Deutsch-französische Sonderausstellung in Sandbostel

Gefangene hier, Gefangene dort

In der Gedenkstätte Lager Sandbostel wird am Sonnabend, 14. Januar, eine deutsch-französische Sonderausstellung eröffnet. Im Blickpunkt stehen dabei Aussagen von Zeitzeugen.
04.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

In der Gedenkstätte Lager Sandbostel wird am Sonnabend, 14. Januar, eine deutsch-französische Sonderausstellung eröffnet. Im Blickpunkt stehen dabei Aussagen von Zeitzeugen.

Dabei handelt es sich um die Aussagen ehemaliger Kriegsgefangener aus der Normandie und aus Deutschland während des Zweiten Weltkrieges. Die deutsch-französischen Sonderausstellung hat den Titel „Regards croisés – Prisonniers ici et là-bas“ (Perspektivwechsel – Gefangene hier, Gefangene dort) und wird bis zum 28. Februar zu sehen sein.

Wie Andreas Ehresmann, Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel, mitteilt, hat die nordwestfranzösische Stadt Cherbourg-Octeville die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Verein Mémoires et Terroirs (Gedächtnis und Gegend) erstellt. Die Erinnerungen der Zeugen der Normandie spiegelten die Berichte der deutschen Zeugen wider, und umgekehrt. Die Vorgehensweise bestehe darin, der menschlichen Dimension der Berichte den Vorrang zu geben und den Worten dieser Menschen aus der Normandie und aus Deutschland Gehör zu verschaffen, deren Leben durch den von Deutschland verursachten Krieg in manchen Fällen um bis zu einem Jahrzehnt beraubt worden sei.

In neun Ausstellungsschränken werden über 40 Biografien vorgestellt. Beleuchtet würden dabei die Themen Alltag in Gefangenschaft, Arbeit, das Zusammenleben mit den Wärtern und unter Gefangenen, die Beziehung zur Zivilbevölkerung, der Blick auf den anderen, Kommunikation mit den Verwandten, Erhalt von Nachrichten, Handlungen der Rebellion und die Rückkehr in die Heimat. Dies geschehe multiperspektivisch aus deutscher und französischer Sicht.

„Das Projekt dieser deutsch-französischen Sonderausstellung entstand aus dem gemeinsamen Willen, die Worte dieser letzten Zeugen des Zweiten Weltkrieges zu würdigen, mit dem Ziel, diese zu sammeln, zu pflegen und der Öffentlichkeit, insbesondere den jungen Generationen, zu übermitteln“, so Ehresmann. Seit dem Start im Jahre 2013 sei das Projekt in mehreren Schritten entwickelt worden, von der Sammlung bis zu seiner endgültigen Realisierung im Jahr 2015.

Im Rahmen der Sonderausstellung bietet die Gedenkstätte zwei weitere Veranstaltungen an. Lars Hellwinkel referiert am Dienstag, 7. Februar, über „Französische Kriegsgefangene im Stalag XB“. Diese bildeten die größte Gruppe unter den verschiedenen Nationen im Stalag XB. Der Vortrag soll einen Überblick über das Leben der französischen Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft geben, ihren Spuren in der Region zwischen Weser und Elbe nachgehen und einen Blick auf die Erinnerung an ihr Schicksal nach 1945 in Frankreich werfen. Beginn ist um 19 Uhr im Seminarraum im Ausstellungsgebäude, der Eintritt ist frei.

Zum Abschluss der Sonderausstellung zeigt die Stiftung Lager Sandbostel in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Stade am Dienstag, 28. Februar, den Dokumentarfilm „Wessen Feind? Auf den Spuren französischer Kriegsgefangener“. Die beiden Regisseure Annelie Klother-Kropp und Walter Kropp werden an dem Abend anwesend sein. Der 71 Minuten lange Streifen wird ab 19 Uhr im Seminarraum im Ausstellungsgebäude (Greftstraße 3 in Sandbostel) zu sehen sein, der Eintritt ist frei.

Marin Bresson (98), Bauernsohn und Nachbar der Filmemacher in Südfrankreich, erinnert sich an seine Kriegsgefangenschaft in Deutschland. Nach seinem Tod suchen die Filmemacher seine Spuren in Ostfriesland. Sie stoßen auf Hindernisse: Lange Zeit war das Thema tabu – weil man niemanden belasten wollte? Aber jetzt wollen viele Menschen etwas „loswerden“. Mit leuchtenden Augen erzählen sie von französischen Kriegsgefangenen, die für manche Brüder und Väter ersetzten. Aber wenn sie über Nazi-Lehrer und die Gestapo reden, ist ihre alte Angst noch spürbar.

Erst nach langen Recherchen finden die Regisseure Menschen, die sich an Marin erinnern, den Ort des Lagers und den Hof, auf dem er gearbeitet hat. Die Bäuerinnen sollen freundlich und respektvoll mit ihm umgegangen sein. Die Ereignisse von vor 70 Jahren wirken immer noch nach. Die Suche hat einiges aufgewirbelt. Wie wird das Geschehene heute verarbeitet? Was wird erinnert? Was wird vergessen?

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Gedenkstätte im „Haus Altenberg“ zu sehen: Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, sonn- und feiertags von 12 bis 16 Uhr.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+