Fahrausbildung in der Pandemie Mit schleifender Kupplung ins Frühjahr

Die Fahrschulen in der Region bilden auch in der Pandemie Auto- und Zweiradfahrer aus. Nicht jeder aber kann zurzeit eine Ausbildung beginnen.
23.02.2021, 05:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. Kurzzeitig hat es geruckelt, nun läuft es wieder einigermaßen für die Fahrschulen in Osterholz-Scharmbeck und umzu. Nachdem kurzzeitig auch die praktische Ausbildung untersagt war, wurde das Verbot im Februar wieder aufgehoben. Jetzt rechnen Fahrlehrer mit einer Flut an Fahrschülern, sobald der Theorieunterricht in Präsenzform wieder erlaubt ist. Denn mit steigenden Temperaturen wollen auch die Jüngsten auf den Bock.

Harald Meinecke führt bereits eine Warteliste, die eine stattliche Länge hat, wie er sagt. Denn aufgrund der Corona-Schutzverordnung darf der Fahrlehrer aus Osterholz-Scharmbeck nur diejenigen weiter ausbilden, die nach bestandener Theorieprüfung nun Fahrpraxis sammeln müssen. Theorieunterricht als Präsenzveranstaltung ist ihm wie allen anderen Kollegen in Niedersachsen bis auf Weiteres untersagt. Das führt dazu, dass die Ausbildung der absoluten Anfänger ruht. „Neue Anmeldungen kommen trotzdem rein.“

Ausbildung mit Ausnahmen

Glück hat, wer berufliche Gründe für den Führerscheinerwerb vorweisen kann. Denn für Aspiranten, die Ansprüche auf berufliche Aus-, Weiter- und Fortbildungen nachweisen können, macht der Gesetzgeber eine Ausnahme. Wer also als Pfleger oder Handwerkerin motorisiert unterwegs sein muss, könne – nach wie vor – den Theorieunterricht besuchen, erläutert Meinecke.

Im Bundesland Bremen hingegen bestehen keine derartigen Einschränkungen, wie Carsten Müller als Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes im Landkreis Osterholz betont. Denn in Bremen sei auch der praktische wie theoretische Unterricht in Präsenzform, natürlich unter Einhaltung bekannter Hygieneregeln, schon in den vergangenen Monaten durchgehend erlaubt gewesen. In Niedersachsen aber habe es vor allem im Januar beinahe täglich Änderungen gegeben, erinnert sich Müller. Am 22. Januar sei aus Hannover beispielsweise die Order ergangen, dass selbst die praktische Ausbildung in Fahrschulwagen als aufsuchende Unterrichtsform untersagt ist. Dieser Passus ist am 3. Februar nach einer Klage beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg zurückgenommen worden. Ein Fahrlehrer aus Gifhorn hatte gegen die Verschärfung geklagt – und Recht bekommen.

Die unterschiedliche Handhabung der Fahrausbildung und Auslegung des Corona-Infektionsschutzes führe zu Blüten, so Müller. Denn während etwa Bremer Fahrschulwagen ihre Ausbildung auf Osterholzer Gebiet ungehindert absolvierten, sei den Osterholzer Kollegen nichts anderes übrig geblieben, als mit Fahrschülern an die Bremer Landesgrenze zu fahren, dort einen Fahrerwechsel vorzunehmen und die Praxis-Ausbildung anschließend auf Bremer Gebiet fortzusetzen. „Macht das Sinn?“

Erschütternde Schilderungen

Alles in allem seien Fahrschulen in Niedersachsen und Bremen im vergangenen Jahr aber gut durch die Krise gekommen. Immerhin konnte die Aus-, Weiter- und Fortbildung am Steuer aus Berufsgründen ohne Einschränkungen fortgesetzt werden, führt er an. Auch die Fahrprüfungen durch Überwachungsvereine wie den TÜV wurden abgenommen. Kollegen in Baden-Württemberg und Bayern hingegen müssen längst um ihre Existenz bangen, weiß Carsten Müller. Dort sei die Führerschein-Ausbildung zum Erliegen gekommen. Er kenne erschütternde Schilderungen aus seinem Bekannten- und Kollegenkreis.

Maren Kehmann, Müllers Stellvertreterin beim Fahrlehrerverband Osterholz, schließt sich der Meinung an, dass hiesige Fahrlehrer bislang verhältnismäßig gut weggekommen sind. Nur die Zwangspause innerhalb des ersten Lockdown, vom 17. März bis 11. Mai 2020, bezeichnet sie als „gruselig“. Dennoch wolle sie nicht klagen. Denn versprochene und beantragte Bundeshilfen seien in ihrem Fall ohne große Verzögerung eingegangen. Lediglich das Beantragen sei kniffelig gewesen. „Ich habe das Geld aber schnell überwiesen bekommen.“ Anschließend habe sie das Geschäftsjahr bis in den Dezember hinein verhältnismäßig gut abgeschlossen.

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