Für Oberstufenschüler und Auszubildende Ein-Euro-Ticket ab Sommer 2020 in Sicht

Der VBN-Zweckverband will das Bus- und Bahnfahren für Oberstufenschüler und Auszubildende billiger machen. Ab dem Sommer 2020 soll es das neue Angebot geben, die Weichen werden am kommenden Dienstag gestellt.
24.05.2019, 17:41
Lesedauer: 4 Min
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Ein-Euro-Ticket ab Sommer 2020 in Sicht
Von Bernhard Komesker

Während der Landkreis Osterholz die Bus- und Bahnfahrten für den Schulweg bei Kindern und Jugendlichen bis zur zehnten Jahrgangsstufe übernimmt, müssen Oberstufenschüler und ihre Eltern selbst in die Tasche greifen. Auch Auszubildende oder Bundesfreiwilligendienstler fahren nicht kostenlos, sondern allenfalls vergünstigt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die niedersächsische Landesregierung will das laut Koalitionsvertrag eigentlich ändern und stufenweise auch für die Sekundarstufe II einen kostenlosen Schülerverkehr einführen. Inzwischen aber, sagte der zuständige Kreisdezernent Dominik Vinbruck jetzt im Verkehrsausschuss des Kreistags, verdichten sich die Anzeichen, dass es in dieser Legislaturperiode nicht mehr dazu kommt.

Der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) jedoch plane, nicht zuletzt auf Drängen des Landkreises, einen Schritt in diese Richtung. Am kommenden Dienstag soll die Zweckverbandsversammlung unter dem Vorsitz des Osterholzer Landrats Bernd Lütjen die Weichen stellen für ein altersunabhängiges Ticketmodell, das Schüler, Azubis und Freiwilligendienstler ab dem Schuljahr 2020/21 nutzen können. Es soll personengebunden sein und rund um die Uhr im gesamten VBN-Gebiet gelten. Geplanter Einführungspreis: monatlich 30,40 Euro – umgerechnet ein Euro pro Tag.

Weil noch viele Fragen zu klären seien, werde der VBN-Zweckverband wohl erst im Dezember einen Beschluss fassen, so Vinbruck. Die Entwicklung aber sei erfreulich, so der Kommentar des Kreisbeamten. Er rechne mit Mehrkosten für den Landkreis im Bereich von einigen Zehntausend Euro, je nach Nutzung und Steuervorteil womöglich auch weniger. „Das ist darstellbar und sollte uns die Sache wert sein.“ Spätere Anpassungen an die Preisentwicklung seien nicht auszuschließen, weshalb er auch nicht von einem Ein-Euro-Ticket sprechen wolle. Aber eine Verbesserung gegenüber den jetzigen Konditionen, wo schon innerhalb nur einer Tarifzone monatlich 37,20 Euro fällig werden, sei das Ganze allemal, sagte Vinbruck.

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Probleme bestehen noch in der Abfindung einiger Konzessionsnehmer in Teilen des VBN-Gebiets, die sich noch keiner Ausschreibung hatten stellen müssen und nun Mindereinnahmen geltend machen können. Vor allem auf Stadt und Land Bremen kämen wohl erhebliche Einbußen durch wegfallende Ticketerlöse zu. Doch die politischen Absichtserklärungen zur Bürgerschaftswahl und auch der „Konsens auf der Arbeitsebene“ der beteiligten Gebietskörperschaften lassen den Dezernenten an eine Lösung glauben.

Eine weitere Hürde gibt es noch, Koalitionsvertrag hin oder her: Das Land Niedersachsen, zuständig für den Schienenverkehr, hat bisher stets verlauten lassen, sich an sogenannten Tarifmaßnahmen nicht zu beteiligen. Anders gesagt: „Wenn es der ZVBN billiger will, müssen diejenigen es tragen, die es billiger haben wollen.“ Rechne man alles zusammen, gehe es um jährliche Mindererlöse in mittlerer siebenstelliger Höhe. Das sei, gemessen am Gesamtvolumen der Haushalte Bremens und Niedersachsens, überschaubar. Zumal die VBN-Prognosen „eher konservativ gerechnet“ seien.

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Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion) hatte darauf hingewiesen, dass in der Mehrkosten-Berechnung noch viele Unbekannte steckten. Wenn das neue Ticket ein Verkaufsschlager werde, könnte dies zu einem anderen, womöglich besseren Kostendeckungsgrad führen. Dominik Vinbruck sah das ähnlich. Zwar müssten die Verwaltungsvertreter auf die Risiken für die kommunalen Haushalte hinweisen, in einer politischen Bewertung aber seien auch die Chancen zu würdigen: „Für Schüler und Azubis ist das sicher eine gute Sache.“

Bernd Rugen (Linke) nannte die Planung einen guten Anfang in die richtige Richtung. Der Landkreis solle aus sozialen Gründen darauf achten, dass das Ticket tatsächlich auch monatlich zu haben sein wird und nicht nur als Jahresabo. André Hilbers (Grüne) nickte: Die Kommunalpolitiker sollten an die Landtagsabgeordneten in ihren Wahlkreisen herantreten, damit Niedersachsen mitspielt. Die Ticket-Pläne der VBN-Mitglieder seien jedenfalls „sehr begrüßenswert“.

Marie Jordan (CDU) äußerte sich zurückhaltender. „Das hört sich sehr gut an“, räumte sie ein. Sie bezweifele aber, dass das Verkaufsargument „Freie Fahrt im ganzen großen VBN-Gebiet“ die Jugendlichen und ihre Familien massenhaft überzeugen werde. Die Betroffenen würden gewiss eine Tarifzonenbegrenzung hinnehmen, wenn sich der Schulweg dafür im Gegenzug stärker verbilligen würde. Dezernent Vinbruck erwiderte, der VBN habe sich bewusst für ein einfaches Angebot entschieden, bei dem Gemeindegrenzen keine Rolle spielen. Er sei sich auch nicht so sicher: Die Altersgruppe ab 16 sei durchaus nach Bremen orientiert; „für die ist das schon interessant.“ Und auch 30 statt 40 Euro machten ja schon einen Unterschied.

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