Tier aus Garlstedter Rudel Lies lehnt Ausnahmegenehmigung zum Wolfsabschuss ab

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) lehnt eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss eines Wolfes aus dem Garlstedter Rudel ab. Verschiedene rechtliche Grundlagen seien nicht erfüllt, so der Minister.
15.08.2022, 18:23
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Lies lehnt Ausnahmegenehmigung zum Wolfsabschuss ab
Von Lars Fischer

Landkreise Osterholz/Cuxhaven. Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss von Wölfen nach zahlreichen Rissen in den Landkreisen Osterholz und Cuxhaven hält Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) für "rechtlich nicht möglich". Wie Lies am Montag mitteilte, sei der geforderte Abschuss zwar nachvollziehbar, aber keine mögliche Handlungsoption. Der strenge europarechtliche Schutz des Wolfes erlaube nur dann die Entnahme von Einzeltieren, wenn dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit das Verursachertier oder ein Tier aus dem verantwortlichen Rudel getötet werde. Die zweite wichtige Voraussetzung sei, dass Wölfe einen wolfsabweisenden Herdenschutz mehrfach überwunden haben. „Das zeigt, dass weiterhin Handlungsbedarf bei den rechtlichen Regelungen auf Bundesebene besteht“, so der Minister.

Bei den seit Anfang des Jahres 2022 dokumentierten Nutztierschäden konnte zwar in einer Reihe von Fällen das Individuum GW2403m nachgewiesen werden. Aktuell könne der Rüde aber keinem bestimmten Territorium zugeordnet werden, so das Ministerium. Ohne eine zweifelsfreie Bestimmung des Individuums und der Rudel- oder Territoriumszugehörigkeit sei eine Ausnahmegenehmigung aber nicht rechtssicher möglich.

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Nach jetzigem Stand lässt die Datenlage das niedersächsischen Wolfsbüros vermuten, dass sich der Kern des Garlstedter Rudels nach Nordwesten verlagert, und der Rüde GW2403m sich als Einzeltier weiter südwestlich etabliert habe. Das zeige, wie zum Teil wirklichkeitsfremd die Anforderungen seien, so Lies, der ankündigte, über ein intensiviertes Monitoring und der Zusammenarbeit mit der örtlichen Jägerschaft weitere Erkenntnisse zusammentragen zu wollen.

Entscheidender sei jedoch nach Auffassung von Lies, dass Schäden durch Wölfe nur dann rechtlich anerkannt werden dürfen, wenn Maßnahmen zum wolfsabweisenden Schutz getroffen wurden. Bei den betroffenen Tierhaltungen seien aber "selbst die Mindestanforderungen für einen wolfsabweisenden Grundschutz nicht erfüllt" gewesen. Auch daher dürften die bekannten Nutztierschäden nicht als Grundlage für eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung herangezogen werden. „Es lässt sich nicht beschönigen: Dass Wölfe in Deutschland zunehmend heimisch werden, verlangt den Menschen gerade in ländlichen Gebieten viel ab", so Olaf Lies. "Wölfe, die abgeschossen werden, weil sie schlecht geschützte Weidetiere töten oder verletzen, werden in kurzer Zeit durch neu einwandernde Wölfe ersetzt." Diese Kette könne nur durchbrochen werden, wenn ein flächendeckender wolfsabweisender Schutz implementiert wird. "Sollte es danach trotzdem zu Übergriffen kommen, können und werden auch rechtssichere Abschüsse genehmigt werden“, so der Minister.

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