Charlotte Gödicke ist tot / Pädagogin hat Lebensziel erreicht: Philippinen-Region gilt als Erfolgsmodell

Elend durch Hilfe zur Selbsthilfe überwunden

Landkreis Osterholz. Die Bilder des Elends haben Charlotte Gödicke nie losgelassen. 1980 stand die Lehrerin mit Osterholzer Kreistagsabgeordneten erstmals in der Tropenhitze von Sagay im Norden der philippinischen Zuckerinsel Negros. In schmutzigen Hafenvierteln standen Kinder mit Geschwüren auf der Haut, sie kauten Zuckerrohrblätter, um das Hungergefühl zu betäuben. 1985 stand Gödicke im Hospital. Unterernährte Kinder starben an Typhus und Cholera. Die Osterholzerin und ihre Begleiterin kauften Nahrung und Infusionen, sie hatten Spenden gesammelt – und kamen zu spät. Es war eine einschneidende Erfahrung, die Gödickes Leben veränderte. Die Lehrerin wurde zum Motor der Entwicklung in Sagay, einem Gebiet von der Größe des Kreises Osterholz.
26.02.2013, 05:00
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Von Michael Wilke

Landkreis Osterholz. Die Bilder des Elends haben Charlotte Gödicke nie losgelassen. 1980 stand die Lehrerin mit Osterholzer Kreistagsabgeordneten erstmals in der Tropenhitze von Sagay im Norden der philippinischen Zuckerinsel Negros. In schmutzigen Hafenvierteln standen Kinder mit Geschwüren auf der Haut, sie kauten Zuckerrohrblätter, um das Hungergefühl zu betäuben. 1985 stand Gödicke im Hospital. Unterernährte Kinder starben an Typhus und Cholera. Die Osterholzerin und ihre Begleiterin kauften Nahrung und Infusionen, sie hatten Spenden gesammelt – und kamen zu spät. Es war eine einschneidende Erfahrung, die Gödickes Leben veränderte. Die Lehrerin wurde zum Motor der Entwicklung in Sagay, einem Gebiet von der Größe des Kreises Osterholz.

Unermüdlich sammelte sie Spenden in der Bremer Region und fand Unterstützer bis hin zur Jungen Union im fränkischen Kronach. Der Kreis und seine Gemeinden unterstützten sie mit Zuschüssen. Später förderte das Bundesministerium für Entwicklung die Projekte mit großen Summen. Gödicke ließ Trinkwasserbrunnen und Wasserleitungen, Schulen und Gesundheitszentren bauen. Sie kooperierte mit mächtigen Großgrundbesitzern, gab das ihr anvertraute Geld aber nie aus der Hand. Jahr für Jahr flog sie in den Sommerferien nach Sagay, wo sie Hilfe zur Selbsthilfe leistete und mit örtlichen Ingenieuren, Ärzten und Lehrern Projekte vorantrieb.

Längst sind alle 27 Dörfer und die Stadt Sagay mit Trinkwasser versorgt, es gibt Schulen und Gesundheitszentren. Mit 72 Jahren zog sich Gödicke zurück: "Sie brauchen mich nicht mehr. Sie können das jetzt alleine." Heute gilt Sagay als Modell für erfolgreiche Entwicklung. Gödicke hat das Bundesverdienstkreuz erhalten und den höchsten Orden der Philippinen – von Präsidentin Arroyo persönlich. Sie hat ihr Ziel erreicht. In Sagay stirbt kein Kind mehr an Hunger und Infektionen. Gödickes Lebensweg endete in der vergangenen Woche. Sie starb mit 80 Jahren.

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