Umweltexperten der SPD diskutierten in Bokel / Kritik an Biogasanlagen Energieverbrauch senken

Von Luise Bär
07.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Luise Bär

Bokel. Unter dem Titel "Global denken - lokal handeln: Wie können Kommunen für Energie und Klimaschutz sorgen?" diskutierten SPD-Umweltexperten aus Land-, Kreis- und Kommunalparlamenten mit Gästen im Bokeler Gasthaus Gerdau im Rahmen der SPD-Dialogveranstaltungen.

Klimaschutzziele werden seit Jahren auf internationalen Gipfeltreffen formuliert. In Deutschland wurde mit den Gesetzesvorgaben zu erneuerbaren Energien aus Wasser, Wind, Sonne und nachwachsenden Rohstoffen eine Wende eingeleitet. Seit dem Kernkraftwerks-Unfall im japanischen Fukushima steht die sogenannte "Brückentechnologie" der atomaren Energieerzeugung im Brennpunkt des gesellschaftlichen Interesses. Die noch im Herbst von der Bundesregierung verabschiedete Laufzeitverlängerung der Atommeiler wurde für die sieben ältesten Anlagen vorläufig ausgesetzt.

Neue Energiequellen müssen her, die bezahlbar, sicher und nachhaltig seien, stellte Landtagsabgeordnete Daniela Behrens (SPD) in ihrer Einleitung klar. Die Verbindung von Klimaschutz, Umweltschutz und Wirtschaftsentwicklung sei eines der zentralen Themen der Zukunft.

Detlef Tanke, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, stellte die Ziele vor. "Wir wollen Niedersachsen Atomkraftfrei machen." Dazu müsse die Erforschung alternativer Energieerzeugung verstärkt werden und mit in der Branche tätigen Unternehmen verknüpft werden. Dadurch würde die Wirtschaft einen enormen Investitionsschub bekommen, das würde für viele neue Arbeitsplätze sorgen. Energieforschung, -entwicklung und -erzeugung seien die Zukunftsbranchen und könnten zum "Exportschlager" werden. Niedersachsen als Küsten- und Hafenland müsse diese Chance nutzen und eine Vorreiterrolle in Deutschland übernehmen.

An erster Stelle der Energiewende stehe jedoch die Energieeinsparung. "Wärmeschutz von Gebäuden ist bestens angelegtes Geld. Der Heizbedarf könne stark gesenkt werden. Tanke forderte maßgeschneiderte Förderprogramme als Anreiz für die Wohnungswirtschaft, in energiesparendes Bauen zu investieren. Günter Ihmels (SPD-Fraktionsvorsitzender im Samtgemeinderat Beverstedt und Physiker) erinnerte an die umfangreichen energetischen Sanierungen von Schulen oder Turnhallen mit Finanzmitteln aus den Konjunkturprogrammen des Bundes.

"Warum muss in jedem Haus eine Heizungsanlage stehen?" fragte Tanke in den Raum und wies auf die viel effektiver arbeitenden Blockheizkraftwerke für Straßen oder Siedlungen hin. Hier könne über Bebauungspläne der Gemeinden Einfluss genommen werden. "Wir haben für ein Baugebiet die Südausrichtung der Dächer verlangt", ergänzte Volker Lüdke, Bokeler Bürgermeister, fast alle Plätze seien verkauft. Behrens plädierte für die Stelle eines Energieberaters im Landkreis.

Tanke favorisierte grundsätzlich eine dezentrale Energieversorgung. Damit könne der Stromnetzausbau vermindert werden, der Siedlungen, Landwirtschaft, Naherholung oder Natur beeinträchtige. Dennoch werde die zentrale Energieversorgung über die zukünftigen (Wind-) Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee eine große Rolle spielen.

Was können die Kommunen tun? Bokel hatte bereits einmal einen Vorstoß gewagt. Nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl kaufte die Gemeinde für 30000 Mark einen Anteil an einem Windpark in Misselwarden. "Das brachte auch Rendite", berichtete Günter Ihmels. Als die Gemeinde ihren Verwaltungshaushalt nicht mehr ausgleichen konnte und auf Zuweisungen des Landes angewiesen war, verlangte die Kommunalaufsicht, die Anteile wieder zu verkaufen.

Der im Samtgemeinderat diskutierte SPD-Vorschlag, auf dem Dach des neuen Stubbener Kindergartens eine Photovoltaik-Anlage zu installieren, scheiterte ebenfalls an der Finanzlage. Eine Stubbener Initiative hat diese Idee aufgegriffen und will eine Genossenschaft für Energieerzeuger gründen, berichtete Gerard Gerburg, der hierfür die Koordination übernommen hat. Auf kommunalen Dächern sollen Photovoltaikanlagen Strom erzeugen.

Die über 50 geplanten oder fertiggestellten Biogasanlagen im Landkreis sorgen zunehmend für Kritik. "Wir müssen über Förderung und Privilegien bei der Errichtung nachdenken", war die einhellige Meinung der Experten. Bei Reststoffverwertung, hofeigener Kreislaufwirtschaft und (Abfall-)Wärmenutzung für Siedlungen - und nicht für neue Mastställe - seien Biogasanlagen sinnvoll. Der Energiehunger könne jedoch nicht gestillt werden, wenn dadurch enorme Flächen für den Maisanbau benötigt werden und dadurch neue Probleme mit Nährstoffauswaschungen in das Grundwasser, Erosion und Humusabbau geschaffen werden.

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