Kreisel in Grasberg

Baustart an prominenter Stelle

Baustart für das erste von zwei Wohn- und Gewerbehäusern mit insgesamt elf Mietwohnungen am Wörpedorfer Kreisverkehr in Grasberg. Die Fertigstellung ist für Anfang 2021 geplant.
10.09.2019, 08:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader
Baustart an prominenter Stelle

Das neue Gesicht der Speckmannstraße 2 - dafür schieben seit Ende August Bagger Sand in der Baugrube am Wörpedorfer Kreisel. Das Wohn- und Geschäftshaus soll Anfang 2021 fertig sein.

HWB Architekten und Ingenieure

Am Wörpedorfer Kreisel tut sich was. Seit Ende August wächst das erste Haus des Bauprojektes Mühlenhof. Noch fehlt zwar jeglicher Hinweis darauf, was da entsteht. Bald aber soll sich das ändern. Banner am Bauzaun sollen dann die Bilder zweier Wohn- und Geschäftshäuser an Grasbergs prominenter Stelle zeigen, der Hausnummern 2 und 4 der Speckmannstraße.

Lange und mit Bedacht plante Bauherr Hermann Gieschen gemeinsam mit Sohn Detlef das „Projekt Mühlenhof“. Nach eigenen Angaben wollten sie der guten Lage gerecht werden und „an einem viel befahrenen Ort einen lebenswerten Raum mit sauberer Luft, Lichtzugang und Schallschutz“ schaffen, so Detlef Gieschen. Eines der beiden Häuser nimmt die runde Form des Kreisverkehrs wieder auf, hinter einem Halbrund aus bodentiefen Glasfenstern können künftig Bäckereibesucher Kaffee, Kuchen und mehr verzehren.

Anfrage gab den Anstoß

„Wir können das jetzt wachsen sehen“, sagt Hermann Gieschen. Durch sein Wohnzimmerfenster blickt man direkt auf das ehemalige Mühlengrundstück. 2000 Quadratmeter groß befindet sich die Fläche seit 1904 in Familienbesitz. 1999 brannte die Mühle ab, 2011 wurde das noch ansässige Mischfutterwerk abgerissen. Da war Hermann Gieschen längst klar, dass auf dem Grundstück etwas geschehen solle. Lange Zeit jedoch habe er aber nicht gewusst was. Den Anstoß zum nun begonnenen Projekt habe die Anfrage einer Bäckerei gegeben. 2017 kaufte Gieschen weitere 1400 Quadratmeter des ehemaligen Grobbaugrundstücks. Diese ermöglichten eine bessere verkehrsmäßige Erschließung der Grundstücke auf dem ehemaligen Mühlengelände. Der Grasberger Bauunternehmer Edgar Jagels baut dort bereits seit über einem Jahr.

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Nun der Baustart bei den Gieschens. Der verlief allerdings anders, als der Bauherr es sich vorgestellt hatte. Trotz Bodengutachten im Mühlenabrissjahr 2011 und weiterer zwölf Bodenprüfungen im vergangenen Jahr erwies sich der Aushub als mit „mineralölbürtigen Kohlenwasserstoffen“, kurz MKW, belastet, so Detlef Gieschen. Er vermutet, dass im Laufe der 100-jährigen Industriegeschichte des Standorts Diesel oder Benzin ausgelaufen sein könnte und schon kleinste Mengen genügen demnach, um in der Bodenprobe aufzutauchen.

Der Fund sei ordnungsgemäß der Gemeinde und dem Landkreis gemeldet worden und gemeinsam mit einem Gutachter habe man ein Sanierungskonzept entwickelt. Der Aushub inklusive Bauschutt, mit dem diese Stelle 2011 verfüllt worden sei, lagert derzeit auf und unter Folie neben der Baugrube. Die Entsorgung erfolge durch den Tiefbauer. Detlef Gischen rechnet damit in zwei bis drei Wochen. Außer finanziellem Mehraufwand wirke sich der belastete Boden nicht auf den Bau aus.

Geplant hat den Komplex das Ritterhuder Büro „HWB Architekten und Ingenieure“. Auch bei der Ausführung setze Hermann Gieschen auf Unternehmen, die mit der Region vertraut seien. Die Aufträge für Tiefbau und Hochbau gingen an die Firma Gottfried Stehnke aus Osterholz-Scharmbeck. Der haustechnische Bereich wird von der Firma KSP aus Achim begleitet.

Der Vertrag mit dem Bäcker steht, auf der Illustration des Wohn- und Geschäftshauses ist bereits das rote Logo der Bäckerei Rolf aus Ritterhude zu sehen. Detlef Gieschen sagt: „Einen Notstand an Bäckern haben wir ja nicht in Grasberg.“ Einen Bäcker mit Café, dass 30 bis 40 Plätze böte, aber auch nicht. „Das ist für mich zu rechtfertigen, weil sie mehr Plätze mitbringen, als die anderen haben.“

2021 soll alles fertig sein

Beide Häuser sollen laut Plan Anfang 2021 fertig sein. Die Gieschens haben sich für eine sandfarbige Klinkerfassade entschieden. „Das wirkt relativ leicht“, so Detlef Gieschen. Er habe sich Häuser in der Überseestadt angeschaut und festgestellt, dass dunkler Klinker erdrückend wirken könne. Wuchtig sollte es aber gerade nicht werden bei diesem Bauprojekt an Kreisel und Speckmannstraße. Darum wurden auch aus einem anfangs lang gestreckten Haus zwei einzelne Häuser mit einer Privatstraße und zugehörigen Parkplätzen dazwischen. Die Speckmannstraße 2 liegt direkt am Kreisel und wird 10,65 Meter hoch, die Speckmannstraße 4 wird ebenfalls dreigeschossig und 9,65 Meter hoch.

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Beide Häuser bieten barrierefreien Wohnraum auf Flächen zwischen 66 und 126 Quadratmeter. „Wir bauen so, als wenn wir da selber drin wohnen würden“, sagt Detlef Gieschen. Die Preise stünden noch nicht fest. „Wir haben uns noch nicht endgültig entschieden“, so der Bauherr, „wir werden aber kein abgehobenes Preisniveau abrufen.“ Außerdem vergehen bis zur Fertigstellung 2021 noch fast zwei Jahre. Die Nachfrage nach Mietwohnungen im Grasberger Zentrum ist offenbar da. „Alle Augenblicke melden sich welche“, erzählt Hermann Gieschen.

Die Gemeinde freue sich, dass es nach langer Brache auf dem Gelände der ehemaligen Mühle weitergeht, kommentiert Stefan Ritthaler auf Nachfrage. Der Verwaltungsvertreter der Bürgermeisterin sagt über das „Projekt Mühlenhof“: „Das passt dahin in seiner Größe und Gestaltung.“ Das neue Bistro der Bäckerei könne er sich als „netten Treffpunkt“ vorstellen. Das Projekt bringe Grasberg voran und im Vorfeld habe es diesbezüglich zwischen Gemeinde und Bauherren regelmäßige Gespräche und Abstimmungen gegeben.

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