Hurricane-Festival in Scheeßel: Rotenburger Polizei will am Wochenende mit 400 Einsatzkräften vor Ort sein Eine gute Vorbereitung ist alles

Das dritte Wochenende im Juni rückt näher. Für die Rotenburger Polizei ist es seit vielen Jahren ein fester Termin im Einsatzkalender, denn dann steigt das Hurricane-Festival in Scheeßel. Mehr als 400 Einsatzkräfte werden für Sicherheit rund um das Musikfestival sorgen.
19.06.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Andreas Becker und Andrea Zachrau

Das dritte Wochenende im Juni rückt näher. Für die Rotenburger Polizei ist es seit vielen Jahren ein fester Termin im Einsatzkalender, denn dann steigt das Hurricane-Festival in Scheeßel. Mehr als 400 Einsatzkräfte werden für Sicherheit rund um das Musikfestival sorgen.

Es sind nur noch wenige Tage, dann steht die Gemeinde Scheeßel wieder ganz im Zeichen des Hurricane-Festivals. Die Großveranstaltung mit rund 75 000 Besuchern findet von Freitag, 20. Juni, bis Sonntag, 22. Juni, zum achtzehnten Mal am Eichenring in Scheeßel statt. Auch in diesem Jahr setzen die Veranstalter wieder auf eine bunte Mischung aus Newcomern, deutschen Künstlern und bekannten Stars der Rock- und Indie-Szene. Seit 1999 findet parallel im Süden der Republik das Zwillingsfestival Southside-Festival mit gleichem Programm statt. Alljährlich treffen sich mehr als 130 000 Besucher aus ganz Europa bei den beiden Veranstaltungen.

Während des Festivals können die Musikfreunde zwischen vier Bühnen wechseln. Insgesamt treten mehr als 90 Bands auf. Zu den Headlinern am Freitag gehören Arcade Fire, die Punk-Altväter Bad Religion, Casper, Thees Uhlmann und The Kooks. Am Sonnabend treten auf: die wiedervereinigten Pixies, Kraftclub, Bosse, Interpol, Volbeat, Lykke Li, Lily Allen sowie zu früher Stunde am Sonntagmorgen Belle & Sebastian. Zu den Headlinern am Sonntag zählen: Black Keys, Tocotronic, Franz Ferdinand, Seeed, Fettes Brot, Ed Sheeran und James Blake.

Da viele Fans mit dem Festival älter geworden sind und keine Lust mehr haben auf Dauerparty, Schlamm und versiffte Sanitärbereiche, bieten die Veranstalter einige Annehmlichkeiten an. Wer Rock’n’Roll auf dem Gelände, aber Ruhe und Sauberkeit beim Campen will, kann sich im Bereich „Grüner Wohnen“ einquartieren. Das abgesperrte Areal soll Besuchern mit umweltbewusster Gesinnung die Möglichkeit geben, sauber und ruhig übernachten zu können. Wer in diesem Bereich nächtigen will, konnte sich online dafür anmelden und erhält gegen Vorlage des ausgedruckten Formulars bei Festivaleinlass eine entsprechende Zugangsberechtigung.

Bereits ausverkauft sind die aufpreispflichtigen Plätze im Hurricane Resort, wo die Fans unter anderem mehr Platz rund um ihr Zelt haben, befestigte Hauptwege, einen Frühstücksservice, Schließfächer und nahegelegene Parkplätze. Besonders komfortabel – und ebenfalls ausverkauft – versprechen die Festivalhütten zu sein, die mit Einzelbetten, Innenbeleuchtung und Campingstühlen ausgestattet sind. Für die Anreise empfehlen die Veranstalter den Zugverkehr zu nutzen. Der Bahnhof Scheeßel ist nur einen kurzen Fußmarsch vom Festivalgelände entfernt. Wer mit dem Auto kommt, sollte Fahrgemeinschaften bilden.

Schon während der Anreise lenken Polizisten als Funk- und Motorradstreifen auf mehreren Anfahrtsrouten den Strom der Festivalgäste in die richtigen Bahnen. Hat das Spektakel begonnen, werden die meisten Einsatzkräfte zu Fuß, mit dem Rad und auf dem Rücken von Polizeipferden auf dem Gelände präsent sein. Am Montag nach der Abreise der fast 80 000 Festivalbesucher wird die Arbeit für die Polizei jedoch noch lange nicht beendet sein: Dann müssen erfahrungsgemäß Strafanzeigen bearbeitet und Täter ermittelt werden.

Geplant wird der zweitgrößte Einsatz der Polizeidirektion Lüneburg nach dem Castortransport Monate vorher in Rotenburg. Polizeioberrat Jörg Wesemann tüftelt gemeinsam mit seiner Kollegin und Polizeioberkommissarin Janina Stolt an Details, um sämtliche Probleme vergangener Einsätze zu lösen. Zwar können die Beamten auf viele Jahre Festival-Erfahrung zurückgreifen. Doch gerade die Erfahrung zeigt, dass es fast unmöglich ist, sich auf alle Szenarien vorzubereiten.

Verlauf ist nicht vorhersehbar

Dazu gehören Regen und Unwetter, die in den vergangenen Jahren des öfteren für Chaos gesorgt haben. „Auch die Polizei ist bei dem Festival vom Wetter abhängig“, sagt Jörg Wesemann. „Unser Verkehrskonzept wurde überarbeitet. Wir können aber nicht verhindern, dass Fahrzeuge im vom Regen aufgeweichten Boden der Parkplätze einsinken und dadurch Verkehrsstaus verursachen.“ Es sei nicht damit getan, die Parkplatzauffahrten zu verdichten. Genauso helfe es bei der Abreise nicht, möglichst viele Traktoren als Schleppfahrzeuge für eingesunkene Autos vorzuhalten, weil die den ohnehin lädierten Boden noch weiter aufweichen würden. Dennoch ist der Polizeioberrat zuversichtlich: „Wir betreiben die Verkehrsführung in ganz enger Zusammenarbeit mit dem Veranstalter und lassen unsere Erfahrungen und das Fachwissen in den Einsatz einfließen.“

Wichtiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit sind außerdem die Rauschgiftkontrollen während der Anreise. „Wir haben beim letzten Festival mehr als 80 Blutentnahmen bei Fahrzeugführern vornehmen müssen, die unter Betäubungsmitteleinfluss standen. Damit gefährden sie unbeteiligte Verkehrsteilnehmer und sich selbst. Wir werden auf der An- und der Abreise Fahrzeuge kontrollieren und kündigen das ganz bewusst und offen an“, betont Wesemann, der während des Hurricane-Festivals polizeilicher Einsatzleiter im Nachtdienst sein wird.

Die Beamten sind auf die verschiedensten Szenarien vorbereitet. So werde schon im Vorfeld gemeinsam mit dem Veranstalter und der Gemeinde Scheeßel versucht, die mö glichen Gefahrenlagen durch das Auftreten der verschiedenen Bands und mögliche Wechselwirkungen mit dem Publikum zu bewerten. Wesemann: „Wir haben Maßnahmenkataloge erarbeitet, die auf den Einzelfall angeglichen werden müssen, und beobachten natürlich auch mögliche Einflüsse, die beispielsweise durch die Fußball-Weltmeisterschaft oder auch durch den neuen Riesen-Supermarkt auf dem Gelände entstehen können.“

Akribisch bereiten sich die Beamten auf das Festival vor, etwa mit Fortbildungen oder dem Besuch anderer Open-Air-Großveranstaltungen. „Ich habe im letzten Jahr den Polizeieinsatz beim Wacken-Open-Air begleitet. Vor Kurzem war ich bei einer Fortbildung zum Thema Sicherheit bei Großveranstaltungen“, schildert Wesemann. Insbesondere die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, der Feuerwehr, dem Sanitätsdienst und dem Veranstalter seien jedoch gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches und friedliches Festival.

Eine Sonderseite zum Hurricane-Festival finden Sie unter www.weser-kurier.de/hurricane.

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