Interview mit Osterholzer Kreisvorsitzenden

Eckehard Schütt: Keine Garantie für den Kreistag im Juli

Im großen INterview äußert sich der Vorsitzende des Osterholzer Kreisfußballverbands Eckehard Schütt zum Corona-bedingten Ausnahmezustand im Fußballverband Osterholz.
02.04.2020, 08:36
Lesedauer: 5 Min
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Von Thomas Müller
Eckehard Schütt: Keine Garantie für den Kreistag im Juli

Das Foto zeigt (von links) Eckehard Schütt, Helmut Schneeloch, Janis Krause, Gerd Pols, Michael Simon, Burkhard Wengorz und Christoph Gerstmann. FOTO: REINER TIENKEN

Reiner Tienken

Herr Schütt, wie machen sich bei Ihnen Entzugserscheinungen vom Fußball in Zeiten von Corona bemerkbar?

Eckehard Schütt: Da geht’s mir wie allen anderen auch. Man möchte auch gerne mal wieder ins Stadion zu einem Bundesliga-Spiel. Aber das ist zurzeit nicht möglich und verständlicherweise nicht möglich. Wir waren seinerzeit einer der ersten Kreisverbände, die auch die Hallenturniere der Kinder abgesagt haben. Es gibt ja auch den Vorschlag, an der Konsole Fußball zu spielen. Meine Enkelkinder lassen mich ab und zu mal mitspielen. Aber ich weiß, dass ich dort keine Chance habe. Das ist für mich kein Ersatz (lacht). Wir müssen uns in Geduld fassen. Ich wohne ja draußen auf dem Lande mit etwas mehr Bewegungsfreiheit als in der Stadt. Von daher freut sich meine Frau, dass ich mich jetzt mehr dem Garten widme.

Bekommen Sie denn viele Anrufe von Funktionärskollegen, Trainern oder Spielern, die Sie dann fragen: Was sollen wir machen?

So viele sind das eigentlich nicht. Alle Vereine sind informiert. Die Gedanken gehen natürlich weiter, erst haben wir ja nur bis Ostern gedacht. Aber nach den letzten Meldungen glaube ich nicht, dass wir Ostern das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Meine große Sorge ist: Können wir das Spieljahr zu Ende führen? Satzungsrechtlich muss das Spieljahr am 30. Juni beendet sein.

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Wenn man das ändern will, muss man erst mal die Satzung ändern. Wir haben ja schon viele Spielzeiten gehabt, als wir aufgrund der Witterungslage im März gar nicht spielen konnten. Aber eine Saison, die im April oder Mai aus zwei oder drei Spieltagen in der Woche besteht, ist in meinen Augen auch keine faire Entscheidung. Fällt zum Beispiel im Altherrenbereich ein Spieler aus, dann kann er wahrscheinlich die Hälfte der Rückserie nicht mitspielen.

Wie tauschen Sie sich mit anderen Verbänden aus?

Wir haben eine telefonische Hotline zum NFV, weil ich dort ja auch noch Aufgaben habe. Im Bezirk haben wir es geschafft, eine Video-Konferenz einzurichten. Alle 14 Tage und immer dann, wenn es zum Beispiel von der DFL Maßnahmen gegeben hat, die nach unten Bedeutung haben. Aber es ist ja überall das Gleiche: Wir müssen warten. Da kann man noch so viel ins Glas gucken: Es wird nicht besser.

Mit Ihrem Spielausschussobmann Ralf Müller, der die meiste Arbeit hat, werden Sie sicher auch oft beratschlagen, wie es weitergehen soll, oder?

Der Spielausschuss hat natürlich die meiste Arbeit. Aber die hat er ja auch, wenn es zum Beispiel Spielabsagen wegen schlechten Wetters gibt. Das ist heute nicht mehr das große Problem. Unsere Vorplanung geht jetzt bis Ostern, dann sind wir also in der zweiten April-Hälfte. Dann beginnen die Beratungen. Ich glaube nicht, dass wir vor Mai eine Entscheidung haben. Dann wird es knapp.

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Wie wollen wir die Runde zu Ende spielen? Wir können sicherlich noch in den Juni gehen. Aber satzungsrechtlich ist nun mal der 30. Juni Stichtag. Und man darf nicht vergessen: Es wollen Vereine aufsteigen in die Bezirksliga, Landesliga, Oberliga. Die wollen Planungssicherheit haben, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Auch am Platz zum Beispiel.

Welches ist denn Ihr ganz persönlicher Favorit, um diese Saison zu beenden?

Ich muss ganz ehrlich sagen, bei allen schon diskutierten Formen habe ich keine einzige Form gefunden, von der ich sagen kann, dass ich mich mit der einverstanden erklären kann. Wenn ich die Lage in Italien und Spanien sehe, weiß ich, dass sich in diesem Sommer gar nichts tut. Sollte uns das in irgendeiner Form auch noch treffen – was ja keiner weiß –, oder wenn die von Experten für möglich gehaltene zweite Corona-Welle kommen sollte, dann weiß ich noch gar nicht, was wir mit dem Fußball machen können.

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Mein Gedanke ist, erst mal die Saison abzuschließen. Aber wie? Ich habe kein Patentrezept. Jetzt in Turnierform zu Ende zu spielen oder alle drei Tage zu spielen, ich sagte es bereits, halte ich für keine gute Lösung. Wer den Altherrenbereich kennt, weiß, dass dort eine Verletzung leicht zwischen drei und vier Wochen dauert ...

... und bei Abendspielen gibt es den Konflikt mit der Arbeitszeit ...

... genau. Das können die meisten doch gar nicht bewältigen. Das wäre keine gerechte Lösung. Und wo wir gerade miteinander reden: Wir haben den Kreistag eigentlich im Juli geplant. Ich habe das Datum aber noch nirgendwo reingeschrieben. Ich kann noch nicht versprechen, dass wir im Juli in irgendeiner Form zu unserem Kreistag kommen.

Sind für den Kreistag auch Vorstandswahlen geplant?

Ja, der Vorstand müsste neu gewählt werden. Aber wann, weiß ich noch nicht.

Wenn es im Juli nicht klappt, arbeitet der Vorstand dann kommissarisch weiter?

Wir könnten den Kreistag sogar ans Jahresende legen. Da haben wir noch ein bisschen Zeit. Per Umfrage müssten wir mit den Vereinen klären, ob der jetzige Vorstand kommissarisch im Amt bleiben soll.

Und was ist mit anderen Sitzungen? Finden da noch welche statt?

Nein. Wir müssten ja in einer Gaststätte oder einem Vereinsheim tagen – beides geht nicht. Ich werde versuchen, ob wir über Videokonferenz etwas hinbekommen und uns noch mal austauschen im Kreisvorstand. Es ruht ja auch das Ausbildungsgeschäft, die Qualifizierung.

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Die Schiedsrichter sind gerade mit der Prüfung fertig, und eigentlich müsste die weitere Umsetzung erfolgen, also dass sie auf die Sportplätze kommen. Aber das geht nicht. Da muss man sagen: Nein, im Moment hat die Gesundheit Vorrang. Wenn ich an die Olympischen Spiele denke, ich als Verband hätte dort auch niemanden hingeschickt, wenn es in meiner Verantwortung stehen würde.

Welche Spätfolgen muss man befürchten vor allem für die Vereine, wenn jetzt das ganze Sportprogramm ausfällt? Jugendliche schalten ja gerne mal schnell um und bleiben dem Fußball fern – oder spielen E-Soccer.

Für mich die schönste Nebensache der Welt, hätte ich fast gesagt. Nein, ich halte nur was von Fußball an der frischen Luft. Für mich ist E-Sport eine zusätzliche Einheit. Es hat ja eine heiß umkämpfte Meisterschaft gegeben auf Kreisebene und anschließend auch auf Verbandsebene. Okay. Das habe ich so zu akzeptieren. Meine Welt ist das aber nicht unbedingt.

Dass Sportler komplett ihren Vereinen verloren gehen – das ist nicht zu befürchten, oder?

Das glaube ich weniger. Man hat es eigentlich mehr so gesehen, dass man Leute wieder zurück ins Vereinsleben holen kann. Das mag in dem einen oder anderen Fall ja durchaus eingetreten sein.

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Wir haben heute das Problem, dass wir diesen leistungsbezogenen Fußball spielen wollen und der Amateurbereich – zumindest was die Jugend oder jüngere männliche Jugend angeht – etwas ins Hintertreffen gerät. Die brauchen wir aber.

Wenn der Spielbetrieb jetzt längere Zeit ruht – könnte das in irgendeiner Form existenzbedrohend für Vereine werden?

Die Vereine und die Sportstätten bei uns im Kreis sind sicherlich in irgendeiner Form abgesichert. Es gibt viele Vereine, die auch kommunal gestützt werden. Das wird sich im Amateurbereich zurechtruckeln. Es wird nicht ganz so einfach sein, weil es ja auch Beschäftigte gibt. Wer soll die bezahlen, wenn die Einnahmen fehlen. Es sind aber schon Schreiben vom Landessportbund rausgegangen, wie man etwa an Überbrückungsgeld kommt.

Das Interview führte Thomas Müller.

Info

Zur Person

Eckehard Schütt

steht dem Kreisfußballverband Osterholz seit 19 Jahren vor. Der 70-jährige pensionierte Polizeibeamte ist darüber hinaus Bürgermeister der Gemeinde Holste in der Samtgemeinde Hambergen.

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