Bürgermeister Rohde über IGS-Erneuerung

„Erster Spatenstich im Januar“

Bürgermeister Torsten Rohde hat im Interview mit dem OSTERHOLZER KREISBLATT noch für diesen Monat den ersten Spatenstich zur IGS-Erneuerung angekündigt.
01.01.2020, 16:04
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Schön und Christian Valek

Herr Rohde, als wir vor einem Jahr an gleicher Stelle über die in 2019 anstehenden Aufgaben sprachen, haben Sie als erstes großes Vorhaben die Erneuerung der IGS angeführt. Wie ist der Stand der Dinge beim geplanten Umbau?

Torsten Rohde: Die Ausschreibung für die Sporthalle ist gut gelaufen. Wir bleiben im erwarteten Budget, sodass wir im Januar den ersten Spatenstich vornehmen können. Ein wichtiger symbolischer Akt, weil er ein erstes greifbares Ergebnis in dem großen ganzen Verfahren dokumentiert. Für die Oberstufe gilt ein Curriculum, dem die alte Sporthalle nicht mehr gerecht werden konnte. Die nächsten Schritte sind die Ausschreibung für den Projektsteuerer und die Erstellung der funktionalen Leistungsbeschreibung – nach dem Grundsatz, dass der Raum der Pädagogik folgt.

Ein weiteres großes Projekt ist die Sanierung der Innenstadt von Osterholz-Scharmbeck. Die Förderung ist genehmigt. Sie sind aber auf die Unterstützung der Anwohner angewiesen. Wie geht es da voran?

Dazu wird es nach der großen Resonanz bei der ersten Eigentümerversammlung noch eine weitere öffentliche Veranstaltung geben. Für Februar ist zunächst ein interner Workshop geplant. Die nötigen Beschlüsse, etwa für die Sanierungssatzung und die Auswahl des Sanierungsträgers, damit wir das bewilligte Fördergeld ausgeben dürfen, sind gefasst. Möglicherweise kaufen wir auch Grundstücke, die wir brauchen, um etwas zu entwickeln. In der Teichstraße sind einige Dinge für die Entwicklung von Wohnbau geplant. Ich denke aber auch an die historische Pflasterung, die sich an die Feldsteine der wiederaufgebauten Stützmauer Hinter der Wurth anschließen soll. Dafür werden wir Fördermittel einsetzen.

Mit der Innenstadtsanierung und auch dem Verkehrsentwicklungskonzept will sich Osterholz-Scharmbeck zukunftsfähig machen. Damit sind Sie auf einem guten Weg. Das sind aber Prozesse, die sehr lange dauern, während die Digitalisierung unglaublich schnell voranschreitet. Dazu kommen Themen wie das Klima, die allein in diesem Jahr eine unheimliche Dynamik entwickelt haben. Kommt es Ihnen nicht auch manchmal so vor, als seien Sie in einem Hase-und-Igel-Rennen der Hase?

Tatsächlich benötigen wir sehr viele Personalressourcen, um alle diese Themen aufzunehmen. Was Planung und Bauen angeht, haben wir bereits aufgestockt. Und wir wollen noch mehr tun, Stichworte Digitalisierung und Prozessoptimierung. Wir werden zu noch mehr digitalen Angeboten verpflichtet werden, wobei wir parallel alles auch analog vorhalten müssen. Da stürmt einiges auf einen ein. Ich persönlich gehe damit so um, dass ich versuche zu priorisieren. Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen und arbeitsfähig bleiben.

Beim Straßenausbau gilt für die Anliegerbeiträge ein Moratorium, bis die gesetzlichen Regeln der Justiz folgen. So lange wird also nur notdürftig repariert und saniert?

Bis 2021 auf jeden Fall. Ob wir 2022 so weitermachen können? Da müssen die Politik und wir uns in die Augen gucken. Ich hoffe, dass wir bis dahin eine Tendenz haben, wie sich das mit der Grundsteuer entwickelt, denn wir wissen immer noch nicht, was das Land machen wird. Wir nehmen sechs Millionen Euro jährlich über die Grundsteuer ein. Das wird eine spannende Sache. Ich selbst favorisiere die Ablösung der Straßenausbaubeiträge bei entsprechender Anhebung des Grundsteuersatzes. Einige würden sich darüber freuen, andere sich dagegen wehren. Ich finde nebenbei gesagt, die gegenwärtige Satzung ist noch die gerechteste Ungerechtigkeit. Ganz ohne Kostenbeteiligung der Bürger kommen wir als Bedarfskommune nicht aus.

Vor fast einem halben Jahr hat Stadtdezernent Sven Uhrhan Osterholz-Scharmbeck den Rücken gekehrt. Bis jetzt wurde kein Nachfolger präsentiert. Wird die Stelle nicht mehr besetzt?

Das Verfahren ist zwischenzeitlich abgeschlossen. Der neue Dezernent, Herr Reichel, ist ab 2. Januar auf seinem neuen Arbeitsplatz in diesem Rathaus. Er wohnt in Achim, ist Architekt und kommt vom Amt für Straßen und Verkehr der Hansestadt Bremen zu uns. Das ist gut, denn nach dem Weggang von Sven Uhrhan mussten Großprojekte gestemmt werden, die Weiterführung der Planungen der IGS, das Feuerwehrhaus in Pennigbüttel, das Kommunikationszentrum in Ohlenstedt und das Kühlhaus in Garlstedt. Das ging nur mit einer Mehrbelastung für jeden einzelnen Mitarbeiter.

Die CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt Osterholz-Scharmbeck war zweitstärkste Fraktion, als sie mitten in der Wahlperiode zerbrach. Haben Sie das Gefühl, dass die Querelen – die ausgeschiedenen CDU-Leute üben ihr Mandat jetzt in der Bürgerfraktionsgruppe aus – eine Belastung für die Arbeit im Kommunalparlament darstellen?

Ich kann mit den Menschen genauso umgehen wie vor den Zerwürfnissen, finde es aber schade, dass ein solches Bild nach außen vermittelt wird. Ich hätte es gut gefunden, wenn dafür andere Lösungen gefunden worden wären. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Ressentiments bei der Arbeit im Rat außen vor bleiben und die Themen sachlich bearbeitet werden. Da wird Professionalität gelebt.

Die Fragen stellten Michael Schön und Christian Valek.

Info

Zur Person

Torsten Rohde
ist 1961 in Bremen geboren, verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter. Er wohnt seit 2004 in Osterholz-Scharmbeck und wechselte nach seiner Tätigkeit als Verwaltungsleiter des Amtes für Straßen und Verkehr in Bremen zum 1. Juni 2008 auf die Leitungsstelle des Dezernates 1 im Rathaus der Stadt Osterholz-Scharmbeck.
Seit dem 1. November 2014 ist Torsten Rohde hauptamtlicher Bürgermeister der Kreisstadt. Seine Amtszeit endet am 31. Oktober 2021.

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