Schussverletzung und Vergiftungen

Angriffe auf Katzen in Grasberg

Im Grasberger Wohngebiet rund um den Rutenbarg leben Katzen gefährlich. Zwei Tiere wurden jüngst vergiftet, eines obendrein angeschossen. Der Tierschutzverein rät Anwohnern, auf ihre Katzen aufzupassen.
20.02.2020, 22:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader
Angriffe auf Katzen in Grasberg

Patricia Zenker mit Katze Elli. Das Tier wurde mit einem Gemisch aus Rattengift und Phosphorsäure vergiftet.

Carmen Jaspersen

Freigängerkatzen und ihre Menschen leben mit einem latenten Risiko. Kämpfe und Unfälle auf Straßen können den Fellnasen zusetzen oder sie gar das Leben kosten. Es gibt noch eine Steigerung. „So was ist der Horror“, sagt Patricia Zenker über das, was ihrer Familie mit den beiden Katzendamen Shorny und Elli in den vergangenen Tagen widerfahren ist: Ein Tier wurde vergiftet, das zweite wurde vergiftet und angeschossen. Der von der Familie informierte Tierschutzverein Lilienthal, Worpswede, Grasberg warnt auf seiner Internetseite: „Allen Tierbesitzern in der Gegend raten wir dazu, sehr gut auf ihre Schützlinge zu achten.“

Shorny und Elli sind zwei fünf Jahre alte Katzendamen. Die dritte Katze der Familie war im vergangenen Jahr „ein Opfer der Landstraße geworden“, erzählt Patricia Zenker auf Nachfrage der WÜMME-ZEITUNG. Als Shorny am vergangenen Donnerstag verletzt über die Wiese einer Nachbarin kroch und dort liegen blieb, glaubten die Frauen zunächst wieder an einen Unfall. Shorny hatte Glück, eigentlich wollten beide längst weggefahren sein.

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So aber sah die Nachbarin das verletzte Tier und Zenker konnte die Katze sofort zur Tierarztpraxis nach Lilienthal bringen. „Ich habe gedacht, die stirbt jeden Moment“, erzählt Zenker über die bangen und tränenreichen Minuten mit dem zitternden und fast bewegungslosen Tier. Der Verdacht aufgrund der Symptome: Schädel-Hirn-Trauma.

Projektile in der Brust

Shorny wurde geröntgt und danach sei die Ärztin „ein wenig verdattert“ mit dem Bild wiedergekommen. Sie sehe keine Knochenbrüche, aber es könnten Projektile in der Brust stecken. Eine zweite Röntgenaufnahme brachte Gewissheit: In Shornys Brust steckten zwei Projektile. Die Katze blieb in der Praxis, wurde entsprechend behandelt, nur verschlechterte sich ihr Zustand trotzdem weiter, erzählt Patricia Zenker.

Kurze Zeit später kam ihre sechsjährige Tochter früher als üblich aus der Kita nach Hause und fand Elli zitternd und mit Muskelzuckungen vor ihrem Zimmer. Das Tier habe weder aufstehen noch sich bemerkbar machen können, so Zenker. Sie setzte Elli in den Transportkorb und fuhr ein zweites Mal an diesem Tag nach Lilienthal zum Tierarzt. Erst dieser zweite Fall weckte den Verdacht auf Vergiftung und Blutproben bestätigten: Beide Katzen seien mit einem Gemisch aus Rattengift und Phosphorsäure vergiftet worden. Sie mussten über Nacht in der Praxis bleiben, jene Nacht, die über das Leben der Tiere entscheiden sollte. Zenker erinnert sich: „Es war fürchterlich.“

Am nächsten Nachmittag durfte Elli wieder nach Hause. Sie hatte schon wieder kräftig gefressen. Shorny rang im künstlichen Koma noch immer um ihr Leben. Mit Erfolg. Am darauf folgenden Morgen durfte auch sie nach Hause und wird da nun aufgepäppelt. In kurzer Zeit habe sie viele Gewicht verloren. Mindestens drei Wochen noch müssen Shorny und Elli Adropin zur Entgiftung nehmen, so Zenker. Was bei ihren Menschen zurückbleibt, ist ein Wirbel aus Gefühlen.

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Die Tochter schlafe seither schlecht und habe Angst. Ihr Mann sei einfach nur wütend, dass jemand so etwas mache, sagt Zenker. Sie habe sich verzweifelt und machtlos gefühlt und der Gedanke bleibt: „Jetzt ist jemand in der Nachbarschaft und hat uns und den Kindern das Liebste wegnehmen wollen.“ Sie benutzt das Wort Nachbarschaft, denn: „Jemand Fremdes mit einem Luftgewehr wäre aufgefallen.“ Die Familie habe Anzeige bei der Polizei erstattet.

Das Wohngebiet um den Rutenbarg rückt damit zum zweiten Mal auch in den Fokus des Tierschutzvereins Lilienthal, Worpswede, Grasberg. 2014 habe es ähnliche Fälle gegeben, sagt Kathrin Schoof vom zugehörigen Katzenhaus Lilienthal. Auch damals waren Katzen verschwunden und rund 30 halbwilde Katzen hatte der Tierschutzverein mit Unterstützung der Anwohner seinerzeit kastriert und gechippt.

Vergiftet und mit einem Luftgewehr angeschossen

Nun warnt der Tierschutzverein auf seiner Internetseite: „Achtung, Katzen in Grasberg vergiftet“ und verurteilt „diese feige Tat aufs Schärfste“. Auch er berichtet, dass die beiden Katzen vergiftet und eine davon „vermutlich mit einem Luftgewehr“ angeschossen wurde. Und: „Die Projektile wurden zudem vom Tierarzt sichergestellt.“ Kathrin Schoof vom Lilienthaler Katzenhaus sagt: „Wir können nur warnen.“ Eine mögliche Vergiftung sei an motorischen Störungen erkennbar.

Wie oft in der Region Katzen vergiftet würden, vermag Schoof nicht sagen. Nicht alle Fälle werden demnach dem Tierschutzverein gemeldet. Es sei durchaus auch möglich, dass eine Katze einmal Rattengift fresse. Was aber eher ein Einzelfall bleibe. Über den Giftcocktail von Shorny und Elli sagt Kathrin Schoof: „Hier können wir von Vorsatz ausgehen.“ Sie habe daher der betroffenen Familie geraten, sich an die Polizei zu wenden.

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Die Pressesprecherin der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, Sarah Humbach, teilt auf Nachfrage der WÜMME-ZEITUNG mit: „Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und ein Strafverfahren wurde eingeleitet.“ Zunächst gegen unbekannt, da es bisher keine Hinweise auf einen Täter oder eine Täterin gebe.

Wer als Zeuge etwas zu dem Fall beitragen kann, wird gebeten, sich unter der Nummer 04208/1222 bei der Polizeistation Grasberg zu melden. Gleiches gelte, wenn weitere Katzen betroffen seien.

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