Eltern sammeln Unterschriften Ärger um Schulbusse in Axstedt

Der Elternrat der Grundschule Axstedt bemängelt in einem Rundbrief den Fahrstil und das Auftreten von Fahrern der Weser-Ems-Buslinie 681. Unternehmen und Landkreis können die Kritik nicht nachvollziehen.
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Ärger um Schulbusse in Axstedt
Von Bernhard Komesker

Nicht schubsen, lärmen oder drängeln: Die Busschule des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN) bringt Grundschülern das richtige, rücksichtsvolle Verhalten im Schulbus und an der Haltestelle bei. Die Grundschule Axstedt hatte zuletzt vor einem Jahr die VBN-Schulbustrainer zu sich eingeladen, um Theorie und Praxis im Klassenzimmer und in einem Info-Bus zu vermitteln und zu üben. Der Vorsitzende des Schulelternrats, Ingo Kaminski, behauptet nun, Nachhilfe benötigten inzwischen eher die Busfahrer. Laut einem Elternbrief, der vor den Weihnachtsferien verteilt wurde, werden die Axstedter Buskinder vom Fahrpersonal angeschrien, am Haltepunkt nicht rausgelassen oder durch Vollbremsungen erschreckt.

In dem Rundschreiben, das der Redaktion vorliegt, steht neben dem Busunternehmen auch die Kreisverwaltung am Pranger. In dem Elternbrief ist zu lesen, dass eine monatliche Liste der Beschwerden und Zwischenfälle bereits an den Landkreis gegeben worden sei. Dennoch sei es bislang „leider zu keiner Verbesserung der Situation gekommen“. Der Schulvorstand habe daher nun einstimmig beschlossen, eine Unterschriftensammlung in der Elternschaft zu starten, um den Druck auf die Kreisverwaltung zu erhöhen.

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Im Kreishaus fiel man auf unsere Nachfrage hin aus allen Wolken und widersprach mit Nachdruck: „Die geschilderten Fälle waren dem Landkreis bisher nicht bekannt“, teilte Verwaltungssprecherin Jana Lindemann mit. Wenn so konkrete Vorwürfe gegen einen Busfahrer im Raum stünden, empfehle der Landkreis, dass die Eltern sich unverzüglich an das entsprechende Busunternehmen wenden. Nur dann ließen sich die Vorkommnisse zeitnah klären und mit dem jeweiligen Fahrer aufarbeiten.

Angelika Theidig von der Pressestelle der Deutschen Bahn (DB) in Hamburg stellte sich auf Anfrage ebenfalls schützend vor das DB-Tochterunternehmen Weser-Ems-Bus GmbH. Über die geschilderten Vorkommnisse auf der Linie 681 sei im Hause nichts bekannt. „Wir haben nicht eine Beschwerde vorliegen“, versicherte Theidig. Um die Kritik nachvollziehen zu können, brauche es die Angabe von Datum und Uhrzeit. Generell achte die Bahn in ihren Regionalbussen sehr auf Qualität und Service. „Ob Kinder oder Erwachsene: Wir möchten, dass sich unsere Fahrgäste wohlfühlen.“

Vom Fahrpersonal beleidigt

Die Schilderungen des Elternratsvorsitzenden sind freilich auch ohne die Datumsangabe plastisch und drastisch. Demnach würden herumlaufende Kinder durch „grundlose Vollbremsungen“ erschreckt oder vom Fahrpersonal beleidigt. Werde der Stop-Knopf nicht rechtzeitig gedrückt, fahre der Bus an der Haltestelle vorbei, zählt Kaminski weiter auf, wohl wissend, dass das eigentlich nicht zu beanstanden ist. Es sei inzwischen aber schon so, dass manche Kinder morgens gar nicht mehr in den Bus einsteigen möchten, wenn sie den einen oder anderen Fahrer beim Anfahren an die Haltestelle erkennen.

Falls es auf einer Linie mal zu einer Vollbremsung komme, dann nur aus Sicherheitsgründen, niemals aber grundlos oder gar um Fahrgäste zu erschrecken, versicherte Angelika Theidig. Derlei weise sie kategorisch zurück, so die DB-Sprecherin: „Das ist ein haltloser Vorwurf.“ Im Übrigen werde jeder Fahrer zwei Mal jährlich kontrolliert, neue Mitarbeiter sogar vier Mal pro Jahr; der VBN überprüfe den laufenden Betrieb ebenfalls regelmäßig.

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Ingo Kaminski räumt in seinem Elternbrief ein, dass sich die Kinder „natürlich auch entsprechend einer sicheren Beförderung zu verhalten haben“; die Zustände der zurückliegenden Wochen aber seien nicht mehr tragbar. Der Landkreis Osterholz als Auftraggeber und Finanzier des Busverkehrs müsse zum Schuljahr 2020/21 das Busunternehmen wechseln, drängt der Vater.

Folgt man den Darlegungen der Verwaltung, ist das eine überzogene Forderung. Grundsätzlich, so Verwaltungssprecherin Lindemann, sei dem Landkreis daran gelegen, dass die Busfahrten für alle Beteiligten stressfrei verlaufen und die Schüler gerne ihren Bus benutzen. Die Erfahrung zeige aber, dass Konflikte unter Schülern oder auch zwischen Schülern und Fahrern durchaus keine Seltenheit seien.

Kreis: Nehmen Hinweise ernst

Gerade aus diesem Grund nähmen der Landkreis und der von ihm mit der Aufgabenerfüllung beauftragte VBN-Zweckverband entsprechende Hinweise ernst; die Beteiligten arbeiteten gemeinsam daran, dass Vorfälle wie die aus Axstedt und umzu gar nicht erst passieren. Dazu gebe es auch einen regelmäßigen Austausch. „ZVBN, Landkreis und Busunternehmen stimmen darin überein, dass sich die Fahrer gegenüber ihren Fahrgästen respektvoll verhalten müssen, die Verkehrsregeln einhalten müssen und nur dann stark bremsen dürfen, wenn die Verkehrssituation es erfordert.“

Lindemann sagte, die Kreisverwaltung plädiere für einen offenen Dialog. Sollten die Anliegen aus Sicht der Mütter und Väter vom Busunternehmen nicht richtig aufgearbeitet werden oder sich die Vorwürfe häufen, könnten sich die Eltern an den Landkreis wenden. „Der Landkreis kümmert sich dann gemeinsam mit dem ZVBN um das Anliegen.“ Dabei sei es wichtig, dass der Vorfall konkret mit Buslinie und Uhrzeit benannt werde. Darüber hinaus werde die Kreisverwaltung nach den Weihnachtsferien noch einmal aktiv auf die Schule zugehen und anbieten, bei Bedarf einen weiteren Termin der Busschule zu organisieren.

Zum Betriebsstart im August 2017 hatte es in den ersten Wochen und Monaten massive Eltern-Beschwerden über viele Schulbuslinien gegeben. Zuletzt war es hingegen etwas ruhiger geworden. Die Landkreis-Konzession für die Weser-Ems-Bus GmbH, die ihrerseits stellenweise auch Subunternehmen einsetzt, läuft noch acht Jahre. Die Vertragsgestaltung gibt dem Aufgabenträger ZVBN theoretisch auch die Möglichkeit, Mängel im Schulbusbetrieb zu ahnden.

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