Theaterstück in Lilienthal Familiäre Abgründe auf Platt

Das Zwei-Personen-Drama „Nacht, Mudder“ ist Ende Juli auf Murkens Hof in Lilienthal zu sehen. Die Macher wollen zeigen, dass niederdeutsches Theater mehr sein kann als ein paar Pointen auf Platt.
06.07.2018, 09:20
Lesedauer: 2 Min
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Familiäre Abgründe auf Platt
Von Nico Schnurr

Lilienthal. Eines möchte Thomas G. Willberger gleich zu Beginn des Gesprächs dringend loswerden, nur damit hier niemand auf falsche Gedanken kommt: Niederdeutsches Theater kann mehr sein als ein paar Pointen auf Platt. Mehr als Komödien. Schwerer Stoff, ernste Themen, das geht auch auf Platt, glaubt Willberger. Er ist der künstlerische Leiter des Theatervereins Spielart, und er sagt: „Wir wollen nicht bloß Schenkelklopfertheater machen.“

Wie das funktioniert, Tiefgang auf Niederdeutsch, das will Thomas G. Willberger am Freitag, 27. Juli, um 20 Uhr in Lilienthal zeigen. Dann präsentiert er im Schroetersaal im Kulturzentrum Murkens Hof ein Zwei-Personen-Drama auf Platt: Für „Nacht, Mudder“ hat sich die Produktionsdramaturgin Inske Albers-Willberger am Stück „‘night, mother“ von Marsha Norman bedient, das sie für den Verein erstmals direkt vom Amerikanischen ins Niederdeutsche übersetzt hat.

„Nacht, Mudder“ kreist um eine Mutter-Tochter-Beziehung, in der sich Liebe und Hass abwechseln. Ein düsteres Porträt einer Familie am Abgrund: Der Vater ist gestorben, der Sohn aus dem Haus, die Mutter selbstbezogen und abhängig von ihrer Tochter, die an Depressionen und Epilepsie leidet.

Die Familienstudie wirft ein Schlaglicht auf das Thema Selbstmord. Im amerikanischen Original eröffnet die Tochter ihrer Mutter gleich zu Beginn ihren Plan, sich am Ende des Tages umzubringen. Die Mutter, gefangen in einem eintönigen Alltag, angewiesen auf ihre Tochter, stellt das vor ganz grundsätzliche Fragen. "Das Stück handelt letztlich auch vom Ringen um ein selbstbestimmtes Leben", sagt Willberger.

Marsha Norman gewann für „‘night, mother“ im Jahr 1983 unter anderem den Pulitzer-Preis für Theater. Mit der Version seines Vereins will Thomas G. Willberger nun einen Beitrag dazu leisten, „Niederdeutsch weiter zu professionalisieren“. Er sagt: „Wir wollen nicht bloß das gewöhnliche Heimatbühnenprogramm wiederholen, sondern etwas Neues wagen.“ Willberger sieht in dem gut einstündigen Stück „ein Familiendrama auf engstem Raum“, eigentlich ist es für ihn „fast ein Krimi“. Trotzdem verspricht er auch tragikomische Momente. „Das wird keine todernste Sache, immer wieder gibt es auch Szenen mit Witz.“

Für den Theaterverein Spielart ist „Nacht, Mudder“ das erste von zwei Stücken in dieser Spielzeit. Im Herbst soll eine Komödie auf das Drama folgen. Der Verein ist erst im vergangenen Jahr gestartet. Er geht aus dem Projekt „Theater auf dem Flett“ hervor, das 25 Jahre lang Niederdeutsch auf die Bühnen der Region gebracht hat, viel Hochliteratur war darunter, William Shakespeare, Albert Camus. "Das vorherige Theaterprojekt war eine echte Marke in der Region, deswegen freuen wir uns, in diesem Sommer nun Spielart in Lilienthal zu Gast zu haben", sagt Antke Bornemann, Kulturbeauftragte der Gemeinde. Im neu gegründeten Theaterverein Spielart engagieren sich etwa 20 Mitglieder, alle ehrenamtlich, die meisten von ihnen sind Theateramateure. „Wir haben als Ensemble im Grunde von vorne begonnen, der Auftrag ist aber der gleiche geblieben: Wir wollen Niederdeutsch unter die Leute bringen“, sagt Willberger.

Als der gebürtige Saarbrücker im Jahr 1999 nach Bremen kam, zum Waldau-Theater als neuer Chefdramaturg, da sprach Willberger noch kein Wort Niederdeutsch. Inzwischen ist das, natürlich, anders. Lange inszenierte er niederdeutsche Stücke am Oldenburgischen Staatstheater, und in seiner momentanen Heimat Ostfriesland, Landkreis Leer, empfiehlt es sich ohnehin, ein bisschen Platt schnacken zu können.

Karten für „Nacht, Mudder“ gibt es ab sofort in der Bibliothek in Murkens Hof, Klosterstraße 25, zu kaufen. Die Tickets kosten zehn Euro, der ermäßigte Eintritt liegt bei acht Euro.

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