Appelner glauben nach Machbarkeitsstudie an preiswerte Alternative zur Abwasserentsorgung / Vereinsgründung geplant Einwohner: Versickerungsmulden statt Kanalanschluss

Die Bürger in Appeln sehen für ihre Grundstücke eine Alternative zum Anschluss an die zentrale Abwasserkanalisation. Diplomingenieur Bernd Ebeling aus Uelzen stellte jetzt auf einer vom Arbeitskreis Abwasser einberufenen Dorfversammlung eine Machbarkeitsstudie vor.
20.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Luise Bär

Die Bürger in Appeln sehen für ihre Grundstücke eine Alternative zum Anschluss an die zentrale Abwasserkanalisation. Diplomingenieur Bernd Ebeling aus Uelzen stellte jetzt auf einer vom Arbeitskreis Abwasser einberufenen Dorfversammlung eine Machbarkeitsstudie vor.

Die Idee klingt bestechend: Wenn an gut wasserdurchlässigen, sandigen Stellen gemeinschaftliche Versickerungsmulden gebaut werden, dann muss das aus den Kleinkläranlagen abzuführende Klarwasser weder in einen Graben noch die zentrale Kanalisation geleitet werden. In Appeln will man diesen Plan weiter verfolgen und eine Alternative zum kostspieligen Kanalanschluss ans zentrale Klärwerk in Beverstedt entwickeln. Die Einwohner, so zeigte es sich auf der jüngsten Dorfversammlung, möchten dazu einen Verein gründen. Die Zeit drängt, zum Jahresende läuft die Frist ab, innerhalb der die Einleitung in den Regenwasserkanal noch geduldet wird. Bis dahin muss eine Lösung her.

Von den 66 genehmigten Kleinkläranlagen (KKA) nutzen rund 30 den dörflichen Regenwasserkanal für den Abfluss in den Appelner Dorfgraben, der wiederum in die Lune fließt. Als der Landkreis vor eineinhalb Jahren in der Lune erhöhte Nitritwerte feststellte, wurde als Verursacher der Dorfgraben ausgemacht. Ein Anschluss ans Klärwerk wäre die sinnvollste Lösung, hatte ein von der Gemeindeverwaltung eingeschaltetes Ingenieurbüro vorgestellt. Der Umweltausschuss des Rates gab dafür im Juni einstimmig grünes Licht. Im Haushalt 2015 wurden dafür 1,7 Millionen Euro eingestellt. Weiter hatte sich der Ausschuss auf Drängen der Appelner Bürger aber auch dafür ausgesprochen, alternative Lösungsmöglichkeiten über ein weiteres Fachbüro klären zu lassen.

Kleine Pumpe statt teurer Leitung

Auch etliche Kommunalpolitiker hatten sich jetzt zur Dorfversammlung mit rund 60 Interessierten in der Gaststätte „Treffpunkt“ eingefunden, um die Ausführungen des Wasserexperten Bernd Ebeling zu hören. Statt knapp zwei Kilometer Druckrohrleitung ins Adelstedter Klärwerk nebst Pumpstationen bei jedem der angeschlossenen Haushalte setzt der Ingenieur auf eine kostengünstige Versickerung. Rund 1500 Euro würde eine mit Kies gefüllte und mit Mutterboden abgedeckte flache Mulde kosten, inklusive einer kleinen Pumpenstation und einem geologischen Gutachten.

Wenn sich die Haushalte zusammenschließen, könnte der Preis weitaus niedriger liegen, so Ebeling. Hingegen berechnen sich die Kosten für einen Kanalanschluss nach der Größe des bebaubaren Grundstücks und damit kann die Sache für einzelne Bürger bis zu 20 000 Euro kosten.

Viele Einwohner befürchten zwar, der Landkreis werde die Versickerungsoption nicht genehmigen. Doch Ebeling erwiderte, nach den geltenden DIN-Vorschriften sei die Genehmigung nicht zu verwehren, wenn der Boden für die Versickerung geeignet sei. Das sei in Appeln zwar nicht überall möglich, jedoch an genügend vielen Stellen. Dazu müsste ein Zweckbündnis mit entsprechenden Verträgen her.

Spontan bekundeten 40 Appelner ihren Beitritt zu einem zu gründenden Verein „Gewässerschutz Appeln“. Zunächst sollen die geologischen Untersuchungen organisiert werden, um das Klärwasserproblem zu lösen. Aber auch die Qualität des Regenwassers, das von den Straßen, Wegen, Wiesen und Feldern in die Lune fließt, soll Anliegen des Vereins werden. Die Appelner bezweifeln, dass ihre KKA für die die gemessenen Nitritwerte verantwortlich sind.

Die Politik wird sich Ende März nicht öffentlich im Verwaltungsausschuss mit dem Thema beschäftigen.

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