Detlef Wutschik begeistert mit seiner Puppe Werner Momsen Ein Klappmaul in Lästerlaune

Ritterhude. Auf die Idee muss man erst mal kommen, sich eine Puppe auf den Bauch zu schnallen und sie quasselnd über die Bühne zu führen. Detlef Wutschik hatte 2009 diesen schrägen Einfall.
17.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Otto

Auf die Idee muss man erst mal kommen, sich eine Puppe auf den Bauch zu schnallen und sie quasselnd über die Bühne zu führen. Detlef Wutschik hatte 2009 diesen schrägen Einfall. Und seitdem begleitet er „Werner Momsen“, wie er die schrullige Gestalt genannt hat, durch seine Solo-Show. Von seinem schwarzen Schatten geführt, tapert die schlamperte Figur durch die Szene oder fläzt sich in einen Sessel und labert vor sich hin. Nun war Detlef Wutschik mit seiner Ein-Puppen-Show im Hamme-Forum: Das Publikum im gut gefüllten Saal hatte seine helle Freude.

Momsen ist eine Kunstfigur, „außen Kunststoff und innen Schaumstoff“, eigentlich Sondermüll, aber mit Stil. Auf seiner Kartoffelnase sitzt eine dicke Hornbrille, dahinter zwei große Knopfaugen. Auffällig ist sein Mund, ein Klappmaul, das bis zu den Segelohren reicht. Und das reißt er gehörig auf. Unverkennbar ist seine hanseatische Mundart. Er kommt aus Hamburg, der Stadt mit der Reeperbahn und Elbphilharmonie. Momsen plaudert sich unbekümmert durch die Niederungen des Alltags. Sein Mundwerk ist ungebremst respektlos. Sein Halbwissen erschüttert die Bollwerke der Logik. Er denkt gern um die Ecke und trägt das Herz auf der Zunge.

Die puppige Kodderschnauze lamentiert etwa über die Zeit und meint, der Zug der Zeit habe keine Haltestellen. Sie vergehe, und man könne es sehen, dass sie vergehe, wenn man morgens in den Spiegel sehe. Die Zeit vergehe viel zu schnell. Kaum sei Weihnachten vorbei, stehe schon wieder die Adventszeit vor der Tür: „Tannenbaum raus, Tannenbaum rein!“ Dann nimmt sich Werner Momsen das Privatfernsehen zur Brust und lästert hemmungslos über den dort produzierten Schwachsinn, über Talk-Shows, Shopping-Queens und Entrümpelungsarien. Und kopfschüttelnd fragt er: „Schämt sich bei dem Fernsehen jemand noch über irgendetwas?“

Auf seiner Tour d’Horizont durch den turbulenten Alltag mit all seinen Peinlichkeiten streift Momsen die Mülltrennung und die Schlafstörung von Frauen, das Dschungel-Camp und die folgenschweren Ergebnisse des Sündenfalls. Adam und Eva hätten Gott einen Apfel vom Baum der Erkenntnis geklaut. Dafür hat er sie aus dem Garten Eden geschmissen. Ihre Nachfahren lebten nun ziemlich planlos in den Tag und kämen auf die sonderbarsten Einfälle. Sie hätten das Lachyoga erfunden und tobten sich bei ohrenbetäubendem Rock im Schlamm von Wacken aus. Die Menschen hätten viele Möglichkeiten, aber Gott habe vergessen, ihnen die rechte Gebrauchsanweisung dafür mitzugeben.

Seit 2009 tourt der Klappmaul-Komiker als Schatten von Momsen durch die Republik. Angefangen hat Detlef Wutschik 1987. Da gründete er seine erste Puppenbühne. Später wirkte er beim Düsseldorfer Marionettentheater mit und trat als Puppenspieler in der Sesamstraße auf, 2006 auch in der Kindersendung „Käpt’n Blaubär“. Für den Norddeutschen Rundfunk ist er als respektloser Außenreporter unterwegs und bereichert das biedere Fernsehprogramm mit Beiträgen aus der niederdeutschen Region. Auf die Frage, woher der Kabarettist seine Ideen bezieht, erklärt Klappmaul Momsen: „Du musst nur genau hingucken, dann entdeckst du die beklopptesten Fälle des Alltags.“

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