Czech schließt Bäckerei Czech macht in Axstedt dicht

Seit 2005 war die Bäckerei ein Grundversorger der Gemeinde Axstedt. Jetzt muss er geschlossen werden. Die Umsatzerlöse konnten die Kosten nicht decken.
04.03.2019, 16:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Hambergen. Es kam unerwartet und kurzfristig: Zum 31. März schließt die Bäckerei Czech ihre Filiale in Axstedt. An sieben Tagen in der Woche war sie geöffnet, versorgte die Einwohner mit Brötchen, Brot, Kuchen und anderen Backwaren. In den Regalen lagen aber auch andere Lebensmittel, Getränke und mehr. Sogar eine Poststelle und eine Lotto-Annahmestelle hatte Czech in den Ort gebracht. Seit 2005 war die Bäckerei auf 250 Quadratmetern ein Grundversorger der Gemeinde. Dieser fällt nun weg und hinterlässt eine große Lücke. „Bis Hambergen gibt es keine Einkaufsmöglichkeit mehr“, bedauert Bürgermeister Udo Mester. Besonders für ältere Leute ist das keine gute Nachricht.

Der Inhaberin Ina Engelke ist der Schritt nicht leicht gefallen, wie sie sagt. Unter dem Strich habe sich der Standort nicht mehr gerechnet. Mehr noch: Der Laden in Axstedt belastete das Unternehmen insgesamt. Letztlich sei es auch um das Überleben der gesamten Bäckerei gegangen, die Engelke von ihrer Mutter übernommen hat. In Hambergen, am Hauptsitz, müsste zudem investiert werden. Deshalb hat sich die gelernte Bäckerin Hilfe geholt. Ein Finanzexperte ihrer Genossenschaft hat sich die Situation genau angesehen. „Hier in Hambergen läuft alles gut, es passt alles“, sagt Engelke, was der Wirtschaftsberater bestätigt habe. In Axstedt habe aber der Umsatz nicht ausgereicht, um die Kosten zu decken. Engelke zahlte fortwährend drauf.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Eine These wäre: Wer mobil ist, macht seine Einkäufe dann doch lieber im Supermarkt. Wie auch immer: Für Czech reichte der Zulauf offenbar nicht mehr aus. Der Aufwand für 250 Quadratmeter Ladenfläche und das nötige Personal müssen erst erwirtschaftet werden. Der Experte riet der Geschäftsfrau zu einem möglichst schnellen Schnitt. Ausschlaggebend für den Zeitpunkt waren dann die Verträge mit der Post und der Lottogesellschaft. Sie sind immer zum Ende eines Quartals kündbar und wären sonst bis zum Sommer gelaufen.

Mit dem Aus in Axstedt gingen auch Entlassungen einher. „Das war mit Tränen verbunden, auch bei mir“, berichtet Engelke. Die Bäckerei sei ein sehr familiäres Unternehmen, viele Mitarbeiter sind schon sehr lange dabei. „Manche haben mich schon als kleines Kind gekannt“, bemerkt Engelke. Zwei Mitarbeiter können in Rente gehen, eine arbeitet in Hambergen weiter. Je einer Angestellten in Axstedt und Hambergen musste Engelke kündigen.

In Axstedt schlug die Mitteilung ein wie eine Bombe. Wie es jetzt dort weitergehen soll, ist ungewiss. Bürgermeister Udo Mester würde die Lücke gerne so schnell wie möglich schließen. Es wird aber gar nicht so einfach sein. Die Gemeinde hat kaum Möglichkeiten, etwas auf direktem Wege zu machen. Sie kann nur die Rahmenbedingungen schaffen – und sich selber auf die Suche nach einem interessierten Anbieter machen.

„Wir haben unter anderem viele Bäckereien, einige Lebensmittelhändler und andere Geschäfte angeschrieben“, sagt Mester. „Wir sind für alles offen.“ Das gelte auch für die Eigentümerin des Gebäudes. Denkbar wären etwa Kombinationen verschiedener Geschäfte oder ein Schlachter, der auch Backwaren anbietet. Möglicherweise könnten einige Tage geschlossen bleiben, was sich vielleicht positiv auf die Kosten auswirken würde. Selbst ein Neubau wäre theoretisch machbar, wie Mester andeutet.

Ina Engelke sagt, sie könne sich durchaus vorstellen, dass ein anderes Konzept funktionieren könnte. „Ich wäre auch bereit, einen Ladenbesitzer mit Backwaren zu beliefern“, bietet sie an. Schließlich werde die Bäckerei Czech weiter auch andere Abnehmer in Axstedt anfahren. Die Axstedter würden sich freuen, wenn es keine oder nur eine möglichst kurze Lücke in der Nahversorgung gäbe. Sie betrifft laut Mester aber nicht nur die Gemeinde Axstedt selbst. Auch in den umliegenden Gemeinden Lübberstedt, Holste sowie den Ortschaften Lohe, Harrendorf und Albstedt gebe es keine Einkaufsmöglichkeiten für Dinge des täglichen Bedarfs.

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