In Lilienthal und Grasberg soll über Einführung beraten werden / Holle: Bürgermeister müssen Klinken putzen Ehrenamtskarte auf der Tagesordnung

Lilienthal·Landkreis. 37 Landkreise gibt es in Niedersachsen. 29 von ihnen samt deren Kommunen haben bisher die Niedersächsische Ehrenamtskarte eingeführt - auch der Landkreis Rotenburg. Der Kreis Osterholz hat sich noch nicht für die seit 2007 von der Landesregierung angebotene und niedersachsenweit gültige Ehrenamtskarte entschieden. Doch können Gemeinden die Karte auch ohne Rückendeckung ihres Landkreises nutzen.
19.10.2010, 05:00
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Von PETER HANUSCHKE, MICHAEL WILKE UND KLAUS GÖCKERITZ

Lilienthal·Landkreis. 37 Landkreise gibt es in Niedersachsen. 29 von ihnen samt deren Kommunen haben bisher die Niedersächsische Ehrenamtskarte eingeführt - auch der Landkreis Rotenburg. Der Kreis Osterholz hat sich noch nicht für die seit 2007 von der Landesregierung angebotene und niedersachsenweit gültige Ehrenamtskarte entschieden. Doch können Gemeinden die Karte auch ohne Rückendeckung ihres Landkreises nutzen.

'Es ist vom Verwaltungsaufwand her einfacher, wenn der Ablauf über den Landkreis erfolgt', sagt Projektleiter Thomas Böhme von der Niedersächsischen Staatskanzlei. Das würde der Kreis Osterholz auch tun, erklärt dessen Sprecher Marco Prietz. 'Das Thema Ehrenamtskarte wurde schon mehrfach in der regelmäßig stattfindenden Runde mit den Bürgermeistern und dem Landrat besprochen - bisher hat es aber keine Signale aus den Gemeinden gegeben, die Ehrenamtskarte einführen zu wollen.' Solange sich daran nichts ändere, werde der Kreis nicht tätig, sagt Prietz. 'Wir werden die Ehrenamtskarte nicht von oben überstülpen.'

Bereits 2009 Antrag gestellt

Der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner versteht überhaupt nicht, weshalb es Probleme bei der Einführung dieser Karte gibt. 'In Lilienthal haben wir sie bereits 2009 beantragt, das Thema wurde im Ausschuss behandelt, und seitdem ist nichts passiert. Deshalb haben wir uns jetzt noch einmal an die Verwaltung gewandt.'

Fachbereichsleiter Andreas Cordes sagte dazu, das Thema werde in einer der nächsten Sitzungen erneut behandelt. Der Ausschuss hatte empfohlen, sowohl die Einführung der Ehrenamtskarte als auch eine Erweiterung des Personenkreises, für den die bestehenden Lilienthaler Förderrichtlinien des Ehrenamtes gelten, zu prüfen. Bei dem Lilienthaler Modell können ehrenamtliche Mitarbeiter im Jugend- und Sozialbereich Vergünstigungen erhalten - anders als bei der Ehrenamtskarte auch Jugendliche unter 18 Jahre. Dadurch gibt es beispielsweise freien Eintritt im Hallenbad und pro Quartal zehn kostenlose Fahrkarten für die VBN-Regionalbusse. Pro Jahr stellt die Gemeinde dafür 7100 Euro zur Verfügung, die regelmäßig bereits zur Jahresmitte verbraucht sind. Politisch müsse also entschieden werden, erklärte Cordes, ob man die Ehrenamtskarte zusätzlich oder aber die geltenden Richtlinien abschaffen wolle. 'Andere Gemeinden haben die Ehrenamtskarte auch zusätzlich zu ihren eigenen Vergünstigungen

eingeführt - warum sollte das nicht auch in Lilienthal möglich sein, um dadurch auch viel mehr Ehrenamtliche aus anderen Bereichen unterstützen zu können', sagt Miesner. Die Ehrenamtskarte sei jetzt noch interessanter, weil sie seit Monaten auch in Bremen gültig sei.

'In Worpswede besteht schon die grundsätzliche Bereitschaft, die Ehrenamtskarte einzuführen', sagt Bürgermeister Stefan Schwenke. 'Wir werden in den politischen Gremien in Ruhe darüber reden.' Nötig sei ein breiter Konsens dafür. Die Gemeinde Grasberg will die Einführung der Ehrenamtskarte forcieren. Dies kündigt Fachbereichsleiter Heiko Hartwig an und weist auf Initiativen von Bürgermeisterin Marion Schorfmann im Landkreis und mit dem Grasberger Bündnis für Familien hin. Das Thema soll in der nächsten Sitzung des Jugend-, Sport- und Kulturausschusses behandelt werden. Möglich für die Kartenbesitzer wären aus Sicht von Heiko Hartwig ermäßigte Gebühren in der Gemeindebücherei, Ermäßigungen für Bescheinigungen und Beglaubigungen im Rathaus oder Vorteile bei Volkshochschulangeboten. Denkbar wäre für ihn, die örtliche Wirtschaft ins Boot zu holen. Entsprechende Gespräche könnten aber erst nach einem Auftrag aus der Politik geführt werden.

Heiko Harwtig hält die Ehrenamtskarte für eine grundsätzlich gute Idee - auch wenn die Voraussetzungen wie die Zahl der geleisteten Stunden erheblich seien. 'Aber die Karte soll ja auch eine besondere Auszeichnung für besonderes ehrenamtliches Engagement sein'. Die finanzielle Belastung für die Gemeinde stuft Hartwig als überschaubar ein. Aber auch dies müsse auf politischer Ebene diskutiert werden.

Der Kreis Rotenburg forciert die Einführung der Ehrenamtskarte und hat dafür eine Koordinierungsstelle im Kreishaus eingerichtet. Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister Frank Holle hält die Karte für eine gute Idee. 'Aber das muss mit Leben gefüllt werden. Die große Aktion des Landes funktioniert nur, wenn wir Bürgermeister mitziehen.' Sie müssten in ihren Gemeinden Klinken putzen, um Ermäßigungen zu erreichen. 'Wenn man nicht viel zu bieten hat, sieht das eher nach Abspeisung aus', sagt Holle. 'Man überreicht die Karte feierlich, und dann ist nichts dahinter.' In der Samtgemeinde Tarmstedt ist etwas dahinter. Mit der Ehrenamtskarte zahlt man in den drei Freibädern den halben Preis. Dazu kommt eine Ermäßigung beim Besuch der Tarmstedter Ausstellung.

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