Plan für seismische Messungen in Osterholz

Erdgas-Suche: Die Skepsis bleibt

Trotz der Ankündigung der Deutschen Erdöl AG, den Plan für seismische Messungen auf Eis zu legen, stellt sich bei den Gegnern der Erdgassuche keine Erleichterung ein. Im Gegenteil.
03.12.2018, 18:32
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Silke Looden, Lutz Rode und André Fesser

In dieser Hinsicht sind sich die Beteiligten in der Region einig: Der geballte Protest gegen die geplanten seismischen Messungen in Lilienthal und Grasberg hat dazu beigetragen, dass der Energiekonzern Dea seine Pläne für die Suche nach möglichen Erdgasvorkommen vorerst ruhen lässt. Wirkliche Erleichterung will sich bei Bürgermeistern, Lokalpolitikern und Bürgerinitiative dennoch nicht einstellen. Zu groß ist aus ihrer Sicht die Ungewissheit, wie das Unternehmen weiter agieren wird. Dea betont auf Nachfrage: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) geht davon aus, dass die Dea den Antrag für die Genehmigung der geplanten seismischen Messungen in Lilienthal und Grasberg wie angekündigt zurückzieht. „Uns liegt aber noch nichts Schriftliches vor“, erklärt LBEG-Sprecher Björn Völlmar auf Nachfrage. Man gehe aber davon aus, dass der Rückzug auch offiziell erfolgt. Sollte die Dea zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Erkundungen in dem Gebiet vornehmen wollen, müsse ein neuer Antrag gestellt werden. Es sei nicht das erste Mal, dass ein Energie-Unternehmen aufgrund von Protesten aus der Bevölkerung ein Vorhaben zurückstellt, so der Sprecher. Ungewöhnlich sei, so Völlmar, dass der Rückzug in einem so frühen Stadium erfolgt. Für die Genehmigung aber spielten öffentliche Demonstrationen keine Rolle, betont der Behördensprecher: „Für uns zählen ausschließlich die rechtlichen und fachlichen Aspekte.“

Späterer Antrag nicht ausgeschlossen

„Wir setzen die Sache aus“, sagt Dea-Sprecher Heinz Oberlach. Der Antrag auf Genehmigung der seismischen Messungen werde zunächst einmal zurückgezogen. Dabei geht es nach Unternehmensangaben um Fristen, die bei einer Verzögerung nicht eingehalten werden können. Die Dea schließt einen späteren, neuen Antrag jedoch keineswegs aus. Offenbar will man die Messungen erst einmal verschieben, bis sich die Lage beruhigt hat. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt denn auch der Dea-Sprecher. Das Energieunternehmen will seine bisherige Kommunikationsstrategie überdenken. Oberlach: „Die Frage ist, ob der bisherige Dialog in dieser Form noch Sinn macht.“

Landrat Bernd Lütjen begrüßt die Ankündigung der Dea zur Aussetzung der seismischen Messungen. „Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Befürchtungen der Menschen in unserer Region hoch sind – zu Recht. Erdbeben und möglicherweise gesundheitliche Auswirkungen sind Folgen der Erdgasförderung, zu denen viele Fragen ungeklärt sind“, sagte der Landrat.

Grasbergs Bürgermeisterin Marion Schorfmann ist einerseits froh, dass die Dea auf den Widerstand und das Unverständnis der Menschen vor Ort reagiert habe. Andererseits sei es nun die spannende Frage, wie sich das Unternehmen weiter verhalten werde. Mitte 2019 läuft laut Schorfmann die grundsätzliche Erlaubnis aus, in der Region nach Erdgasvorkommen zu suchen und es sei denkbar, dass Dea eine Verlängerung beantragen werde. „Bei diesem Antrag sind wir als Gemeinde komplett außen vor. Es kommt daher darauf an, dass wir uns durch einen Schulterschluss in der Region bei der Landesregierung bemerkbar machen“, sagt die Bürgermeisterin. „Minister Althusmann kann uns gerne mal besuchen oder wir fahren nach Hannover, wo wir dann die Dinge besprechen können“, sagt Schorfmann. Schon vor der Ankündigung vom Sonntag hatte die Dea mit der Gemeinde Grasberg für Dezember einen Gesprächstermin vereinbart - und daran möchten die Grasberger auf alle Fälle festhalten, auch wenn das Unternehmen seinen Antrag auf Sondernutzung der Gemeindestraßen für die geplanten Untersuchungen am Montag auch schriftlich zurückgezogen hat.

„Ich freue mich, dass wir das Thema erst einmal vom Tisch haben. Doch wir müssen es weiter aufmerksam begleiten", sagt Lilienthals Bürgermeister Kristian Tangermann. Die auch in Lilienthal von der Politik geplante Resolution gegen die Untersuchungen und die Erdgasförderung hat sich aus Tangermanns Sicht durch die Ankündigung von Dea nicht erledigt. „Sie ist wichtig, um die Einstellung in der Gemeinde zu dem Thema deutlich zu machen.“

"Erster Teilerfolg"

„Wir werden wachsam bleiben“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag und im Lilienthaler Gemeinderat, Rainer A. Sekunde. Die Dea habe nur angekündigt, die Untersuchungen auszusetzen. Von einem Ausstieg sei keine Rede. „Das macht uns sehr hellhörig“, sagt er. Einen Grund, dass der Kreistag angesichts der neuen Entwicklung am Donnerstag auf die geplante Resolution gegen die Erdgassuche und -förderung verzichten könnte, sieht der CDU-Mann nicht.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner aus Lilienthal sieht in der Ankündigung des Unternehmens einen „ersten Teilerfolg“. Eine Aussetzung der Messungen aber ist für ihn nicht genug: „Darum geht es nicht. Wir wollen generell keine seismischen Messungen bei uns.“ Diese seien die Vorbereitung einer späteren Erdgasförderung, für die es keine Akzeptanz in der Bevölkerung gebe. „Erdbeben, Krebs, Lagerstättenwasser – wir wollen das nicht“, so Miesner in einer Pressemitteilung. Der Osterholzer Kreistag und der Lilienthaler Gemeinderat seien gut beraten, an ihren Beschlüssen festzuhalten und der Dea die Überfahrt der Messfahrzeuge auf öffentlichen Straßen zu verweigern.

Bei der Bürgerinitiative No Moor Gas will man die Arbeit fortführen. Zwar sei die Planänderung der Dea als Etappenerfolg für die Erdgasgegner zu werten, sagt Clemens Blank. Der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) ist aber genauso skeptisch wie alle anderen. „Wir gehen davon aus, dass es eine taktische Entscheidung der Dea ist. Immerhin: Sie will die Bürger künftig stärker einbinden. Das ist ganz in unserem Sinne.“ Blank betont, dass die BI nun nicht nachlassen wolle, sondern eher noch „eine Schippe drauflegen“ werde. „Wir merken, dass wir gehört werden und betrachten das als Auftrag weiterzumachen.“ Die BI glaubt sich noch lange nicht am Ziel: „Wir haben“, so Blank, „jetzt lediglich mehr Zeit, uns auf die nächste Runde vorzubereiten.“

Info

Zur Sache

Infoabend in Ottersberg

Die Bürgerinitiative No Moor Gas will auch nach der Planänderung der Deutschen Erdöl AG (Dea) daran festhalten, am Mittwoch, 5. Dezember, eine schon seit Tagen geplante Informationsveranstaltung für Bürger aus Ottersberg und Oyten abzuhalten. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Ottersberger Waldorfschule am Amtshof. Geladen ist nach BI-Angaben auch ein Vertreter der Dea, allerdings habe das Unternehmen seine Teilnahme bis Montag noch nicht bestätigt. Bei der letzten Infoveranstaltung, die die BI vor Wochen in Grasberg abhielt, hatten sich schätzungsweise annähernd 500 Menschen beteiligt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+