Das Vertrauen isst mit (VII): Antonett Briese betreibt in Worphausen eine Nudelmanufaktur Fettuccine für den Tatort-Kommissar

Lilienthal-Worphausen. Antonett Briese hat ein Herz für die Eiligen. Wer seinen knurrenden Magen in rekordverdächtiger Zeit besänftigen möchte, könnte dank ihrer Vorarbeit in gut zwei Minuten eine aromatische Mahlzeit auf dem Teller haben. Das geht so: Brieses Nudeln kurz in reichlich kochendes Wasser geben, sie anschließend mit Olivenöl überträufeln und geriebenen Parmesan darüberrieseln. Fertig.
14.03.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Ulrike Schumacher

Lilienthal-Worphausen. Antonett Briese hat ein Herz für die Eiligen. Wer seinen knurrenden Magen in rekordverdächtiger Zeit besänftigen möchte, könnte dank ihrer Vorarbeit in gut zwei Minuten eine aromatische Mahlzeit auf dem Teller haben. Das geht so: Brieses Nudeln kurz in reichlich kochendes Wasser geben, sie anschließend mit Olivenöl überträufeln und geriebenen Parmesan darüberrieseln. Fertig.

Einen Zwang zur Eile gibt es aber nicht. Man darf sich bei der Zubereitung der begleitenden Sauce auch mehr Zeit lassen. In jedem Fall aber fürs Genießen. Brieses Nudeln haben es verdient. Sie sind alle handgemacht. Und sie wurden bereits in Gourmet-Zeitschriften gepriesen. Erst kürzlich sei ein Buch über verschiedene "Genuss-Manufakturen" in und rund um Bremen erschienen, erzählt Antonett Briese. Darin werden auch ihre Fettuccine erwähnt. Es gibt Spitzenköche, die eigens diese schmalen Bandnudeln aus Worphausen ordern.

Die sind jetzt schon seit 13 Jahren auf dem Markt. "Ich wollte mich damals selbstständig machen. Etwas mitgestalten", blickt die Unternehmerin zurück. Sie setzte sich in einen Zug Richtung Italien, erwarb in Como eine professionelle Nudelmaschine und legte los. Gerade ist Antonett Briese mit ihrem Betrieb innerhalb Worphausens umgezogen, um sich flächenmäßig zu verdoppeln. Zuvor produzierte sie auf 17 Quadratmetern.

Pasta mit Gütesiegel

An einer Wand ihrer neuen Werkstatt stapeln sich Säcke mit Hartweizengrieß. An einer anderen steht ein riesiger Kühlschrank. Mitten im hellen Raum schlägt das italienische Herz aus Edelstahl. Antonett Briese verschwindet fast hinter der knapp mannshohen Maschine, die pausenlos frische Teig-Stränge ausspuckt. Sie hat sich eine weiße Haube über die schwarzen Haare gezogen und macht ihre typische Geste - eine hohle Hand. Mit der anderen greift sie die schmalen Fettuccine-Streifen und lässt sie langsam in die Mulde gleiten. Flink dreht sie aus den Nudeln ein Nest und legt es zu den anderen. Sobald das Blech mit Nestern gefüllt ist, kommt es für ein paar Stunden in den Kühlschrank. Dann werden die Fettuccine halbpfundweise verpackt und mit Etiketten versehen. Seit über einem Jahr tragen ihre Nudeln das Demeter-Siegel. Die sich häufenden Skandale in der Lebensmittelindustrie hätten sie dazu bewogen, sich dem Verband anzuschließen. "Bei Demeter fühle ich mich gut aufgehoben",

sagt sie. "Die Richtlinien sind am strengsten. Auch ich habe Angst vor genmanipuliertem Essen."

Der Hartweizengrieß ist die Hauptzutat für ihre Produkte. Auch er ist durch den Demeter-Verband zertifiziert. Aber bevor er in Worphausen in Antonett Brieses Händen landet, legt der Grieß einen weiten Weg zurück. Er kommt aus Parma. "In dieser Qualität gibt es ihn nicht in der Nähe", begründet die Nudel-Produzentin ihre Wahl. Das Korn brauche viel Sonne und einen bestimmten Boden. Außerdem enthalte der Hartweizengrieß viele Ballaststoffe. Antonett Briese deutet auf die feinen Pünktchen auf den hellen Nudeln. "Das sind Schalen-Anteile", sagt sie und überlegt kurz. Wenn man bedenke, dass heute schon viele Zutaten aus China stammen, findet sie es vertretbar, dass ihr Hartweizengrieß in Italien angebaut wird. Sie bezieht ihn über den regionalen Demeter-Lieferanten Bauck.

Per Hand sorgt die 53-Jährige für die richtige Mischung. "In meinen Nudeln finden sich kein Salz, kein Öl, keine Eier und keine künstlichen Geschmacksstoffe", erklärt sie. Zum Grieß, dessen Korn nicht gemahlen, sondern gebrochen wurde, was ihn beim Kneten griffiger macht, kommt Wasser. Das ist das Grundrezept. Ergänzt mit Basilikum, Salbei, Chili, Spinat oder Steinpilzen, die sie aber nur als entkeimtes Pulver hinzufügen darf, entstehen die verschiedenen aromatischen Fettuccine-Sorten. Im Herbst kommen Kürbisnudeln hinzu. Außerdem produziert Antonett Briese Lasagne.

Die Hauptknetarbeit macht die Nudelmaschine. Die walzt den Teig zu einer dicken, zwei Hand breiten Matte, die sich nun aus dem Gerät herausschiebt und auf eine Rolle gezogen wird. Antonett Briese spannt sie oberhalb der Maschine nochmal ein und schickt die Teigmatte abermals durch die Walze. Bis die gewünschte Dicke erreicht ist und der in Streifen geschnittene Teig endgültig die Maschine verlässt. Rund 370 Tüten produziere sie pro Woche. Sie denkt daran, die Firma auszubauen und sucht Personal.

"Die Nachfrage wächst", freut sich Antonett Briese. Ihre Nudeln passen zum Zeitgeist. Bei den Mahlzeiten "muss es schnell gehen, aber ich will was Gutes haben - kein Industrieprodukt", beschreibt sie eine Lebensweise, die ihr im vergangenen Jahr eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent bescherte. Die Verbraucher sind sensibilisiert, weiß sie. Aber sie sagt auch, dass nicht alle industriellen Produzenten schlechte Ware liefern. "Man muss auf die Zutaten schauen und sich informieren." Besonders kritisch betrachtet sie Zusatzstoffe. "Die schaden dem Körper, weil der sie nicht komplett ausscheidet", ist Antonett Briese überzeugt. Außerdem würden die Leute auch deshalb vermehrt zu regionalen Produkten greifen, um vor Ort Arbeitsplätze zu sichern.

Ihre Nudeln gibt es in den Bioläden der Region sowie in hiesigen Verbrauchermärkten. Antonett Briese vermarktet ihre Pasta auch über das Naturkostkontor Bremen. Seit sieben Jahren liefert sie dorthin. Wenn die Arbeit geschafft ist, packt sie ihr Auto voll. "Hach, nochmal raus!", freut sie sich dann. Während der Fahrt auf andere Gedanken kommen. "Es dreht sich ja bei mir alles um die Nudel." Herstellen und dafür werben liegen in einer Hand. Jüngst erst hat Antonett Briese ihre Fettuccine auf der Bio-Fach in Nürnberg, der größten Bio-Messe Europas, wie sie sagt, angepriesen "und viel Resonanz erhalten". Mit dem Schauspieler Dietmar Bär, der auf der Messe Werbung für fairen Handel machte, habe sie ein Glas Wein getrunken. "Das sind so die Bonbons", erzählt sie schmunzelnd. Sie hat den Kölner Tatort-Kommissar kennengelernt, und er wird demnächst Bekanntschaft mit ihren Nudeln machen. Das Paket ist schon auf dem Weg.

Mit der nächsten und achten Folge werden wir unsere Reihe ausklingen lassen. Thema ist dann der Honig.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+