Neue Bühne Beverstedt bringt das Leben des Autors und Anarchisten Erich Mühsam auf die Bühne

Ein Leben gegen den Strom

Beverstedt. Die neue Bühne Beverstedt bringt das Leben des Schriftstellers und Anarchisten Erich Mühsam, der von 1878 bis 1934 lebte, zur Aufführung. Regisseur Lutz Höppner und sein Ensemble folgen ihm durch die Münchener Bohéme Anfang des 20. Jahrhunderts, seinem Kampf gegen den Ersten Weltkrieg, seine führende Rolle in der Revolution 1918/19 und der anschließenden Zeit in bayrischen Haftanstalten bis zu seinem Tod im Nationalsozialismus.
03.02.2013, 05:00
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Von Luise Bär
Ein Leben gegen den Strom

Blick in die Künstlerkneipe Simplicissimus (von links): Besucher (Knut Sübert), Pianist (Martin Osthaus), Besucherin (Susanne Pross), Conferencier (Jörg Baufeld) und Erich Mühsam (Mirko Prigge).

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Beverstedt. Die neue Bühne Beverstedt bringt das Leben des Schriftstellers und Anarchisten Erich Mühsam, der von 1878 bis 1934 lebte, zur Aufführung. Regisseur Lutz Höppner und sein Ensemble folgen ihm durch die Münchener Bohéme Anfang des 20. Jahrhunderts, seinem Kampf gegen den Ersten Weltkrieg, seine führende Rolle in der Revolution 1918/19 und der anschließenden Zeit in bayrischen Haftanstalten bis zu seinem Tod im Nationalsozialismus.

Erich Mühsam habe seine politischen Vorstellungen von höchstmöglicher Freiheit und Freizügigkeit und gegen jede Autorität nicht nur gefordert und vor getragen, sondern tatsächlich gelebt: "Es ist ein bemerkenswertes Schicksal eines anarchistischen Praktikers, das nicht vergessen werden sollte", sagte Höppner. Er hatte sich über ein Jahr lang in die Gedichte, Chansons, politischen Aufsätze und – soweit nicht verschollen – die Tagebücher von Mühsam eingelesen und daraus ein Theaterstück gemacht.

Der Titel lautet: "Einsam irrend nach dem Glück." Die erste Aufführung findet Dienstag, 5. Februar, in der Beverstedter Oberschule statt. Das wird nicht nur eine Premiere in Beverstedt, sondern eine Weltpremiere. Es sei das erste Theaterstück, das über Mühsam geschrieben worden sei, so Höppner weiter. In sechs Szenen werden die 26 Ensemble-Mitglieder die Gedanken-, Lebens- und Liebeswelt von Mühsam und einen Abschnitt deutscher Zeitgeschichte präsentieren. Nur der junge und der ältere Mühsam (dargestellt von Mirko Prigge und Dieter Campen) sowie dessen Frau Zensl (Rebecca Wilkens) werden durchgängig besetzt, die weiteren Akteure nehmen verschiedenen Rollen ein.

Den Schriftsteller und Poeten lässt Höppner ausschließlich mit eigenen Texten zu Wort kommen. Die erste Szene beginnt mit dem Schauplatz der Münchener Bohéme im berühmten Künstlerlokal Simplicissimus, wo auch Frank Wedekind, Hermann Hesse oder Heinrich Mann verkehrten. Besonders den sozial Benachteiligten fühlte sich Mühsam stark verbunden und setzte auf die Revolte des Subproletariats.

In Szene gesetzt wird ebenso der Pazifist Mühsam, der die Teilnahme am Ersten Weltkrieg verweigerte: "Ich schieße keine Franzosen tot." 1918/19 führte er die Münchener Räte-Revolution an, die nieder geschlagen wurde und ihm Haft einbrachte. Seinen Grundsätzen blieb er dennoch treu, der Freigeist setzte sich weiter gegen politische und staatliche Macht ein, einer politischen Gruppierung schloss er sich nie an. "Sich fügen, heißt lügen", war sein Motto.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, ließen sie ihn im gleichen Jahr verhaften. Damit endet das Theaterstück. Mühsam sollte nie mehr in Freiheit gelangen, er wurde 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet.

Nach der Premiere gibt es weitere Aufführungen am 8., 9., 15. und 16. Februar ab jeweils 20 Uhr, am Sonntag, 10. Februar, beginnt die Vorstellung um 18 Uhr. Info und Karten unter Telefon 04747/8730404 oder per E-Mail unter neuebuehnebeverstedt@der-norden.de.

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