Zahl der Feuerstätten wächst auch im Landkreis Osterholz stetig an / Wissenswertes rund um die wohlige Wärme hinter Glas

Feuer und Flamme für Kamin- und Kachelöfen

Landkreis Osterholz. Das Wohnzimmer atmet noch die Baustelle aus. Nur die weiß grundierten Wände kündigen an, dass hier bald Leben einzieht. Und ein Schornstein. "Einen Kamin, der sehr viel Glas hat", wollte sich die Familie da einbauen lassen. Der wird nun warten müssen. Nach dem Besuch beim Kaminbauer weiß sie: "Das ist absoluter Blödsinn." Glas gibt zu schnell zu viel Wärme ab. Nun überlegen die Häuslebauer, wofür sie sich entscheiden sollen - für den energetisch korrekten Ofen mit Schamottesteinen und Sitzbank oder doch für den Kamin "pur zur Deko".
27.11.2010, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Feuer und Flamme für Kamin- und Kachelöfen
Von Undine Zeidler

Landkreis Osterholz. Das Wohnzimmer atmet noch die Baustelle aus. Nur die weiß grundierten Wände kündigen an, dass hier bald Leben einzieht. Und ein Schornstein. "Einen Kamin, der sehr viel Glas hat", wollte sich die Familie da einbauen lassen. Der wird nun warten müssen. Nach dem Besuch beim Kaminbauer weiß sie: "Das ist absoluter Blödsinn." Glas gibt zu schnell zu viel Wärme ab. Nun überlegen die Häuslebauer, wofür sie sich entscheiden sollen - für den energetisch korrekten Ofen mit Schamottesteinen und Sitzbank oder doch für den Kamin "pur zur Deko".

Flammenlodern und Wärme - sich ein Stück gezähmte Urzeit in die moderne Wohnhöhle zu holen, das ist seit Jahren ungebrochener Trend. Die im Oktober 2010 veröffentlichte Feuerstättenzählung Niedersachsen spricht von 1184652 Scheitholz-Feuerungen, die 2009 im Bundesland existierten. Das sind 26,6 Prozent mehr als im ersten Jahr der Zählung 2003. 1,149 Millionen Feuerstätten wurden als sogenannte Scheitholz-Einzelöfen erfasst, das sind Kamine, Kaminöfen und Öfen. Allein im Landkreis Osterholz kamen 2009 genau 711 Kaminöfen und sechs Holzpelletheizungen neu hinzu.

Frisst diese Sehnsucht nach dem Feuer unsere Wälder auf? Die Nachfrage nach Brennholz ist "deutlich mehr geworden", bestätigt der Präsident des Waldbesitzerverbands Niedersachsen, Norbert Leben. Der Verband vertritt private und kommunale Waldbesitzer, die im Bundesland rund die Hälfte aller Wälder bewirtschaften. Ein gestiegenes Energiebewusstsein und hohe Energiepreise sieht Leben als Ursache für die Beliebtheit von Kamin & Co. Aber, so Leben: "Wir haben in Deutschland mehr Zuwachs als verbraucht wird", etwa zehn bis 15 Millionen Festmeter laut Holzbilanz. Das gebiete auch das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Im Landkreis Osterholz gehen laut Leben viele Kaminbesitzer in die Wälder und schlagen ihr Holz selber ein, an von den Revierförstern zugewiesenen Stellen. "Viele nutzen ihren Urlaub oder machen es am Wochenende als körperliche Ertüchtigung." Holz wärme dreimal, sagt er schmunzelnd. "Einmal beim Aufarbeiten, einmal beim Reinholen und beim Heizen."

Das Stammholz bleibe der Industrie vorbehalten. Privatleute bekommen die Baumkronen. Die können sie mit Motorsägen "aufarbeiten", wie das Holzzerkleinern in der Forstsprache heißt. Dafür müssen sie allerdings den Motorsägen-Schein besitzen und nach den Worten von Leben "einen Nachweis, dass man damit umgehen kann". Schließlich sei das ein gefährliches Handwerkszeug.

"Buche sollte die erste Wahl sein", rät Leben, weil sie beim Brennen die Energie langsam abgibt. Laubhölzer wie Eiche, Birke und Erle folgen in seiner Rangliste. "Nadelhölzer sind nur bedingt zu gebrauchen." Doch bevor sie im Wald verrotten und Borkenkäfer anlocken, können auch sie in den Ofen. Grundvoraussetzung für alle Hölzer: "Je trockener, desto besser."

Zwei bis drei Jahre sollte das Brennholz an der Luft vortrocknen, empfehlen Fachleute unisono. Dann erfüllt es auch die Forderung des Bundesemissionsschutzgesetzes, das 20 Prozent Wasser oder 25 Prozent Feuchte erlaubt. Während dieses Holz einen Heizwert von vier Kilowattstunden pro Kilogramm aufweist, beträgt er bei frisch geschlagenem Holz nur die Hälfte. Weil Holz entlang der Saftbahnen trocknet, empfiehlt die Niedersächsische Landwirtschaftskammer, es frühzeitig auf die gewünschte Länge zu kürzen. Ungespaltenes Holz benötige zwei Monate länger zum Trocknen als gespaltenes.

Halten sich Kaminbesitzer an diese Empfehlungen, ist Brennholz das, was Carsten Brüggemann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen an ihm lobt: "Der unproblematischste Biobrennstoff, den wir haben, weil es am saubersten verbrennt." Im Idealfall bleiben nur Kohlendioxid und Asche übrig. Und, so Brüggemann: "Mit der Holzheizung pflegen wir den Wald."

Bei Rüdiger Dammes von der Bezirksförsterei Osterholz des Waldbesitzerverbands hat der Holzeinschlag noch nicht begonnen, noch ist es zu nass. Seine Telefonnummer will er lieber nicht in der Zeitung lesen, sonst rappelt das Telefon ab sofort den ganzen Tag, vermutet er. Das Brennholzgeschäft der staatlichen Wälder wird über die Revierförstereien abgewickelt, erklärt Forstamtsleiter Otto Fricke vom Niedersächsischen Forstamt Harsefeld. Aber: "Alle sind an die Grenzen des Machbaren gestoßen", weil die Holzmengen endlich sind und die Förster nicht ihre ganze Arbeitskraft diesem Geschäft widmen können.

Die Brennholzpreise in den Niedersächsischen Landesforsten bezeichnet Fricke als stabil. Sie richten sich, so Rüdiger Dammes, nach den Holzarten. Um die 40 Euro kostet bei ihm ein Raummeter - allerdings im Wald, in drei Meter langen Stücken und ungetrocknet. Für das Sägen und Transportieren ist der Abnehmer verantwortlich. Wer kleine Mengen bis zu fünf oder sechs Raummeter sucht, ist aus seiner Sicht besser bei gewerblichen Anbietern aufgehoben. Da sei das Holz trocken und werde geliefert.

Heiko Twiefel aus Visselhövede ist gewerblicher Holzhändler. Bei ihm kostet der ofenfertige Schüttraummeter Buche 62 Euro, Birke und Erle 58 Euro - jeweils plus Anfahrtspauschale. Damit bewegt Twiefel sich in dem Rahmen, den Dammes genannt hatte: zwischen 60 und 75 Euro pro Schüttraummeter.

Laut Twiefel liegen die Kaminholzpreise derzeit pro Schüttmeter fünf Euro höher als vor fünf Jahren. Das resultiere aus den gestiegenen Preisen für Industrieholz. Dort gab es 100-Prozent-Preissprünge. Der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Hohe Heide, Heinrich Luttmann, nennt als Beispiel den Preis für einen Raummeter Kiefernrundholz. In der Zeit von 2004 bis 2010 pendelte dieser mehrfach zwischen 15 und 30 Euro, beim oberen Ausschlag befindet er sich gerade wieder. Luttmann erklärt das mit Angebot, Nachfrage und Psychologie.

Im Gegensatz zu Forstamtsleiter Fricke begegnet Twiefel der Sorge um einen möglichen Kaminholz-Engpass gelassen: "Die Nachfrage ist gestiegen, aber es sind auch mehr Anbieter da."

Damit nun das heimische Feuer effizient lodert, muss Holz nicht nur trocken sein. Der Lilienthaler Kaminbauer Lutz Krumbach empfiehlt zusätzlich: "Kleines Holz, dünn mit acht bis zehn Zentimeter Kantenlänge, in 25-er Länge." "Holz ist Leistung", sagt er. Zu heiße Öfen gibt es aus Sicht des Fachmanns nicht. Einzig der Nutzer sei für die Wärme verantwortlich.

Davon berichtet auch Bezirksschornsteinfeger Werner Trojahn: Ist es zu heiß im Raum, drosseln Kaminfreunde oft die Sauerstoffzufuhr des Ofens. Wegen der schlechteren Verbrennung beginnt es aus dem Schornstein zu qualmen und manch geplagter Nachbar qualmt gleich mit - vor Zorn. Zwischen fünf und zehn derartige Beschwerden kommen pro Jahr beim Bauamt des Landkreises an. Die Dunkelziffer ist sicher höher, vermutet Pressesprecher Thorsten Klabunde.

Ein Ofen mit Abbrandautomatik kann da helfen, sagt Krumbach. Der sorgt von alleine für die optimale Verbrennung. Wogegen auch dieser Ofen machtlos ist, sind lackierte, verleimte oder beschichtete Hölzer. Die haben im Feuer nichts zu suchen, darauf weist Thorsten Klabunde hin. Im seit März 2010 gültigen strengeren Bundesemmissionsgesetz sowie der damit verbundenen Kaminbesitzer-Beratung durch den Schornsteinfeger sieht er gute Voraussetzungen, dass "diese Konflikte schon im Vorfeld entschärft" werden.

Der Kaminofen ist nach den Erfahrungen Lutz Krumbachs der Hausbesitzer liebstes Modell. Ganz selten verkaufe er noch Öfen ohne Sichtscheibe. Den Sinn des reinen Dekorationsofens stellen sowohl er als auch Trojahn infrage. Heutige Niedrigenergiehäuser benötigen diese schnell auflodernde, gleichsam verfliegende Wärme nicht. Für Krumbach liegt die Alternative im Kaminofen mit Speicherfunktion - neu im Trend ist der an die Hausheizung angeschlossene Kaminofen mit Wassertasche - oder im Kachelofen, auch wenn Letzterem noch etwas Verstaubtes anhänge. Aber das sei supermoderne Technik, die Strahlungswärme biete, eine hohe Nutzbarkeit und strapazierfähig und langlebig sei. Krumback ist sicher: Bei modernen Häusern genügen ein Kachelofen und eine Solaranlage völlig, um warmes Wasser und Heizung bereitzustellen.

Mit der 1. Verordnung zum Bundesimissionsschutz fordert die Bundesregierung, dass bestehende Kaminöfen und Heizkessel nach Alter gestaffelt bis zum Jahr 2025 mit Staubfiltern nachgerüstet werden. Im Internet können unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3776.pdf für bestehende Anlagen Schadstoff-Grenzwerte und Übergangsfristen nachgelesen werden. Ein Grund für die Gesetzesnovellierung war, dass in Deutschland im Jahr 2006 Holzfeuerungsanlagen aus Haushalt und Kleingewerbe mehr gesundheitsschädlichen Feinstaub (24 Kilotonnen) in die Luft gepustet haben, als zeitgleich die Auspuffe aller Autos, Laster und Motorräder zusammen (22,7 Kilotonnen).

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