Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht / Schüler beteiligen sich mit Aufführung „Erinnern, lernen, handeln“

Sie gehört zum dunkelsten Kapitel jüngerer deutscher Geschichte: die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Deutschlandweit steckten Nazis Synagogen in Brand, zerstörten jüdische Geschäfte und töten Juden. Um eine Wiederholung zu verhindern, wird der Opfer der Pogromnacht alljährlich gedacht. Auch in Ritterhude.
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Von Monika Fricke

Sie gehört zum dunkelsten Kapitel jüngerer deutscher Geschichte: die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Deutschlandweit steckten Nazis Synagogen in Brand, zerstörten jüdische Geschäfte und töten Juden. Um eine Wiederholung zu verhindern, wird der Opfer der Pogromnacht alljährlich gedacht. Auch in Ritterhude.

Ritterhude. Vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Juden wurden verschleppt und umgebracht. Im Gedenken der Opfer dieser Pogromnacht lud die St.-Johannes-Kirchengemeinde mit Pastor Enno Kückens nun zu einer Gedenknacht ein. Mit Bürgermeisterin Susanne Geils und Reinhard Egge sowie weiteren Bürgern legte er anschließend Kränze an der Kirche und am Rathaus von Ritterhude nieder. Bereits 1988 hatte sich in Ritterhude ein Arbeitskreis gegen das Vergessen der NS-Verbrechen gegründet. Auf sein Wirken gehen die zwei Gedenksteine für die Opfer des Faschismus am Rathaus und an der Kirche zurück.

Auch die Zehntklässler (Klasse 3E) des Ritterhuder Gymnasiums erinnerten zum Jahrestag der Pogromnacht mit einer Lesung aus Victor Klemperers Tagebüchern "Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten" an die Opfer von Hitlers Rassenwahn. In der fast dunklen Aula der Riesschule lasen die Mädchen und Jungen Sequenzen, die als einmaliges Zeugnis über den Alltag der Jugendverfolgung in Dresden bezeichnet werden. Dramatische Ereignisse schildert der Sohn eines Rabbiners, der 1935 aus seiner Professur entlassen wurde.

Appell gegen das Vergessen

Im Geschichtskurs hatten sich die Gymnasiasten Wochen vorher schon eingehend mit der Zeit und der Ideologie der Nazis befasst. Gleichzeitig nahm sich der Kursus "Darstellendes Spiel" des Romans "Der Junge im gestreiften Pyjama des irischen Schriftstellers John Boyne. Unter der Leitung von Birgit Weihe entstanden dramatische Szenen aus dem Roman, der von dem achtjährigen Bruno erzählt, dessen Vater SS-Offizier ist. Er wird mit seiner Familie nach Auschwitz als Lagerkommandant geschickt. Bruno ist neugierig, er will erfahren, was mit den Menschen hinter den Drahtzäunen los ist. Der Achtjährige freundet sich mit einem jüdischen Jungen an, der wie andere Leute im Lager einen gestreiften Pyjama trägt. Um mehr von den Menschen im Lager zu erfahren, lässt sich Bruno von seinem jüdischen Freund Schmuel einen gestreiften Pyjama besorgen. Er schneidet ein Loch in den Zaun und marschiert mit seinem Schmuel ins Lager. Sie werden von den Soldaten aufgegriffen und in die Gaskammer geschickt. Das Publikum in der Reis-Aula schweigt nach der Aufführung. Es ist betroffen von den furchtbaren Ereignissen.

"Den Schülern fielen die Opferrollen leichter als die Gewaltszenen mit den Soldaten", berichtete Birgit Weihe im Gespräch mit dieser Zeitung. "Ich habe überlegt, was ich damals gemacht hätte, wenn ich in der Zeit gelebt hätte und wie ich Widerstand geleistet hätte?", sagte Dennis Mukolla, der aus Victor Klemperers Tagebüchern vorlas. Marlen Kühl, die die Rolle des Jungen "Bruno" spielte, war von der Geschichte innerlich bewegt: "Wenn man sich vorstellt, dass das alles Realität war."

Sehr bewegend äußerte sich auch Ritterhudes Bürgermeisterin Susanne Geils. "Wir wollen erreichen, dass ihr euch immer wieder erinnert, lernt und handelt", appellierte sie – nicht nur – an die Schüler. "Es ist wichtig, dass wir lernen, dass so etwas nie wieder geschieht", sagte sie. Deshalb werde jedes Jahr gemeinsam mit Schülern in der Gemeinde Ritterhude an die Pogromnacht und die Judenverfolgung erinnert.

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