Neue Fundstücke für das Osterholzer Kreisarchiv

Gedächtnis des Landkreises

Osterholz-Scharmbeck. Immer mehr Bürger aus Landkreis Osterholz vertrauen dem Kreisarchiv alte Fotos und Unterlagen an. Die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit macht sich nach Ansicht von Kreisarchivarin Gabriele Jannoweitz-Heumann bezahlt.
11.05.2010, 17:41
Lesedauer: 2 Min
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Von Lutz Rode
Gedächtnis des Landkreises

Gabriele Jannowitz-Heumann hat rund hundert Jahre alte Fotos vom Bau der Osterholzer Kleinbahn ins Kreisarchiv übernomme

Lutz Rode

Osterholz-Scharmbeck. Das Osterholzer Kreisarchiv ist um zwei Fundstücke aus der Vergangenheit reicher: SPD-Kreistagsabgeordneter Karl Schönemeier hatte zur Sitzung des Bildungsausschusses historische Fotos aus den Anfängen der Eisenbahn in der Kreisstadt mitgebracht, um sie sogleich Gabriele Jannowitz-Heumann zu überreichen. Die Gelegenheit war günstig, denn die Kreisarchivarin berichtete an diesem Tag dem Ausschuss über die Arbeit des vergangenen Jahres. Die Übergabe der Fotos im Kreishaus passte gut zu dem, was Jannowitz-Heumann erzählte.

So wie Karl Schönemeier halten es nämlich immer mehr Menschen im Landkreis Osterholz: Wenn sie auf Dachböden und in Kellern auf Dokumente der Vergangenheit stoßen, die ihrer Ansicht nach für die Nachwelt erhalten bleiben sollten, vertrauen sie diese häufig dem Kreisarchiv an. Die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit unter anderem mit diversen Ausstellungen macht sich offenbar bezahlt: Sie hat das Kreisarchiv als 'Gedächtnis des Landkreises' in das Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Doch nicht nur dort: Auch in der Kreisverwaltung hat man das Archiv auf dem Schirm, wenn irgendwo interessant erscheinende Unterlagen auftauchen. 'Mitarbeiter rufen an und sagen, dass sie noch alte ,Akten? haben, die unbedingt erhalten bleiben sollten', berichtete Jannowitz-Heumann.

Die Kreisarchivarin hatte noch ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit parat, in dem Bürger dafür gesorgt haben, dass historische, interessante Dokumente nicht sang- und klanglos verschwinden: So erhielt das Archiv Kenntnis von einer Fotosammlung aus Garlstedt. Auf einem der Bilder ist ein landwirtschaftlicher Hof zu sehen und im Hintergrund eine Fahne mit dem Buchstaben 'L' darauf. Für die Kreisarchivarin war klar: Es geht um den 'Königin-Luise-Bund', der 1923 während der Weimarer Republik gegründet und 1934 aufgelöst worden war. Auch in Osterholz-Scharmbeck gab es einen Ableger der Organisation. Die Aufnahme ist insofern wertvoll, weil bisher nur wenige Dokumente darüber erhalten geblieben sind.

Aufarbeitung der NS-Geschichte zählt zu den Schwerpunkten

Im Kreisarchiv kümmert man sich in besonderer Weise um die Aufarbeitung der Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. 'Es gab hier einige Einrichtungen von überregionaler Bedeutung, die als mustergültig galten', begründet Gabriele Jannowitz-Heumann das spezielle Interesse an der NS-Zeit. Das Marinegemeinschaftslager in Neuenkirchen oder das Lebensborn-Heim in Löhnhorst zählten zu diesen Besonderheiten. Jannowitz-Heumann ist daran gelegen, anhand der zahlreichen Quellen nachzuvollziehen, was damals passiert ist. Die heutige Generation stehe nach ihrer Ansicht nach wie vor in der Pflicht, sich um dieses Kapitel der Vergangenheit zu kümmern. Die Politiker im Ausschuss sehen das genauso: 'Sie leisten eine verdienstvolle Arbeit', bescheinigte Karl Schönemeier der Archivarin.

Doch man blickt im Kreisarchiv auch in die Zukunft. Genauer: Mit dem neuen Gebäudekomplex im Quartier Am Barkhof wird auch das Kreisarchiv ein neues Domizil erhalten. Für den dann anstehenden Umzug, das ist schon abzusehen, werde eine 'logistische Meisterleistung' nötig sein. Das Kreisarchiv wird in den neuen Räumen mehr Platz haben als bisher. Man sei zufrieden mit dem Raum, der dann zur Verfügung stehe, sagte Jannowitz-Heumann auf Nachfrage der Kreistagspolitikerin Brunhilde Rühl. Laut der Ersten Kreisrätin Heike Schumacher laufen derzeit die ersten Ausführungsplanungen für das neue Gebäude, in dem auch die Mensa und die Kreis- und Stadtbibliothek einen neuen Platz erhalten sollen. Im Juni oder Juli soll die Ausschreibung des Bauauftrags erfolgen. Der als 'zukunftsfähige Minimalvariante' ausgelegte Bau soll im Herbst beginnen. Im November 2011 soll der Umzug in den neuen Gebäudekomplex laut Schumacher abgeschlossen sein.

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