Jugend und Politik

Eine schwierige Beziehung

Die jungen Deutschen sind keineswegs unpolitisch, aber die 14 bis 17-Jährigen fühlen sich von den Politikern nicht richtig vertreten.
14.08.2017, 16:36
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Ulf Buschmann
Eine schwierige Beziehung

Arne Seebo, Jonas Bergmann und Rouven Senft (von links) wünschen sich mehr Geld für die Bildung

Ulf Buschmann

Landkreis Osterholz. Politik steht hoch im Kurs. Schließlich werden die Wahlurnen bald wieder hervorgeholt. In Niedersachsen geschieht dies gleich zwei Mal innerhalb von drei Wochen. Am 24. September sind Bundestagswahlen und am 15. Oktober bestimmen die Menschen über die Zusammensetzung des Landtags in Hannover. Ihn dürfen schon die Jugendlichen ab 16 Jahren mit wählen. Das System aus Wahlbenachrichtigung, Stimmabgabe, Personen- und Listenwahl sowie Auszählung trainieren die jungen Leute bundesweit bei der Juniorwahl.

Doch gerade die 14- bis 17-Jährigen sind es, die sich von den Politikern nicht vertreten fühlen. So steht es in einer Studie der Jugendzeitschrift Bravo und des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“. Und so sehen es junge Leute aus dem Landkreis Osterholz, wie eine Umfrage an den Berufsbildenden Schulen (BBS) zeigt. Doch unpolitisch sind sie nicht. Auch das haben die Forscher herausgefunden. Rund ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen informieren sich über politische Themen.

Jonas Bergmann ist so einer. „Ich habe wirklich mal das Programm der Linken gelesen“, sagt der 16-Jährige. Daraus zieht er den Schluss, dass unbedingt mehr Geld in die Bildung fließen müsse. Seine beiden Freunde, die gleichaltrigen Arne Seebo und Rouven Senft, nicken zustimmend. Sie wünschen sich mehr Personal sowie eine bessere Ausstattung der Schulräume mit Tischen und Stühlen. Auch die Fremdsprachenangebote sollten erweitert werden.

Scheinbar aber würden diese und ähnliche Wünsche der jungen Leute keine oder kaum Beachtung finden, sind sich die drei Jugendlichen einig. Mit dieser Sicht der Dinge sind sie nicht allein. Die 17-jährige Samira Stelljes und die ein Jahr jüngere Lorencia Eves stimmen ihren Schulkollegen zu. „Es geht so“, antwortet Samira Stelljes auf die Frage, ob sie sich von den aktuellen Bundestagsabgeordneten vertreten fühle. Lorencia Eves macht es am Busverkehr fest. „Ein schwieriges Thema“, befindet die 16-Jährige. Sie müsse morgens lange warten.

Gute Chancen, die Beziehung zwischen Politikern und Jugendlichen zu entkrampfen, gibt es mit der Juniorwahl. Daran können alle noch nicht zur Wahl am Bundestag berechtigten jungen Leute teilnehmen. Die Juniorwahl gibt es seit 1999. An ihr beteiligen sich nach eigenen Angaben in diesem Jahr rund 3000 Schulen mit knapp einer Million Schülern. Auch im Landkreis Osterholz sind einige Schulen dabei. Neben den Berufsbildenden Schulen sind es das Gymnasium und die IGS Osterholz-Scharmbeck, die Hermann-Allmers-Schule in Hagen, die KGS Hambergen, die Ganztagsschule Lilienthal und das Gymnasium Ritterhude. Dort ist Politiklehrer Arne Sassenberg für die Organisation zuständig. Seine Begründung für die Beteiligung an der Juniorwahl: „Wir möchten Bewusstsein schaffen für politische Mitwirkung.“

Ähnliche Argumente sind aus den anderen Schulen zu hören. So findet Ulrike Hepp, Lehrerin für Politik und Wirtschaft am Gymnasium Osterholz-Scharmbeck: „Es ist die beste Möglichkeit, die Schüler auf die Wahl vorzubereiten.“ Frank Helmes, Politik-Fachbereichsleiter an den BBS Osterholz, und sein Vorgänger Jürgen Grimm sind sich darin einig, dass sich via Juniorwahl „Demokratie leben und erleben“ lasse. Genauso sieht es ihre Hamberger Kollegen Claudia Drees. Erik von Hofe, Politiklehrer an der IGS Osterholz-Scharmbeck, bestätigt für seine Schule wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse der Juniorwahl: „Dadurch sind Erstwähler motivierter.“ Weitere Informationen gibt es unter www.juniorwahl.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+