Kommentar

Beeindruckend

Die Grasberger haben ein bemerkenswertes Signal gegen die Pläne der Deutschen Erdöl AG gesetzt, in der Gegend nach Erdgas suchen zu wollen. Allerdings wird das nicht reichen, kommentiert André Fesser.
03.11.2018, 06:03
Lesedauer: 1 Min
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Beeindruckend
Von André Fesser

In Grasberg hat sich der Widerstand formiert. Schon beeindruckend, wie viele Menschen sich am Montag in den Grasberger Hof begaben, um sich über die geplanten Erdgasmessungen in ihrer Heimat zu informieren. Einer will sogar 800 Teilnehmer gezählt haben. Und auch wenn es weniger waren – das Gedränge im Gasthof ist Ausdruck der Sorge, die die Menschen seit Wochen umtreibt. Ihnen fehlt das Vertrauen, dass die Pläne der Deutschen Erdöl AG schon ihre Richtigkeit haben und dass das Unternehmen auch behutsam mit der Heimat und dem Eigentum der Menschen umgehen wird.

Beeindruckend auch das Tempo, mit dem sich die Grasberger seit Bekanntwerden des Vorhabens zusammenrotteten, um zu beraten, was man dagegen tun kann. Die Gründung einer Bürgerinitiative steht unmittelbar bevor, die engagierten Bürger haben schon zwei Infoveranstaltungen angeboten und sich zu mehreren Vernetzungsabenden getroffen. Auch die Expertise aus den Nachbarkreisen Verden und Rotenburg haben sie sich gesichert. Dort hat man mit der Erdgasförderung schließlich schon ein paar Jahre mehr Erfahrung und weiß, wie man streiten muss.

Dass Grasberg annähernd geschlossen gegen das Messvorhaben steht, drückt sich auch in der Politik aus. Rat und Rathaus lehnen die Pläne ab, in der Sitzung am Donnerstag wurden in dieser Hinsicht erste Entscheidungen getroffen. Allerdings dürfte es manchem Bürger Unbehagen bereiten, dass die Ablehnung der Nutzung der Gemeindestraßen mit dem schlechten Zustand der Straßenanlagen begründet wird. Ein schwaches Argument, zumal die Dea schon durchblicken ließ, dass sie mit ihren wuchtigen Messfahrzeugen im Notfall auch auf andere Wege ausweichen könnte. Und sollte es nicht in diesem Winter klappen, fährt und misst sie eben im kommenden Herbst.

So können sich die Widerständler in der Region darauf einstellen, einen langen Weg gehen zu müssen. Die Dea hat Erfahrung mit derartigen Auseinandersetzungen und in gewisser Weise auch den Staat an ihrer Seite, der ein Interesse an der Rohstoffgewinnung und den damit verbundenen Einnahmen hat. Es geht um Millionen.

Für die Grasberger und die Menschen in den anderen Gemeinden wiederum geht es um die Heimat. Ein guter Grund, um Zeit und Kraft zu investieren.

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