einfach, fast wie im richtigen Leben. Die reiche Erbtante Martha ist verblichen, und die hinterbliebene Familie versammelt sich als Trauergesellschaft nach der Beisetzung in der guten Stube. Die gebührliche Schweigeminute wird mit dem Handy gestoppt: '?N beten Pietät mut dat ween.'

Aufrichtige Abneigung

Unbeeindruckt von solcher Gefühlsduselei, kann Olga Wichmann (Elke Weber), die Schwester der Verstorbenen, nicht an sich halten. Sie spuckt Gift und Galle und lässt kein gutes Haar an der Schwester, obwohl man ja über Tote nicht schlecht reden soll. Aber Olgas Groll sitzt tief: 'Nich dat Swarte ünnern Finger hätt se mi gegunnt!' Wie eng die Familienbande sind, drückt Schwiegersohn Heinz Kuhlmann (Jens Wendelken) sarkastisch aus: 'Ihr kunnt mi nich lieden, und ick kann ji nich utstan!' Damit ist die Sachlage geklärt.

Als es an das Verteilen des Erbes geht, kommt es zum Hauen und Stechen. Da brechen bei den Beteiligten niederste Instinkte durch. Und der Zuschauer erkennt: Hinter der biederen Fassade der braven Bürger lauern - wenn die Maske fällt - blanke Gier, Missgunst und Neid. Frei nach dem Musical-Titel 'Money makes the world go round' räumen sie die Wohnung aus und nehmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Sie grabschen nach wertvollen Pelzen, die sie gar nicht brauchen, und kramen als Dunkelmänner nach der Münzsammlung, die irgendwo im Haus versteckt sein soll. Dabei wühlen sie auch genüsslich im Privatleben von Tante Martha und reißen schäbige Zoten über sie.

Wenn es darum geht, das Vermögen der Tante an sich zu reißen und den rechtmäßigen Erben auszuschließen, ist der Familienclan sogar bereit, das Testament verschwinden zu lassen und sich damit strafbar zu machen. 'Nu sünd wi kriminell', klagt zwar Karin Kuhlmann (Silke Küthmann), aber ihr Mann Heinz entgegnet: 'Geld is blots wat för de mit starken Nerven!' Seine unersättliche Gier und niederträchtige Art kommentiert Siggi Wichmann (Beate Stellfeld): 'Mi ward übel, wenn ick jo so seh!' Und seine Frau ergänzt: 'West du, da ick mi för di schomen do, richtig schomen do!' Das überraschende Ende ist ein kluger Schluss, der den Zuschauer mit der Welt versöhnt.

Elke Weber spielt hinreißend die herrschsüchtige und hartherzige Olga. Helma Rönner ist ein von der mütterlichen Willkür geducktes Mauerblümchen. Jens Wendelken überzeugt als intrigantes Ekel, das boshaft und rücksichtslos über Leichen geht. Seine verhärmte Frau spielt Silke Kühtmann. Beate Stellfeld ersäuft ihre weiblichen Frustrationen und wehrt sich gegen ihren ehelichen Schlappschwanz (Felix Murken). Als rumgeschubstes Hausfaktotum überzeugt Reinhard von Stumpfeldt: Hans-Georg Frers ist der rechtmäßge Erbe, hat aber in der familiären Schlangengrube einen schweren Stand. Noch saßen die Texte nicht ganz sicher, aber das Bühnenbild stand schon. Bei der Premiere morgen Abend in einer Woche erwartet die Zuschauer ein unterhaltsamer Abend.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+