Als neuer Samtgemeindebürgermeister von Hambergen will Reinhard Kock Personal der Verwaltung aufstocken

Ein Dienstleister im Rathaus

Mit 59,4 Prozent der abgegebenen Stimmen ist Reinhard Kock ins Amt des Samtgemeindebürgermeisters von Hambergen gewählt worden. Acht Monate ist das her. Die Redaktion fragte nach, was er in dieser Zeit bewegt hat.
05.11.2014, 00:00
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Ein Dienstleister im Rathaus
Von Brigitte Lange

Mit 59,4 Prozent der abgegebenen Stimmen ist Reinhard Kock ins Amt des Samtgemeindebürgermeisters von Hambergen gewählt worden. Acht Monate ist das her. Die Redaktion fragte nach, was er in dieser Zeit bewegt hat.

Gut 45 Jahre hat Reinhard Kock für eine große Krankenkasse gearbeitet. Am 1. März dieses Jahres wechselte er ins Rathaus von Hambergen. Acht Monate ist er nun hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Hambergen. „Das war für mich ein echter Umbruch“, blickt der 60-Jährige zurück. Inzwischen sei er in seinem neuen Amt angekommen, erklärt er auf Nachfrage der Redaktion. Seine langjährigen Erfahrungen als Ratsherr und ehrenamtlicher Bürgermeister von Hambergen hätten ihn ausreichend auf die neue Aufgabe vorbereitet. Wären 2015 Wahlen, würde er definitiv wieder antreten.

Anfangs habe er öfter den Vergleich zwischen seinen Arbeitgebern gezogen. Doch der hinke. Einen Gedanken habe er trotzdem ins neue Amt rübergenommen: „Ich komme von einem Servicedienstleiter – und das sind wir hier auch ein Stück weit.“ Es sei ihm wichtig, dass die Mitarbeiter und Kollegen im Rathaus dieses Arbeitsverständnis mit ihm teilten.

In den vergangenen Monaten habe er sich unter anderem mit Personalfragen befasst: „Die Samtgemeinde hat einen ganz schlanken Personalkörper“, stellt er fest. „Ich merke, dass wir da an eine Grenze kommen.“ Kock will gegensteuern, plant die Sozialabteilung „in aller kürzester Zeit“ zu verstärken. Hartz IV- und Asylanträge fielen beispielsweise in dieses Ressort. Die Abteilung war im Vorjahr von vier Mitarbeitern auf drei geschrumpft. Krankheit und Fortbildung schwächten sie. Es habe Klagen wegen der Länge der Bearbeitungszeiten gegeben, begründet Kock seine Entscheidung. Auch die Bauabteilung inklusive Bauhof könne eine personelle Aufrüstung vertragen. „Manche Dinge bekommen wir mit unserem Personalstand zeitnah nicht geschafft“, sagt er und nennt die geforderte regelmäßige Prüfung der Straßenbäume auf Standsicherheit durch den Bauhof als Beispiel. Der Bauabteilung würden ebenfalls immer mehr Aufgaben übertragen. Dabei seien sie nur eine kleine Verwaltung. „Die Bürger aber erwarten von uns, dass wir alles genauso meistern wie eine große Verwaltung; das ist nicht einfach für die Kollegen“, sagt er. „Wir müssen gucken, an welchen Stellschrauben wir hier drehen können.“

Zu den Aufgaben, mit denen sich das Bauamt in den vergangenen Monaten intensiv befasst hat, gehöre zum Beispiel die Erschließung des Gewerbegebietes Bremer Straße. Für Kock ein wichtiges Projekt: „Wir fangen jetzt an, Gespräche mit Interessenten zu führen.“ Ungefähr zehn seien es zurzeit. Aktuell werde geklärt, ob die jeweiligen Betriebe an den Standort passten „auch bezüglich ihrer Emissionen“. Eventuell würden dieses Jahr noch Verträge geschlossen. Es gebe Interessenten, die 2015 bauen wollen.

Auf den Weg müsse die Samtgemeinde außerdem ihre Vorschläge für die nächste EU-Förderperiode bringen, zählt Kock ein weiteres Arbeitsfelder auf. Der Landkreis habe die Samtgemeinde aufgefordert, ihre Ideen einzureichen. „Wir wollen keine riesigen Geschichten machen“, betont Kock. Aber beim Dorfgemeinschaftshaus in Lübberstedt und der Museumsanlage in Ströhe stünden große Reparaturen an. Fördermittel wären da gut. Ein Teufelsmoor-Rundwanderweg wäre auch eine feine Sache. Er würde den Tourismus ankurbeln, ist Kock überzeugt. Vielleicht könnten sie ebenfalls Gelder für den Bau eines Weges zu den Kranich-Plätzen in Verlüßmoor samt Aussichtsplattform einwerben. „Die Förderperiode geht bis 2020“, gibt er das Zeitfenster vor.

Nächstes Stichwort: Flüchtlingsströme. „Was können wir in Richtung Willkommenskultur machen?“, sei eine Frage, die ihn geraume Zeit beschäftige, so der Samtgemeindebürgermeister. Aktuell knüpften sie deshalb an einem Netzwerk, definierten Ansprechpartner für die Asylbewerber, die nach Hamberger kämen. „Vieles ist im Entstehen, aber nichts ist spruchreif.“

In Arbeit ist auch der Haushaltsplan 2015 für die Samtgemeinde, bemerkt Kock. Dabei „wünschen wir uns eine stärkere finanzielle Unterstützung durch den Landkreis.“ Konkret denke er an eine Senkung der Kreisumlage. Gleichzeitig hofft der Samtgemeindebürgermeister auf mehr Geld für die Kooperative Gesamtschule Hambergen. 60 Prozent der Schulkosten für den Sekundarbereich II bekämen sie derzeit vom Kreis erstattet. Lieber wäre ihm eine Erstattung von 70 bis 80 Prozent. Kock: „Das Thematisieren wir gegenüber dem Landkreis.“ Schulen seien schließlich eine Uraufgabe des Landkreises.

Fast alles, womit sich der neue Samtgemeindebürgermeister in den vergangenen Monaten befasst hat, ist somit noch im Werden begriffen. Wenig von seinem Wirken drang bisher nach Außen oder war Thema in öffentlichen Sitzungen. „Das habe ich so gar nicht wahrgenommen“, meint Kock, um umgehend zu versichern: „Die öffentliche Information und das Mitnehmen der Bürger ist mir wichtig.“ Ohne die Teilhabe der Bürger ginge seine Arbeit in die falsche Richtung. Im kommenden Jahr wolle er deshalb Bürgergespräche einführen; eine Art runden Tisch an dem nicht nur er, sondern auch Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden beteiligt sein würden. Die Bürger interessiere es nicht, ob ein Problem in die Zuständigkeit der Gemeinde oder der Samtgemeinde falle. Sie wollten Lösungen. Das heiße aber keinesfalls, dass er am Konstrukt Samtgemeinde rütteln wolle, betont Reinhard Kock. Enger zusammenarbeiten – ja; Einheitsgemeinde – nein. „Die Samtgemeinde hat politischen Bestand.“ Er sehe nicht, dass sich das ändere, so Kock.

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