Sporthalle an Daniel-Jacobs-Allee Freitag sollen erste Flüchtlinge einziehen

Die Borgfelder stellen sich auf den Zuzug von weiteren bis zu 100 jungen unbegleiteten Flüchtlingen ein. Die ersten Bewohner sollen am Freitag in die eigens hergerichtete Sporthalle an der Daniel-Jacobs-Allee einziehen.
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Von Klaus Göckeritz

Die Borgfelder stellen sich auf den Zuzug von weiteren bis zu 100 jungen unbegleiteten Flüchtlingen ein. Die ersten Bewohner sollen am morgigen Freitag in die eigens hergerichtete Sporthalle an der Daniel-Jacobs-Allee einziehen. „Es gibt zur Unterbringung im Ortsteil keine Alternativen“, stellte Heidemarie Rose, Abteilungsleiterin im Sozialressort, im Verlauf einer Sondersitzung des Beirats fest.

Die Ankündigung des Ressorts, dass zusätzlich zu den 30 jugendlichen Flüchtlingen in der Borgfelder Warft etwa 100 junge Menschen in der Sporthalle an der Jacobs-Allee untergebracht werden sollen, kam kurzfristig und für Politik, Ortsamt und Bürger überraschend (wir berichteten). Vor diesem Hintergrund hatten Ortsamtsleiter Gernot Neumann-Mahlkau und Beirat zu einer außerordentlichen Sitzung in die Schützenhalle eingeladen. Das Interesse der Bürger war entsprechend, im Ergebnis war man sich einig, die avisierten jungen Flüchtlinge in gemeinsamer Anstrengung zu unterstützen.

Nach Auskunft von Heidemarie Rose sind die Flüchtlingszahlen weiter kontinuierlich gewachsen, so dass die Behörde in Abstimmung mit dem Sportbund und anderen Ressorts ein Sofortprogramm aufgelegt habe. Im Vorfeld des kommenden Winters und einer angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt, sollen Flüchtlinge demnach auch in Sporthallen untergebracht werden. Die Sozialbehörde habe eine Liste erarbeitet, wonach stadtweit zehn Hallen als Unterkunft genutzt werden sollen, für Jugendliche die Hallen an der Lissaer Straße, auf dem Stadtwerder und an der Jacobs-Allee. „Wir begehen einen Tabubruch und wissen, dass wir Sie damit überrollen“, räumte die Abteilungsleiterin in der Schützenhalle ein.

Team wird zusammengestellt

Die ersten rund 50 Flüchtlinge sollen am morgigen Freitag einziehen. Die Halle soll in Bereiche für jeweils sechs Personen unterteilt, ein Mittelgang mit Tischen und Bänken ausgestattet werden. Für die Verpflegung wurde nach Auskunft der Behördenmitarbeiterin ein Caterer verpflichtet, der unter anderem orientalisches Essen anbietet. Für die Bewohner stehen 16 Duschen zur Verfügung, bei der Anzahl der derzeit sieben Toiletten sah Heidemarie Rose noch Nachholbedarf. Um die Sicherheit soll sich rund um die Uhr ein Dienstleister kümmern, die sozialpädagogische Betreuung der jungen Menschen übernimmt mit Detlev Busche der langjährige Leiter der Jugendeinrichtung Stiftung Alten Eichen. „Ich bin dabei, ein Team von rund 20 bis 25 Helfern zusammenzustellen“, sagte Busche. Unterstützung habe auch die Grundschule am Saatland angeboten, besonders erfreut sei er über die Zusage einer ehemaligen Professorin aus Syrien. „Wir haben Kapazitäten und Reserven frei und werden unser Angebot auf das Saatland ausweiten“, kündigte Hermann Vinke vom bürgerschaftlich orientierten Runden Tisch an, der die Flüchtlinge der Warft erfolgreich unterstützt. Widerspruch kam insbesondere von den Sportlern des SC Borgfeld, die auf „gravierende Folgen“ für den Jugendfußball hinwiesen. „Uns fehlen im Winter Hallenzeiten für rund 300 Spieler der jüngeren Jahrgänge, und uns stehen keine Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung“, monierte der stellvertretende Jugendleiter Michael Fritz. Eine Mutter klagte, dass mit der Grundschule am Saatland eine Einrichtung mit Ganztagsangebot betroffen ist.

"Keine Alternativen"

„Es gibt keine Alternativen“, wiederholte Heidemarie Rose, die sich im Übrigen wünschte, dass die Unterbringung in Hallen eine Übergangslösung bleibt. Rose verwies in diesem Zusammenhang auf eine unverändert intensive Suche der Stadt nach Unterkünften und wies auf eine Gesetzesinitiative hin, wonach nach dem Vorbild Hamburgs auch Eigentümer von Gewerbeimmobilien zur Unterbringung von Flüchtlingen verpflichtet werden können. Die Abteilungsleiterin verwies auf Regelungen, wonach junge Flüchtlinge zukünftig auf andere Städte verteilt werden können, auch Bremen unterstütze ein entsprechendes Gesetz. Derzeit würden angekaufte Häuser in Jugendwohngruppen umgewandelt, das alte Zollamt an der Hans-Böckler-Allee, das Papageienhaus am Güterbahnhof und Hallen der ehemaligen Tabakfabrik Brinkmann in Woltmershausen stünden auf einer Liste für Unterkünfte. Darüber hinaus sei das Ressort auf der Suche nach Grundstücken, um Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen.

Wann die Halle an der Jacobs-Allee den Schulen und Vereinen wieder zur Verfügung steht, vermochte Rose auf Nachfragen aber nicht zu sagen. „Jetzt und in Zukunft ist Kreativität gefragt“, stellte Beiratsmitglied Martin Schumacher (Grüne) daraufhin fest und Beiratssprecher Karl-Heinz Bramsiepe (CDU) erfuhr, dass die Sporthalle später wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt wird. „Bis dahin müssen wir das gemeinsam aushalten“, so Rose.

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