Buchautor Franz Alt redet für die Energiewende: Landwirte können die Ölscheichs des 21. Jahrhunderts werden 'Evolution braucht unsere Nachhilfe nicht'

von Luise Bär
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von Luise Bär

Beverstedt. Energieverbrauch, Essverhalten, Umgang mit Natur, Tieren und Pflanzen lassen den heutigen Menschen eher als 'Dummkopf' in die Geschichte eingehen, statt als Homo sapiens (lat. für ?weiser, einsichtsvoller Mensch') , appellierte Journalist und Buchautor Dr. Franz Alt an Verantwortung und Handlungsänderung jedes Einzelnen. In seinem Vortrag in der Beverstedter RegioMarkt-Scheune schlug er den Bogen von Gesundheit und Ernährung zu Landwirtschaft und Energieerzeugung.

Der Förderverein Regiomarkt Beverstedt hatte zu der Veranstaltung eingeladen, die von der Samtgemeinde mit organisiert wurde. Mehr als 100 Zuhörer folgten dem mit 'Agrarwende jetzt - gesunde Lebensmittel für alle' betitelten Vortrag. Dr. Alt brachte erst einmal schwere Kost. 'Nichts ist so teuer wie herkömmliche Lebensmittel', es komme nur darauf an, wie gerechnet werde. 75 Milliarden Euro würden jährlich im Gesundheitssystem für durch falsche Ernährung verursachte Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes ausgegeben. Übergewicht entwickle sich zur Volksseuche. Zu viel, zu fett, zu süß, zu salzig sei die Nahrung: 'Die Deutschen sind die fettesten Menschen Europas'. Erhitzt, zerkocht, geschält, gebleicht und mit Zusatzstoffen angereichert sei das 'Leben' in den Nahrungsmitteln tot, ging er auf die industrielle Weiterverarbeitung ein.

Regionale und saisonale Lebensmittel einkaufen, dazu aus ökologischer Landwirtschaft mit Stoffkreisläufen und anständiger Tierhaltung sei die bessere Alternative. Verbraucher sollten sich die Mühe machen zu hinter fragen, wo die Lebensmittel her kommen und wie sie produziert werden.

Die Landwirtschaft sei weltweit mit 15 Prozent an den Treibhausgasen beteiligt, die unweigerlich zur Klimaveränderung führen und deren Folgen für die Menschheit katastrophal werden. Ein besonderes Problem stelle die Fleischproduktion dar. Dafür werde viermal so viel landwirtschaftliche Fläche benötigt, als bei einer fleischlosen Ernährung. Dazu komme die Qual der Massentierhaltung und Transporte. 'Was wir den Tieren antun, schlägt zurück', prophezeite Dr. Alt.

Als Agrarwende bezeichnete er den Wechsel des Landwirts zum Energiewirt. Maisanbau als Monokultur sei allerdings nicht die Lösung. Die Biogaserzeugung sollte auf Grün-, Gehölzschnitt und andere organischen Reststoffe ausgerichtet sein. Das schaffe den Landwirten ein zweites Standbein, sie könnten damit zu den 'Ölscheichs des 21. Jahrhunderts' werden.

Ausführlich widmete sich Alt der Gewinnung von Sonnenenergie, einer verlässlichen Quelle seit vier Milliarden Jahren und Basis des Lebens. Mit Solar-Architektur im Wohnungsbau, Photovoltaikanlagen auf Garagen oder über Autobahnen zeigte er Fotos von Anlagen, die die Sonnenstrahlung in Strom umwandeln. In Bangladesh seien mehr Photovoltaikanlagen in Betrieb als in Deutschland. 'Sie haben hier so viele Dächer, warum sind da nicht längst Anlagen drauf?', wunderte sich Alt.

Das Hungerproblem auf der Erde mit täglich 50000 verhungerten Menschen sei nicht durch Gentechnik zu lösen, wie die Agrarindustrie verbreite. Er warnte vor den Eingriffen in die Erbfaktoren, sie seien unbeherrschbar und nie mehr reparabel. 'Die Evolution war nicht zu blöd, die braucht unsere Nachhilfe nicht', sagte Alt.

In Zusammenhängen denken, verantwortungsvoll Handeln und endlich damit anfangen, wünschte er den Zuhörern viel Lust auf Zukunft. Damit stieß er beim Publikum auf offene Ohren. Dr. Alt musste im Anschluss noch eine Reihe von Fragen beantworten.

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