Konzert Arbeitskreis Muna feiert Jubiläum

Die Realisierung eines Buches war ursprünglich Grund für die Gründung des Arbeitskreises Muna Lübberstedt. Vergangenes Jahr wurde er 25 Jahre alt. Wegen Corona fand die Feier erst jetzt statt.
23.09.2022, 05:26
Lesedauer: 2 Min
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Arbeitskreis Muna feiert Jubiläum
Von Peter von Döllen

Axstedt/Bramstedt. Etwa 50 Menschen hatten sich vergangenen Sonnabend in der Kirche in Bramstedt getroffen, um gemeinsam zu musizieren oder andächtig den Klängen zu lauschen. Das Programm wechselte in Klangfarbe und Lautstärke zwischen Zuversicht und Glauben an die gute Wendung und Einfühlung in das schwere Dasein unter extremen Bedingungen. Es war auch ein Gedenken an düstere Ereignisse in der Vergangenheit. Anlass für das ungewöhnliche Konzert war das Jubiläum des Vereins Arbeitskreis Muna Lübberstedt im vergangenen Jahr. Wegen der Pandemie musste eine Feier ausfallen. Jetzt wurde das nachgeholt.

Im Zweiten Weltkrieg lag das Grauen direkt vor der Haustür der Lübberstedter und Axstedter. In einem Wald zwischen den Gemeinden unterhielt die Luftwaffe des Deutschen Reiches unter der Bezeichnung Lw.2/XI eine Lufthauptmunitionsanstalt (Muna). Unter anderem arbeiteten dort etwa 500 ungarische und polnische Jüdinnen, die im Konzentrationslager Auschwitz für den Einsatz selektiert wurden. Sie stellten unter menschenunwürdigen Verhältnissen Minen, Bomben und Granaten her. 

Lob für Gründungsmitglieder

Der Arbeitskreis Muna wurde 1996 gegründet, um die Ereignisse aufzuarbeiten und in einem Buch zu dokumentieren. Mit dabei waren Barbara Hillmann und Rüdiger Kahrs, die entscheidend am Verfassen des Buches beteiligt waren. Die Vorsitzende des Vereins, Karina Kögel-Renken, nahm die Gelegenheit wahr und ehrte die Gründungsmitglieder für ihre Arbeit. Sie hob auch die großen Verdienste des zweiten Vorsitzenden Hartmut Oberstech hervor, der aktuell die Führungen maßgeblich organisiert.

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Nach der Fertigstellung des Buches war die Arbeit des Arbeitskreises ein wenig zum Erliegen gekommen. Nach dem Abzug der Bundeswehr, die das Gelände bis 2008 genutzt hatte, ergaben sich neue Chancen. Unter anderem ergab sich die Möglichkeit zu Führungen über das Gelände. Hartmut Oberstech und sein Team vermitteln auf den Spaziergängen einen Eindruck und liefern Informationen zur Historie.

Der Arbeitskreis arbeitet zudem mit Schulen zusammen, hält Kontakt zu ehemaligen Insassen und Augenzeugen und organisiert Veranstaltungen. Es gibt auch Ideen, wie in der Zukunft mit dem "Erbe" umgegangen werden kann.

Konzert zum Jubiläum

Das Konzert schien dem Arbeitskreis eine angemessene Form für eine Jubiläumsveranstaltung. Den Kern bildete ein Projektchor, zu dem sich 18 Sängerinnen und Sänger – vom Schul- bis zum Rentenalter - zusammengefunden hatten. Innerhalb von acht Probestunden erarbeiteten Simon und Kathrin Bellett mit den Teilnehmern ein entsprechendes Programm, das mit viel Beifall bedacht wurde. Simon und Kathrin Bellett traten auch mit eigenen Songs auf, in denen um Freiheit und Frieden für die Welt gebeten wurde. 

Auch das Ensemble „Schöne Töne“, welches durch Simon Bellett am Klavier oder an der Orgel begleitet wurde, verzauberte das Publikum. Andrea Hennings und Iris Mester spielten Trompete, Petra Samko Violine. Das Konzert klang mit einem gemeinsamen „We Shall Overcome“ aus, und alle waren sich einig, dass sowohl die Freude an der Musik als auch das Gedenken an die Geschehnisse in der Muna unbedingt Bestand haben müssen.

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