Streit um Fröhlich-Antrag im Gnarrenburger Schulausschuss FDP-Begehren zur Oberschule stößt auf keine Gegenliebe

Von Sigrid Lüdtke
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Von Sigrid Lüdtke

Gnarrenburg. So hatte sich Dr. Peter Fröhlich die Sache nicht vorgestellt. Für seinen Antrag zur Umwandlung der Gnarrenburger Haupt- und Realschule in eine Oberschule, deren Einführung im Niedersächsischen Kultusministerium gerade erst diskutiert wird, hat der FDP-Ratsherr im Gnarrenburger Schul- und Kulturausschuss mächtig Schelte bezogen.

Von schlechtem politischen Stil und Profilierungssucht war die Rede. Gemeindebürgermeister Axel Renken (SPD) war stinksauer, und auch die Vorsitzende Hiltrud Wisbar-Gnewuch (CDU) äußerte Kritik an der Vorgehensweise. Volker Kullik (SPD) kanzelte Fröhlichs Schnellschuss als 'Antrag zwischen Frühstück und Mittagessen' ab. Nach heftigen Wortgefechten zog Dr. Peter Fröhlich seinen Antrag zurück: 'Ich wollte ja nur, dass wir uns frühzeitig damit befassen.'

Das brachte Axel Renken erst richtig auf die Palme: 'Weder Verwaltung noch Politik brauchen solcherlei Hinweise.' Das Thema 'Oberschule' wäre ohnehin in die Beratungen gebracht worden, aber erst wenn genügend offizielle Informationen vorlägen.

Zum Hintergrund: Nach dem sogenannten Bildungsgipfel am 26. November 2010 hat der Niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) erstmalig die Idee zur Oberschule präsentiert, in die künftig derzeitige Haupt- und Realschulen umgewandelt werden können. Dem Rückgang von Schülerzahlen Rechnung tragend, will die Niedersächsische Landesregierung das neue Modell einführen, das eine für zehn Jahre vorzuweisende Dreizügigkeit als Mindestgröße vorschreibt.

Es soll einen hohen Anteil gemeinsamen Unterrichts von Haupt- und Realschülern und Gymnasiasten geben sowie mehr Stundeneinheiten für Sozialpädagogen und ein teilgebundenes Ganztagsangebot. Der Unterschied zur Gesamtschule? Die Oberschule arbeite leistungsbezogener und sei eine völlig andere Schulform als die Integrative Gesamtschule (IGS), hatte der Bildungspolitische Sprecher Karl-Heinz Klare (CDU) verlauten lassen. Er gilt als 'Architekt der Oberschule'. Im Gegensatz zur IGS werde es in der Oberschule auch weiterhin Zensuren und Versetzungen geben. Das Gesetz zur Oberschule soll im Dezember im Landtag eingebracht und im Januar beschlossen werden. Die Anträge zur Schulumwandlung können vom Schulträger ab Februar gestellt werden.

Dem war Dr. Peter Fröhlich mit seiner vorab veröffentlichten Forderung nun vorausgeeilt: 'Mit einer Oberschule können wir einen gymnasialen Zweig bis zur zehnten Klasse bieten und Gnarrenburgs Attraktivität für Familien steigern.' Volker Kullik (SPD): 'Wer arbeitet denn seit Jahren für eine integrative Beschulung vor Ort?' Schließlich habe die SPD seinerzeit einen Antrag zur Gesamtschule gestellt, der an den gesetzlichen Hürden gescheitert ist. 'Mir wäre es peinlich, jetzt so zu tun, als sei alles eine Idee der FDP', sagte er und bescheinigte dem Liberalen Fröhlich eine 'Profilierungsneurose'.

Kullik weiter: 'Mit dem Antrag wird auch die jahrelange Arbeit der hiesigen Eltern zur Schulstrukturentwicklung verhöhnt.' Der Gescholtene konterte: 'Du ärgerst Dich doch nur, dass Du zu spät bist.' Kullik solle sich seine Gehässigkeiten verkneifen. Hiltrud Wisbar-Gnewuch sah den 'Presseschnellschuss' des FDP-Politikers als 'nicht dienlich für die bisher professionelle Arbeit des Schul- und Kulturausschusses' an. Gemeindebürgermeister Renken merkte an: 'Ich muss sicherstellen, dass die missliche Sache heute nichts kaputt macht, was erst in aller Ausführlichkeit diskutiert werden soll.' Schon am kommenden Montag gäbe es ein Treffen mit Schulleitern und Lehrern. 'Wir befinden uns noch im Meinungsbildungsprozess.'

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