180 Bauwerke

Film über Mühlen nach vier Jahren fertig

Ansgar Rahmacher und Florian Butt sind absolute Mühlenfans. Deshalb wollten sie ihre Lieblingsobjekte auch in Bild und Ton festhalten. Nach vier Jahren ist ihr selbst finanzierte Film fertig.
20.08.2020, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Grotheer
Film über Mühlen nach vier Jahren fertig

Die 1882 erbaute Mühle von Rönn ist eines der Wahrzeichen der Kreisstadt. Auch sie haben die beiden Mühlenfans für ihren Film dokumentiert.

Christian Kosak

Osterholz-Scharmbeck. Wird er nach der Mühle von Rönn gefragt, muss Ansgar Rahmacher nicht lange überlegen: „Das ganze Gelände mit der Biologischen Station ist mir positiv in Erinnerung. Die Mühle kann sich aus eigener Kraft nicht mehr drehen und wird von einem Motor angetrieben“, weiß der Bochumer. Gemeinsam mit Florian Butt hat er ein Filmprojekt über Mühlen in Niedersachsen auf die Beine gestellt. Knapp vier Jahre hat es gedauert, 180 niedersächsische Mühlen in Bildern festzuhalten. Filmdauer: sieben Stunden und 42 Minuten.

„Anfangs hatten wir eine Liste von über 200 Mühlen, aber nicht alle hatten Interesse“, erzählt der Multimedia-Experte, der in Bochum ein eigenes Unternehmen hat und schon lange Mühlenfan ist. Mit Florian Butt, von Beruf Müller, verbindet ihn eine Freundschaft. „Wir haben schon viele Touren zusammen gemacht. Gerade waren wir in Ostdeutschland und haben uns Ruinen von Mühlen angesehen, die dort noch häufig zu finden sind“, so der 45-Jährige.

Am Anfang des Projekts 2016 stand die Planung: Mühlen auswählen, Kontakt aufnehmen, Routen festlegen. Für die Besuche bei den Mühlen wurden die Ferien genutzt. „Fünf bis sechs Mühlen haben wir an einem Tag geschafft, manchmal auch sieben“, erzählt Ansgar Rahmacher. „Allein 2017 waren wir zwei Wochen in den Osterferien und drei Wochen in den Sommerferien unterwegs.“ Mit ihrem Film wollen die beiden Produzenten Mühlenfreunde erreichen und solche, die es werden wollen. „Wir möchten zeigen, dass es sinnvoll ist, sich mit Mühlen zu beschäftigen. Schließlich sind das die ältesten Maschinen der Menschheit“, so der Mühlenfan, der zu jeder Mühle etwas sagen kann. „In Lübberstedt war kein Wind, wir konnten sie nicht drehen lassen“, erinnert er sich an das Bauwerk aus dem Jahre 1909. Eine besondere Anekdote gibt die Wassermühle Deelbrügge in der Gemeinde Beverstedt, die bereits um 1500 erstmals erwähnt wurde, her: „Dort soll Wilhelm Busch auf einer Reise vorbeigekommen sein“, erzählt Ansgar Rahmacher. Die eigentliche Wilhelm-Busch-Mühle stehe jedoch in Ebergötzen im Harz: „Dort ist der 1832 geborene Dichter mit dem Müllersohn Erich Bachmann aufgewachsen und hat vieles mit ihm ausgeheckt, was er dann später verfasst hat“, so der Bochumer, der sich für die Technik und die Geschichte der Bauwerke interessiert.

Der Mühlenfilm, den Ansgar Rahmacher und Florian Butt auf eigene Kosten produziert haben, ist auf einem USB-Stick erhältlich. „Wir haben zunächst 300 Stück produziert. Der Film ist nicht nur etwas für Mühlenliebhaber, sondern kann beispielsweise auch am Mühlentag, der traditionell am Pfingstmontag stattfindet und dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie leider nur virtuell besucht werden konnte, gezeigt werden“, schlägt der Filmer vor. So könnten die Mühlenvereine neue Mitglieder werben und auch den Nachwuchs für das alte Handwerk begeistern. „Die Erhaltung dieser wichtigen kultur- und technikhistorischen Bauwerke ist in unserer Landschaft von großer Bedeutung“, betont Ansgar Rahmacher. Doch fehle in vielen Bereichen der Nachwuchs zur sachgerechten Betreuung der Mühlen. „In unserer 30-minütigen Dokumentation ,Vom Korn zum Mehl` erklären wir anschaulich, den Vorgang von der Getreideernte über die Reinigung und Vermahlung bis hin zum Sichten – unterstützt von zahlreichen 3D-Animationen“, eigne sich der Film auch zu Lehrzwecken.

Bonusmaterial zu den Themen Mischfutterherstellung, Windkraft und Wasserkraftnutzung liefert das Werk ebenfalls. „Wir möchten die Allgemeinheit darauf aufmerksam machen, dass Windräder wie Pilze aus dem Boden schießen und oft still stehen, während Mühlen mit Wasserkraftanlagen relativ konstant Energie liefern können“, liegt Ansgar Rahmacher auch dieser Aspekt am Herzen. Besonders in Sachen Wasserrecht hätten viele Mühlenbesitzer mit den Behörden Probleme. Auch darauf gehen die Filmemacher ein. Fertig geworden ist der Film im Frühjahr: „Wege der Pandemie sind einige andere Aufträge entfallen und ich konnte mir die Zeit nehmen.“ Die kürzeste Sequenz über eine Mühle dauert 55 Sekunden, die längste sieben Minuten. Nicht nur die Mühlen sind zu sehen, Hintergrundinformationen und GPS-Koordinaten zum Standort werden mitgeliefert. Wer auf der Suche nach einer Mühle sei, könne sie in der Mühlendatenbank unter www.milldatabase.org online finden, verrät Rahmacher. 33 000 Mühlen gebe es über die ganze Welt verteilt. 8500 davon in Deutschland.

Infos zum Projekt sowie Filmausschnitte gibt es unter www.muehlenromantik.eu. Der USB-Stick mit dem kompletten Filmmaterial kostet 29 Euro plus Versand. Er kann per E-Mail an info@muehlenromantik.eu bestellt werden.

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