Vorstand hat sich neu formiert, doch Nachwuchs ist auch weiterhin nicht in Sicht Findorffverein läuft Zeit davon

Worpswede. Der Vorstand des Findorffvereins Worpswede hat sich gründlich erneuert. Vor einem Jahr hatte Ewald Dubbert die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen ersten Vorsitzenden Diedrich Jacobs angetreten – jetzt stellten vier weitere Vorstandsmitglieder ihre Ämter zur Verfügung, die sie jeweils viele Jahre ausgeübt hatten.
08.02.2016, 00:00
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Von Michael Schön

Der Vorstand des Findorffvereins Worpswede hat sich gründlich erneuert. Vor einem Jahr hatte Ewald Dubbert die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen ersten Vorsitzenden Diedrich Jacobs angetreten – jetzt stellten vier weitere Vorstandsmitglieder ihre Ämter zur Verfügung, die sie jeweils viele Jahre ausgeübt hatten. Dubbert war deshalb nicht ganz frei von Nervosität, als er sich zur Jahreshauptversammlung in die Ratsdiele begab. Doch als die Versammlung vorüber war, konnte er mit Erleichterung verkünden, dass immerhin drei der vier vakant gewordenen Posten neu besetzt wurden. Lediglich für den langjährigen Kassenwart Helmut Engelken, der sich nicht mehr zur Verfügung stellte, fand sich kein Ersatzmann. Seine Aufgaben wird Dubbert nunmehr in Personalunion übernehmen.

Wenn der Vorsitzende vor der Versammlung Zweifel daran geäußert hatte, dass sich überhaupt ein neuer Vorstand würde finden lassen, dann fand er diese Befürchtungen zwar nicht bestätigt, doch Entwarnung geben mochte Dubbert keineswegs. Dem Verein laufe die Zeit davon, warnte er. „Wir sind nur noch 59 Mitglieder, und von denen sind die meisten zwischen 70 und 80 Jahre alt. Wir müssen also dringend was tun.“

Schon lange bemüht sich der Findorffverein darum, neue Mitglieder zu werben, vor allem jüngere mit der Perspektive, irgendwann in ein Vorstandsamt hineinzuwachsen. Bisher allerdings mit äußerst geringem Erfolg. Dubbert will nun die Schulen für die Interessen des Vereins gewinnen und „heimatkundliche Themen für den Unterricht fruchtbar machen“. Und Broschüren in Umlauf bringen, die darüber informieren, in welcher Weise sich der Findorffverein der Denkmalpflege widmet.

„Ein eingespieltes Team“

Das Andenken Jürgen Christian Findorffs zu bewahren, ist das zentrale Anliegen der Worpsweder, die sich außerdem verpflichtet fühlen, Heimatkunde zu betreiben und einen Beitrag zur Erhaltung der plattdeutschen Sprache zu leisten.

Das Vereinsleben spielt sich dabei in erster Linie auf dem Findorffberg ab, ein der höchsten Erhebung Worpswedes, dem 54 Meter hohen Weyerberg, vorgelagerter sechs Meter niedriger „Nebengipfel“. Dort steht das Findorff-Denkmal, ein minipyramidenartig emporragender Obelisk, der nach dem Tod des Moorkommissars errichtet worden war. Mit dem steinernen Bauwerk, das eine Gedenktafel ziert, sollen die Verdienste des gelernten Tischlers gewürdigt werden, die im Wesentlichen darin bestanden, dass er Siedlungsgebiete für Menschen erschloss, die den Schritt in die Unabhängigkeit wagen wollten, um sich mit ihrer Familie ein bescheidenes Auskommen zu sichern. Findorff verbreitete einen rigiden „Moorkatechismus“, der den Kolonisten die Existenz in der lebensfeindlichen Umgebung erleichtern sollte. Der Moorkommissar hat große Teile des heutigen Landkreises Osterholz vermessen, entwässert und mit Kolonisten bevölkert.

Jürgen Christian Findorff leitete den Bau der Worpsweder Zionskirche. Er entwarf und baute auch die Kirchen in Grasberg und Gnarrenburg. Darüber hinaus war er für den Bau von Mühlen, Brücken und Rathäusern verantwortlich.

Unter der Ägide des Moorkommissars sind rund 14 000 Hektar unwirtlichen Moorgebiets kultiviert und neue Siedlerstellen für knapp 5000 Menschen geschaffen worden. Bis zu seinem Tod im Jahre 1792 in Bremervörde legte er im Teufelsmoor nach Weisung der hannoverschen Regierung 60 neue Moorsiedlungen an, die sogenannten Findorffschen Reihendörfer.

Wenige Jahre nach Findorffs Tod hatten geschichtsbewusste Arbeiter Steine herangeschafft, um sie zu einem Obelisken aufzuschichten. 380 Goldmark soll der Bau verschlugen haben, von denen der größte Teil aus der Schatulle von Georg III., dem nächsten Welfen auf dem britischen Königsthron, stammte. Doch von Nachhaltigkeit gekennzeichnet war die Ehrbezeugung nicht. Überwuchert von Gestrüpp, zerfiel die Gedenkstätte, bis sie Ende des vergangenen Jahrtausends wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wurde.

Der Findorffverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Platz zum Andenken an den Moorkommissar in einem seiner Bestimmung entsprechenden Zustand zu halten. Im Frühjahr und im Herbst werden heruntergefallene Äste und Laub von der Fläche entfernt, und im Juni organisieren die Heimatfreunde eine Gedenkfeier mit Rednern aus der Region. Dazu binden die Frauen des Heimatvereins eigens einen Kranz.

„Wir sind ein eingespieltes Team“, freut sich Dubbert. Immerhin erschienen 42 Mitglieder zur Jahreshauptversammlung. Das Gemeinschaftsgefühl wird auch durch Veranstaltungen wie die Grillpartys gestärkt. Die nächste findet am 12. August bei Johann Kück in Überhamm statt.

Johann Kück war bisher zweiter Vorsitzender des Vereins. Er schied bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag ebenso aus dem Vorstand aus wie Kassenwart Helmut Engelken, Schriftführer Gerhard Behrens und die zweite Schriftführerin Magda Bastian. Sie alle wurden zum Abschied mit Blumen und Urkunden bedacht. Neu im Vorstand sind als zweiter Vorsitzender Friedrich-Karl Schröder, als Schriftführerin Erika Thies und als zweite Schriftführerin Anne Teumer. Im Amt bestätigen ließ sich neben Dubbert auch die zweite Kassenwartin Ricarda Michael.

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