Recycling-Projekt in Dakar

Ein neues Bett für Hunde - aus alten Autoreifen

Ein alter Autoreifen kann als Hingucker auf dem Gabentisch zu neuen Ehren gelangen – unsere Mitarbeiterin Cornelia Hagenah, die zur Zeit in der senegalesischen Hauptstadt Dakar lebt, hat den Beweis dafür angetreten. Das selbst gemachte Bett für Findelhund Otto hat sie zur Serienreife entwickelt.
18.12.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Cornelia Hagenah
Ein neues Bett für Hunde - aus alten Autoreifen

Cornelia Hagenah muss kräftig zupacken, um den Reifen-Rohling in die gewünschte Betten-Form zu bringen.

Cornelia Hagenah

Ein alter Autoreifen kann als Hingucker auf dem Gabentisch zu neuen Ehren gelangen – unsere Mitarbeiterin Cornelia Hagenah, die zur Zeit in der senegalesischen Hauptstadt Dakar lebt, hat den Beweis dafür angetreten. Das selbst gemachte Bett für Findelhund Otto hat sie zur Serienreife entwickelt. Der Erlös aus dem Verkauf der Pneus, die in ebenso bequeme wie optisch ansprechende Liegestätten für Hunde verwandelt werden, fließt dem örtlichen Tierschutzverein zu.

Viel Müll und viele Hunde

Auch wenn die afrikanische Sonne, die Dürre und der allgegenwärtige Sand Senegals das Denken erschweren, ist es keine Alternative, nur untätig rumzusitzen. In Dakar gibt es viel Müll, Armut und vor allem unzählige Straßenhunde, die sich in der senegalesischen Hauptstadt nicht nur alleine durchschlagen müssen, sondern vor allem auch jede Menge Nachwuchs produzieren. So ist bei Kaffee und Zigarette eine ganz besondere Geschenkidee entstanden, die in mehrfacher Hinsicht Nutzen bringt.

Auf einem Weihnachtsmarkt sollte Geld für die örtliche Tierschutzorganisation – die Animal Rescue League (ARL) Dakar – gesammelt werden. ARL kümmert sich um die Vermittlung, die medizinische Versorgung, Impfung und Kastration von Straßenhunden, Katzen und anderen Tieren. Schon gut 200 Straßenhunde und Katzen haben dank ARL ein Zuhause gefunden.

Was könnte also hergestellt werden, ohne viel Eigenkapital, und dennoch ein Hingucker sein und damit dazu dienen, die Organisation finanziell zu unterstützen?

Überall alte Autoreifen

Zusammen mit der Südafrikanerin Vicky van Geemert, die vor knapp zwei Jahren die Tierschutzorganisation gründete, ist nach einigem Hin- und Herdenken eine witzige und profitable Lösung gefunden worden. „Alte Autoreifen liegen hier überall an der Straße. Warum bauen wir daraus nicht Hundebetten zu Gunsten von ARL Dakar?“, schlägt Vicky van Geemert vor. Gesagt, getan.

Ein paar alte Reifen sind schnell gefunden, ein wenig Internet-Recherche, ein scharfes Fleischermesser aus der Küche (es wird jetzt natürlich nicht mehr für den ursprünglichen Zweck verwendet) – und ran ans Werk. Für die spätere Massenproduktion werden die Reifen ordentlich mit dem Hochdruckreiniger vom Schmutz befreit werden, aber zunächst gilt es zu sehen, ob es gelingt, ein schönes Hundebett zu bauen.

Ein wenig Muskelkraft ist notwendig, um den Reifen in die gewünschte Form zu bringen. Der Rahmen des Hundebettes wird gewonnen, indem man die eine Seite des Reifens durch einen Schnitt entlang der Lauffläche in die gewünschte Form bringt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Lauffläche unversehrt bleibt, denn sie ist aus Stabilitätsgründen von feinen Stahlfäden durchsetzt.

Für den Boden wird ein kleiner Falz gelassen, der benötigt wird, um an ihm die rund zugeschnittene, wasserfeste Holzplatte befestigen zu können. Mit der Stichsäge ist das Holz schnell in die richtige Passform gebracht. Die Bohrmaschine ist nützlich, wenn es darum geht, Holz und Gummi mit Löchern zu versehen. Das Gummi schließt sich zwar schnell wieder, aber wenn mit einem größeren Bohrer nachgearbeitet wird, lassen sich die sechs Schrauben einfach und ohne viel Mühe fixieren.

Esszimmer als Nähraum

Doch noch ist das Hundekörbchen nicht fertig. Passend für die Größe des Reifens lassen sich wunderschöne afrikanische Stoffe verwenden, die in Dakar überall auf den Märkten verkauft werden. Die Ungarin Krisztina Rigby vernäht die Stoffe zu runden Kissen und stopft sie mit Füllstoff aus. Langsam verwandelt sich das Esszimmer in einen Nähraum, im Wohnzimmer stapeln sich die Kissen auf der Couch, ein gemütlicher Fernsehabend ist nun ausgeschlossen, und der Garten wird zum Atelier. Farbtöpfe, Pinsel und Terpentin stehen neben den zugeschnittenen Reifen auf dem Rasen. Etwas abseits trocknen die mittlerweile bemalten Betten.

„Passend zu den Farben der Stoffe mischen wir Ölfarben, um das Hundekörbchen einzigartig werden zu lassen, das ist der Clou. Wir nutzen das Muster der Profile für immer neue Variationen, sodass kein Bett dem anderen gleicht“, erläutert Vicky van Geemert, während im Hintergrund Krisztina Rigby an der Nähmaschine ein Kissen nach dem anderen näht.

Findelhund als Tester

Das Mischen der Farben – nicht alle Farben sind hier erhältlich – und das Bemalen der Reifen ist eindeutig die aufwendigste Arbeit, aber das Resultat lässt sich sehen. Ein Dreier-Team benötigt knapp einen Tag für die Fertigung eines Hundekorbes. Die südafrikanisch-ungarisch-deutsche Kooperation funktioniert bestens, Hand in Hand geht die Arbeit voran. Natürlich wird auch jemand zum Testen gebraucht. Es gibt kleine und große Reifen, vom Lkw-Reifen bis zum Scooter Reifen wird alles verarbeitet. Ein geeigneter Tester ist Otto, der Findelhund. Im Sommer stand er als kleiner Welpe plötzlich vor der Tür und wollte nicht mehr weg, so wurde er kurzerhand aufgenommen.

Otto ist begeistert. Er nutzt spontan die Gelegenheit, in dem gerade fertiggestellten Bettchen zu dösen und will gar nicht mehr heraus, auch wenn es ein wenig klein erscheint. Sobald eines der Betten mit einem Kissen ausgestattet ist, kuschelt er sich hinein und schaut dabei ganz glücklich aus. Das Bett fand allerdings schnell einen neuen „Bewohner“. Der Weihnachtsmarkt ist nämlich ein voller Erfolg, mittags sind alle sechs Hundebetten verkauft. Zwei Wochen später ist die Liste der Bestellungen noch immer nicht abgearbeitet „Das ist toll, so ein Feedback! Die Leute sehen die Betten, finden die Idee klasse und kaufen“, freut sich Vicky van Geemert.

Ein Bett für 0tto wird natürlich auch noch gebaut.

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