Museumsanlage in Osterholz-Scharmbeck Fataler Streit um die Zukunft

Saniert werden soll die Museumsanlage der Kulturstiftung Osterholz, das ist allen Beteiligten klar. Nur bei der Art und Weise, da gibt es noch große Unstimmigkeiten, um es freundlich auszudrücken.
17.01.2017, 00:00
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Fataler Streit um die Zukunft
Von Jan-Felix Jasch

Saniert werden soll die Museumsanlage der Kulturstiftung Osterholz, das ist allen Beteiligten klar. Nur bei der Art und Weise, da gibt es noch große Unstimmigkeiten, um es freundlich auszudrücken.

In sechs historischen Gebäuden und einem modernen Anbau vereint die Anlage an der Bördestraße in Osterholz-Scharmbeck vier selbstständige Einrichtungen: Das Heimatmuseum, ein Mitmachmuseum, das Museum für Schifffahrt und Torfabbau und das Norddeutsche Vogelmuseum – und um genau dieses dreht sich der entbrannte Streit. Dieser verhindert bisher das Vorankommen der Sanierungsmaßnahmen.

Die Exponate des Norddeutschen Vogelmuseums gehören zur Vogelsammlung von Walther Baumeister. Als wertvollste Attraktionen gelten die großen Dioramen „Hammeniederung“ und „Wesermündung“, die wie realistische Landschaft erscheinen. Die Sammlung ist von der Familie Walther Baumeisters als sogenannte „dauernde Leihgabe“ zur Verfügung gestellt worden. In einem Vertrag mit der Kulturstiftung und der Familie ist zugesichert, dass die Exponate in den aktuellen Räumen einen Bestandsschutz erfahren und im Gegenzug dafür, von der Familie nicht zurückgefordert werden. „Daran haben wir auch überhaupt kein Interesse“, bekräftigt Hubertus Baumeister, Sohn des Sammlungsgründers Walther Baumeister. Man wolle lediglich sicherstellen, dass die Vogelsammlung weiter in einem angemessenen Rahmen präsentiert wird.

Sanierungsstau von rund 1,5 Millionen Euro

Mittlerweile hat der Sanierungsstau der Museumsanlage längst eine siebenstellige Summe erreicht. Eine Schätzung geht von rund eineinhalb Millionen Euro aus. In Aussicht stehende Fördermittel verfallen am 30. Juni dieses Jahres und müssen neu beantragt werden. Die Kreisverwaltung konnte die Erben des Vogelmuseum-Begründers bisher jedoch nicht überzeugen, dass die Sammlung bei einer EU-Förderung ein zentraler Bestandteil der Anlage bleiben würde. Nun soll die Politik entscheiden, wie es weiter geht.

Ausschuss berät über Zukunft

Am morgigen Donnerstag soll in einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung im Kreishaus ab 14.30 Uhr über die Zukunft der Museumsanlage beraten werden. Marla Baumeister, Tochter des Gründers hatte die Ausschreibung einer Machbarkeitsstudie, die Ideenskizze zur Teufelsmoorsaga umzusetzen, abgelehnt. In dieser sollte geprüft werden, inwieweit die Vogelsammlung mit den Exponaten der Teufelsmoorsaga in Einklang gebracht werden könnten. Sicher ist, dass die Vogelsammlung dann kleiner werden würde. „Wir sind durchaus bereit, räumliche Einbußen hinzunehmen“, sagt Hubertus Baumeister. Jedoch sehe der aktuelle Plan eine Verdrängung aus dem Findorff-Haus vor. Diese erhebliche räumliche und damit inhaltliche Beschneidung widerspreche dem Vertrag mit der Kulturstiftung, der der Redaktion vorliegt. Dort ist vereinbart, dass die Kulturstiftung sich verpflichtet, die Sammlung „in den dafür bereits geschaffenen Räumen auch für nachfolgende Generationen zu erhalten.“ Und da die Familie die Folgen der Machbarkeitsstudie für die Sammlung nicht habe abschätzen können, habe man diese abgelehnt, wie aus dem Mail-Verkehr zwischen ihr und dem Landkreis Osterholz hervorgeht. Auch dieser liegt der Redaktion vor. Ohne die Zustimmung der Familie kann jedoch die Machbarkeitsstudie nicht in Auftrag gegeben werden.

Was Hubertus Baumeister stört, ist, dass die Familie nun als „Blockierer“ dargestellt werde. Dabei sei man „hocheinigungsbereit“, wie er betont. Und auch die Idee der Teufelsmoorsaga finde er sehr gut. Klar sei auch, dass die Museumsanlage dringend saniert werden müsse, die jetzige Anlage sie nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem sei die Familie Baumeister sicher kein „Blockierer der Zukunft der Museumsanlage“. Es bedürfe schlicht einer einvernehmlichen Abstimmung zum künftigen Raumkonzept des Vogelmuseums und der Teufelsmoorsaga. Man sei bereit, räumliche Abstriche hinzunehmen, wie Baumeister immer wieder betont, diese müssten jedoch verträglich bleiben.

Aus Sicht von Familie Baumeister geht es vielmehr darum, die Teufelsmoorsaga und das Vogelmuseum zu verbinden. Gelingen könne dies, wenn der Bogen von der Moorkolonisation bis zur heutigen Bedeutung des Moores als Naturschutzgebiet, geschlagen würde. „Wir stellen uns so etwas wie ein Dreieck vor“, sagt Hubertus Baumeister. In diesem könnten die Vogelsammlung, das Teufelsmoor und die regionalen Naturschutzgebiete parallel präsentiert werden.

Was Hubertus Baumeister zusätzlich sehr am Herzen liegt, ist, dass „das Museum mit zeitgemäßen museumspädagogischen Elementen modernisiert werde“. Dazu wolle die Familie bis Ende März mithilfe eines Museumsexperten, Vorschläge unterbreiten wie das Museum reformiert werden könnte. Die Familie Baumeister hofft auf eine Einigung in dem Streit um die Sanierung der Anlage. Baumeister glaubt, dass das Vogelmuseum „viele Fans hat, für die eine Verstreitung der Parteien eine Katastrophe wäre“.

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