Raisa hat Pläne Dicke Luft in Axstedt

Die Raisa-Genossenschaft will ihren Standort durch den Bau eines Flüssigdüngerlagers stärken. Bei einer Informationsveranstaltung machten einige Bürger klar, dass sie dagegen sind.
16.08.2019, 18:07
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Peter von Döllen

Axstedt. Axstedts Bürgermeister Udo Mester räumte ein: „Ich bin enttäuscht.“ Am Ende der mehr als zweieinhalbstündigen Informationsveranstaltung zu Plänen der Raisa, in Axstedt ein Lager für Flüssigdünger zu bauen, waren sichtlich viele der rund 100 Teilnehmer enttäuscht. Dazu gehörten auch Axstedter, die erfahren wollten, was die Genossenschaft genau vorhat und wie der weitere Weg des Verfahrens ist. Mehrfach hatten sie dazu aufgerufen, die Vertreter der Raisa aussprechen zu lassen. Vergeblich. Matthias Meyer, zuständig für IT und Entwicklung, und Ralf Ehlers, zuständig für den Bereich Pflanzenbau, wurden während ihrer Vorträge oft durch Zwischenrufe und Fragen unterbrochen. Die anwesenden Landwirte wollten angesichts der aggressiven Stimmung nichts sagen. Sie hätten erklären können, ob und warum sie den Flüssigdünger brauchen und welche Vorteile sie durch die Verwendung haben.

Udo Mester hatte zu Beginn erläutert, dass die Aufregung über das Thema zur Informationsveranstaltung geführt habe. „Entschieden ist noch nichts“, betonte er, was von einer Zuhörerin mit einem „Gott sei Dank“ quittiert wurde. Eine Gruppe lehnt das Vorhaben offensichtlich kategorisch ab und hatte vermutlich kein Interesse an einem Austausch von Informationen oder Argumenten. „Wir wollen das einfach nicht“, brachte eine Anwohnerin die Meinung vieler im Saal auf den Punkt.

Weitere Teilnehmer machten ihrem Ärger Luft und äußerten Ängste. „Wir wohnen 50 bis 100 Meter entfernt. Wir schauen dann auf einen stinkenden Betonring. Lassen Sie Axstedt nicht zur Klärgrube der Samtgemeinde werden“, lautete ein Zwischenruf. Ein anderer Teilnehmer erklärte: „Wir haben Angst vor dem Wertverlust unserer Häuser.“ Eine Anwohnerin zeigte sich entsetzt. „Wir haben Euch gewählt. Ihr müsst Euch um unser Wohl kümmern“, appellierte sie an die Ratsmitglieder. Da könnten jederzeit Dämpfe entweichen. Jeder Körper reagiere anders. „Wir können nicht mal mehr ein Fenster öffnen. Das stinkt wahrscheinlich. Wir wollen das nicht.“ Beifall bekam der Vorschlag, doch eine Bürgerbefragung zu machen. Einige der Zuhörer verließen schon vorab den Raum. „Das ist eine Werbeveranstaltung, kein Informationsabend. Die Raisa hat das schlecht vorbereitet“, meinte einer polternd.

Kritik gab es auch wegen der Informationspolitik von Raisa und Gemeinderat. Die Anwohner hätten schon vor der Ratssitzung Anfang Juli informiert werden sollen. Das parteilose Ratsmitglied Ingo Schwarzer hatte der Aufstellung eines Bebauungsplanes damals nicht zugestimmt und Bedenken geäußert. Jetzt sagte er: „Ich bin bestürzt, dass neun Ratsmitglieder das abgewunken haben. Die Bevölkerung will die Anlage offensichtlich nicht.“ Der Raisa empfahl er, das Lager woanders zu bauen.

Udo Mester erklärte, dass durch den Aufstellungsbeschluss noch keine Entscheidung gefallen sei. Vielmehr würden die Pläne in dem Verfahren jetzt eingehend geprüft. Alle Ämter und Institutionen könnten nun Stellung dazu nehmen und Bedenken aufgeben. Diese würden dann vom Planungsbüro abgewogen. Dann schließt sich eine Auslegungsfrist an. In dieser Zeit kann jeder die Pläne einsehen und etwas dazu sagen - auch die Axstedter Bürger. Die Eingaben werden dann wieder abgewogen. Ganz am Schluss müsse der Gemeinderat aus den vorliegenden Fakten einen Beschluss fassen. Das könnte mindestens neun Monate, vermutlich aber länger dauern.

Die Raisa müsste aber noch eine Baugenehmigung vom Landkreis bekommen. Die hatte sie ursprünglich im vergangenen Jahr bereits beantragt. Der Landkreis lehnte diese aber zunächst ab. Zwar ist das Gebiet im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen. Einen Bebauungsplan, der die Nutzung einer Fläche detaillierter regelt, fehlt aber. Diesen macht der Landkreis nun zur Voraussetzung.

In der Landwirtschaft werde immer mehr fester Dünger durch Flüssigdünger ersetzt. Dieser kann gezielter eingesetzt werden, erläuterte Ralf Ehlers. Dadurch könnte der Einsatz an mineralischem Dünger möglicherweise sogar reduziert werden. Im Gegensatz zu dem derzeitigen gekörnten Dünger entstehe beim Umschlag und der Nutzung von Flüssigdünger kein Staub. Die Raisa habe bereits mehrere solcher Läger gebaut und in Betrieb genommen. In Axstedt soll die Geschäftsstelle laut Meyer durch die Anpassung gestärkt werden.

Bei dem Flüssigdünger handelt es sich laut Ralf Ehlers um sogenannten AHL-Dünger. Hauptbestandteile sind Ammonium, Nitrat und Harnstoff, die in Wasser gelöst wurden. Der Dünger ist laut Raisa nicht brennbar, dünstet nicht übermäßig aus und stinkt nicht. „Er ist nicht als Gefahrgut eingestuft“, erklärte Ehlers. Er kann laut Sicherheitsblätter bei direktem Kontakt leichte Hautreizungen verursachen.

Allerdings ist der Dünger schädlich für Gewässer. Das verschweigt die Raisa auch nicht. AHL hat die niedrigste Gefährdungsstufe. Für die Lagerung und das Be- und Entladen würden aber entsprechende bauliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. „Der Betonbehälter wird mit zwei Folien ausgekleidet“, erläuterte Matthias Meyer. Zwischen ihnen wird ein Vakuum erzeugt, das von Fühlern überwacht wird. Eine Leckage der Folie würde schnell entdeckt und behoben. Die zweite Folie und im Notfall auch der Betonring würden dann immer noch den Boden abdichten. Die Abfüllanlage wird durch eine Wanne geschützt. Auslaufender Dünger kann hier wieder aufgenommen werden.

Eine Erhöhung des Verkehrs schließt die Raisa aus. Die Verwendung des Flüssigdüngers verringere den Verkauf von gekörntem Dünger. Das Lager hätte einen Durchmesser von 14 Meter und wäre vier bis fünf Meter hoch. Es könnte 1100 Tonnen fassen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+