Volkstrauertag mit aktuellem Bezug Frieden ist nicht selbstverständlich

Lilienthal·Tarmstedt·Kirchtimke. Krieg und Terror sind nicht Dinge aus vergangenen Epochen, die längst überwunden sind – das zeigen die Anschläge in Paris. So wurde denn in den Ansprachen zum gestrigen Volkstrauertag außer der Opfer der Kriege speziell auch der Toten der Terrorangriffe in Frankreich gedacht.
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Von Johannes Heeg

Krieg und Terror sind nicht Dinge aus vergangenen Epochen, die längst überwunden sind – das zeigen die Anschläge in Paris. So wurde denn in den Ansprachen zum gestrigen Volkstrauertag außer der Opfer der Kriege speziell auch der Toten der Terrorangriffe in Frankreich gedacht. Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz hatte in der Feierstunde im Rathaus eine französische Flagge am Rednerpult stehen, als er sein Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck brachte.

Der Volkstrauertag bleibe eine stete Mahnung und Herausforderung. Nach wie vor sei Gewalt weltweit verbreitet, nach wie vor würden Menschen in vielen Teilen der Welt Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Terror. Die schrecklichen Ereignisse von Paris zeigten, wie verwundbar unsere moderne, freie Gesellschaft sei. „Jeden Abend sehen wir die erschreckenden Bilder auf den Bildschirmen. Auch mit diesen gegenwärtigen Schrecken müssen wir uns am Volkstrauertag auseinander setzen“, so Hollatz.

Der Kirchtimker Pastor Wolfgang Preibusch schlug gestern in seiner Predigt ebenfalls einen Bogen zur Gegenwart. „Wer dachte, der Volkstrauertag hat sich womöglich 70 Jahre nach Kriegsende in unserem Land erledigt, der hat sich getäuscht. Ja, es ist nötig, der Trauer Raum zu geben, damit Hass und Gewalt aus Vergangenheit und Gegenwart uns nicht lähmen oder beherrschen; damit Mitgefühl, Beistand, Versöhnung und Friedensbereitschaft unter uns stark werden.“

Bei den Vorbereitungen mit den Konfirmanden für den Volkstrauertagsgottesdienst habe niemand ahnen können, wozu Terroristen bei unseren Nachbarn in Frankreich fähig sein sollten. „Hunderte Tote und Verletzte hat es gegeben, und viele Frauen und Männer ringen jetzt noch mit dem Tod. Es ist schrecklich. Und dieser Schrecken rückt uns auch räumlich nahe“, sagte Preibusch. Was in Paris geschehen sei, könnte jede Hauptstadt Europas mit ihren Menschen treffen „als Anschlag auf unser Leben, unsere Gesellschaft, unsere Freiheit. Es wird Zeit brauchen und Orte, mit der Trauer darüber umzugehen. Heute ist der Volkstrauertag so eine Zeit und unser Gottesdienst so ein Ort: inne zu halten und sich zu besinnen auf die Kräfte, die jetzt nötig sind“.

Pastor Martin Rothfuchs sagte gestern auf der Gedenkfeier der Gemeinde Tarmstedt: „Die Anschläge von Paris an diesem Wochenende zeigen, wie zerbrechlich mitten in Europa der Friede ist. Friede ist keine Selbstverständlichkeit. Der Volkstrauertag sei eine Gelegenheit, auf die Herausforderungen unserer Zeit zu schauen: „Heute machen sich viele Menschen neu auf den Weg und fliehen vor Krieg und Gewalt und suchen Hilfe und Schutz hier in unserer Mitte. Sie suchen den Frieden, der uns geschenkt wurde, und die Freiheit, deren Erhalt uns so wichtig ist.“

Der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken und die Gefallenen ehren, das heiße heute auch: „Flüchtlinge aufnehmen und mit Würde behandeln. Jeder Flüchtling mit seiner Geschichte ist eine Chance – eine Chance, dass wir an unserem Ort den Frieden und die Freiheit mit anderen teilen können, die sie nicht haben.“

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