Gedenkstätte Sandbostel

Gedenkgottesdienst in der Lagerkirche

Am 29. April 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager Lager Sandbostel durch britische Soldaten befreit. Eine Gedenkveranstaltung auf dem Gelände erinnert daran.
18.04.2017, 16:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Gedenkgottesdienst in der Lagerkirche

Einmarsch britischer Truppen am Tag nach der Befreiung des Stalag X B in Sandbostel im April 1945. Das Foto stammt aus Privatbesitz, der Fotograf ist unbekannt.

Johannes Heeg, FR

Sandbostel. Der 29. April ist der Tag, an dem vor 72 Jahren britische Soldaten das Lager Sandbostel befreiten. Für Sonnabend, 29. April, lädt die Stiftung Lager Sandbostel zu mehreren Veranstaltungen ein, mit denen der Befreiung des Stalag X B und der in Sandbostel verstorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge gedacht wird. Daran teilnehmen wird in diesem Jahr kommt noch einmal der ehemalige irische Zivilinternierte Harry Callan.

Bis zum Kriegsende durchliefen mehr als 313 000 Gefangene aus der ganzen Welt den Lagerkomplex in Sandbostel, schreibt Andreas Ehresmann von der Stiftung. Ihre Behandlung sei zwar in völkerrechtlichen Verträgen geregelt, doch seien systematische Verstöße an der Tagesordnung gewesen. Den sowjetischen Soldaten verweigerte die Wehrmacht jeglichen Schutz durch das Kriegsvölkerrecht. „Tausende von ihnen starben an Hunger und Krankheiten, die genaue Zahl, die in großen Massengräbern auf dem Lagerfriedhof ruht, ist bis heute nicht bekannt“, so Ehresmann. Im April 1945 seien etwa 9500 Häftlinge aus dem kurz zuvor geräumten KZ Neuengamme und einigen Außenlagern im Bremer Raum nach Sandbostel gekommen. Mehr als 3000 von ihnen starben während des Transports, im Lager und in den ersten Wochen nach der Befreiung.

Die britische Armee befreite am 29. April 1945 im Stalag X B etwa 14 000 Kriegsgefangene und 7000 KZ-Häftlinge aus 17 Nationen. Die Soldaten fanden insbesondere in dem Bereich, in dem die KZ-Häftlinge untergebracht waren, katastrophale Bedingungen vor. Hunderte Leichname lagen teilweise seit Tagen unbestattet auf dem Areal herum. Die lebenden Häftlinge irrten erschöpft auf der Suche nach Essbaren umher oder lagen apathisch in den Baracken. Trotz den verzweifelten Bemühungen des internationalen Widerstandskomitees der Kriegsgefangenen, den KZ-Häftlingen in den Tagen vor der Befreiung zu helfen, starben Tausende an Krankheiten, Erschöpfung und unmittelbarer Gewalt durch die Wachmannschaften. Die britischen Soldaten beschrieben ihr Entsetzen über den Zustand des Lagers als „like a minor belsen“ – wie ein kleines Belsen.

Am 29. April können Besucherinnen und Besucher bereits ab 14 Uhr in der Gedenkstätte an deutsch- oder englischsprachigen Rundgängen teilnehmen. Die Gedenkveranstaltung beginnt um 16 Uhr auf der Kriegsgräberstätte Sandbostel, dem ehemaligen Lagerfriedhof, mit Grußworten des Landrats des Landkreis Rotenburg, Hermann Luttmann, und des Vizepräsidenten des niedersächsischen Landtags, Karl-Heinz Klare. Anschließend wird Michele Callan im Namen ihres Schwiegervaters Harry Callan eine Rede halten. Es folgt eine multireligiöse Gebetsreihe und das Niederlegen von Kränzen im Gedenken an die Menschen, die in Sandbostel gestorben sind und gelitten haben.

Ab 17.30 Uhr wird die Gedenkveranstaltung in der ehemaligen Lagerküche mit Grußworten der niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić, und des Generalkonsuls der Niederlande, Ton Lansink, fortgesetzt. Anschließend wird Kees Koreman, der Sohn des in Sandbostel verstorbenen niederländischen KZ-Häftlings Cornelius Lambertus Koreman, sprechen. Jugendliche werden dann einen eigens für die Gedenkveranstaltung erarbeiteten Beitrag präsentieren. Abschließend werden Kränze und Blumen am Gedenkstein niedergelegt. Musikalisch wird dieser Teil der Veranstaltung begleitet vom Chor Choriginell aus Osterholz-Scharmbeck unter der Leitung von Wilhelm Alexander Torkel. Ab 19 Uhr findet ein abschließender Gedenkgottesdienst in der evangelischen Lagerkirche statt. Zahlreiche Angehörige aus bisher neun Ländern sowie die konsularischen Vertreter mehrerer Nationen werden dazu erwartet.

Anlässlich des Besuchs von Harry Callan am Denkort Bunker Valentin in Bremen und der Teilnahme an der Gedenkveranstaltung in Sandbostel stellt Michele Callan die von ihr geschriebene Biografie „Forgotten Hero Of Bunker Valentin. The Harry Callan Story“ am Freitag, 28. April, von 11.40 bis 13.15 Uhr in der Aula des Gymnasiums Bremervörde vor. Einige Plätze sind noch frei.

„Hunderte Leichname lagen seit Tagen unbestattet in dem Areal herum.“ Andreas Ehresmann, Stiftung
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