Amtmann-Schroeter-Haus-Stiftung Fast freie Bahn für Seniorenwohnungen

Im Park hinter dem Amtmann-Schroeter-Haus sollen acht Seniorenwohnungen entstehen. Der Bauantrag liegt beim Landkreis, und bis auf ein kleines Bäumchen ist die vorgesehene Fläche schon frei.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Fast freie Bahn für Seniorenwohnungen
Von Timo Sczuplinski

Im Park hinter dem Amtmann-Schroeter-Haus sollen acht Seniorenwohnungen entstehen. Der Bauantrag liegt beim Landkreis, und bis auf ein kleines Bäumchen ist die vorgesehene Fläche schon frei.

Der kleine Haselnussstrauch muss noch weg. Auch das winzige Bäumchen ein paar Meter weiter wird weichen. Aber ansonsten ist die Bahn – oder vielmehr die Wiese – im Park hinter dem Amtmann-Schroeter-Haus nun frei. Eine Anlage mit acht Seniorenwohnungen soll dort entlang der Nordseite des Parks entstehen, parallel zur Zinckestraße. Der Bauantrag liegt inzwischen beim Landkreis. Die Genehmigung steht noch aus. Der Vorsitzende der Amtmann-Schroeter-Haus-Stiftung, Jochen Kempff, rechnet fest mit einer Zusage, vielleicht sogar noch in diesem Jahr. Dann könne die Ausschreibung erfolgen. Seine Vorfreude auf den ersten Spatenstich steigt jedenfalls bereits. „Möglicherweise können wir im Februar schon mit dem Bau beginnen“, sagt Kempff und blickt auf das Grundstück.

Dort, wo jetzt die freie Fläche zu sehen ist, sah es vor einigen Monaten noch etwas anders aus. Der idyllische Park, der im Gegensatz zum 224 Jahre alten Fachwerkhaus des Lilienthaler Amtmanns und Astronomen Johann Hieronymus Schroeter nicht unter besonderem Schutz steht, wurde um ein gutes Stück verkleinert. Von einem Kahlschlag aber könne man nicht sprechen, sagt Kempff. Schließlich sei der Park über viele Jahre nicht gepflegt worden, einige Bäume drohten beim nächsten Sturm sogar umzufallen. Einer tat es bereits im vergangenen Winter. Wo Anwohner nun noch einen uneingeschränkten Blick auf Wiese und Park genießen, werden sie künftig auf ein gut neun Meter hohes Wohnhaus für Senioren blicken. Deshalb hatte es auch viele Proteste der Anwohner gegen das Bauvorhaben gegeben, die mittlerweile aber kein Thema mehr seien, sagt Kempff.

Dass sich der Widerstand gegen das Bauprojekt offenbar gelegt hat, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass Kempff mit seinem Bauvorhaben überzeugen konnte. Wie das Gebäude einmal aussehen sollte, das wusste er von Anfang an. Davon habe er eine ganz genaue Vorstellung in seinem Kopf gehabt, sagt er. Mittlerweile ist auch alles auf Papier und am Computer entworfen worden, was im nächsten Jahr Realität werden soll. „Bloß keinen riesigen Klotz“, hatte sich Kempff gewünscht. Es soll stattdessen ein Haus werden, das in die Umgebung passt. Die geplante Wohnanlage werde „gemauert, nicht geklebt“, sagt Kempff. Und ein Ziegeldach soll oben drauf kommen. „Alles mit hochwertigen Materialien“, hat sich Kempff vorgenommen. Drinnen sollen die Wohnungen – eine davon barrierefrei – zwischen 47 und 52 Quadratmeter groß werden. Ein 18 Quadratmeter großes Schlafzimmer, dazu ein etwas ausgedehnterer Wohn- und Kochbereich, sowie das Badezimmer. Erd- und Obergeschoss des Gebäudes werden mit einem Fahrstuhl verbunden.

Die Wohnungen – „keine Sozialwohnungen“, betont Kempff – sollen die Stiftung durch Mieteinnahmen langfristig am Leben halten. Denn die Einnahmen gehen seit Jahren zurück. Eigentlich lebt eine Stiftung von den Zinsen ihres Kapitals. Aber durch die niedrigen Zinssätze sind die Einnahmen zuletzt drastisch zurückgegangen. Zur Sicherung des Kapitals musste also eine langfristige Lösung her.

„Den Gedanken dazu hatte ich eigentlich seit ich hier bin“, sagt Kempff, der seit Sommer 2014 der Stiftung vorsteht. Sichere Mieteinnahmen waren nicht der einzige Grund für den Neubau. In das Haus wird auch ein Großteil der Angebote des Amtmann-Schroeter-Hauses, das als zentraler Treffpunkt für Senioren in Lilienthal gilt, verlagert.

Hommage an Heiner Haase

Dafür wird eigens ein 100 Quadratmeter großer Mehrzweckanbau samt großem Saal an den Wohnbereich angeschlossen. Bislang trifft man sich zu vielen Veranstaltungen, zu denen beispielsweise Bewegungsangebote, Bridge-Abende oder Bingo-Nachmittage gehören, im Obergeschoss des Amtmann-Schroeter-Hauses. Die steilen Stufen allerdings sind für viele Besucher nur noch mit Mühe zu bewältigen. Außerdem darf sich in dem historischen Gebäude wegen der Statik nur eine bestimmte Anzahl von Menschen im Obergeschoss aufhalten. In der künftigen Mehrzweckhalle, die Kempff „eine Hommage an den früheren Geschäftsführer der Stiftung, Heiner Haase“ nennt, fände dann alles im Erdgeschoss statt.

Das Interesse an den Wohnungen sei bereits groß, sagt Kempff. Es habe viele Anfragen gegeben, es gibt sogar schon eine Warteliste. Dennoch könne sich weiterhin jeder bei der Stiftung melden, der sich vorstellen könne, einmal hinter dem Amtmann-Schroeter-Haus zu wohnen. Dort, wo jetzt noch der Haselnussstrauch steht.

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