Ehrenamtliche Busfahrer im Einsatz Der Bürgerbus rollt weiter

Der Bürgerbus Grasberg/Worpswede verzeichnet coronabedingt 70 Prozent weniger Fahrgäste, die Verantwortlichen hoffen, dass es 2021 wieder besser wird.
12.12.2020, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Undine Mader

Grasberg. Drei Monate hat der Bürgerbus Grasberg/Worpswede in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie pausiert. Seit Mitte Juni rollt er wieder und soll es auch in den kommenden Monaten tun, mit Hygienekonzept und abgespecktem Fahrplan. Das macht sich in den Fahrgastzahlen bemerkbar. Statt der üblichen etwa 10 000 Fahrgäste werden es im Jahr 2020 nur an die 3700 sein. „Das sind 70 Prozent Einbußen“, sagt der Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins, Harald Zielinski. Aber er gibt sich optimistisch, dass das Grasberg-Worpsweder Vorzeigemodell in Sachen Mobilität in den kommenden Jahren wieder an die alten Zahlen anknüpfen kann. Überwiegend Schüler und Senioren aus den Außenbereichen nutzen den Bus für bis zu acht Fahrgästen. Etwa 70 Prozent von ihnen sind Stammkunden, so Zielinski.

Über 60 Bürgerbusse rollen auf niedersächsischen Straßen. Allein rund 100 000 Kilometer pro Jahr legen die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer mit dem Bürgerbus Grasberg/Worpswede zurück, 300 Kilometer am Tag, aufgeteilt auf vier Touren. Sie verbinden abseits der großen Buslinien die Außenbereiche der Gemeinden Grasberg und Worpswede mit den Ortskernen und beide Orte miteinander. Egal ob Arzttermin oder Kaffeetreff mit den Freundinnen, der Bürgerbus solle jenen, „die nicht beweglich sind“ und nicht oder nicht mehr Auto fahren, diese Dinge ermöglichen, sagt Zielinskis Stellvertreter Wolfgang Voßgröne. Ausgestattet ist der Bus indes für alle Arten Fahrgäste, von der Kindersitzschale für Babys bis zur ausklappbaren Rampe für Rollstühle.

Coronabedingt wurde der Fahrplan um ein Drittel gekürzt, so Voßgröne. Und so gehe es auch nach dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember weiter. Um diese vier Touren im Zwei-Stunden-Takt zu gewährleisten braucht er zehn Fahrerinnen und Fahrer pro Woche. Eine Schicht dauert vier Stunden. Auf 500 000 Kilometer hatten sie es mit dem alten Bus in den vergangenen fünf Jahren gebracht. Seit September sitzen sie in einem neuen Flitzer, virengeschützt hinter einer Plexiglasscheibe und wie in großen Bussen gilt auch hier Maskenpflicht. Die Frauen und Männer zählen allesamt zur Risikogruppe, ihr Altersdurchschnitt liege bei rund 70 Jahren, so Voßgröne. Die jüngsten seien 60 Jahre alt. Verstärkung im Team werde immer gebraucht, betonen beide. Und schwer sei es auch nicht, den Bürgerbus zu fahren. „Das ist wie PKW“, sagt Zielinski, „man sitzt nur höher.“ Den notwendigen Personenbeförderungsschein bezahlt der Verein. Wer sich im Bürgerbus Grasberg/Worpswede hinters Lenkrad setzen will, kann sich bei Harald Zielinski (04208/ 16 29) oder Wolfgang Voßgröne (04208/ 35 30) melden.

Derzeit zählt der Verein 25 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer und sie eint die Freude am Busfahren, der Kontakt zu Menschen und diesen Mobilität zu ermöglichen. „Nur Haus und Garten ist nichts“, sagt sich Wolfgang Voßgröne. Mit Beginn seines Ruhestandes wurde er ehrenamtlicher Busfahrer sowie Strecken-, Personal- und Tourenplaner des Vereins. Der Vorsitzende Harald Zielinski gönnte sich ein Jahr Pause nach dem Berufsleben, danach zog es auch ihn zurück unter Menschen. Nicht nur zu den Fahrgästen. „Wir sind ein nettes Team“, sagt Voßgröne. Einmal im Monat treffen sie sich zu Fahrerbesprechungen, sie grillen gemeinsam, gehen Kaffeetrinken oder Grünkohl essen.

In diesem Jahr ist alles anders. Der gemeinsame Ausflug nach Helgoland zum 10-jährigen Vereinsgeburtstag ist coronabedingt ausgefallen, genauso wie die Schulung im neuen Bus. Telefon und E-Mail ersetzen nun die Treffen. Zielinski und Voßgröne telefonieren oft wegen des Bürgerbusses. „Nur Sonntag ist frei“, lacht Harald Zielinski. Und zu bereden haben sie viel. Beispielsweise die Fahrplanänderung auf der Linie 616 ab 13. Dezember. Künftig fährt der Bus fünf Minuten später am Wörpedorfer Kreisel und allen Folgehaltestellen ab. Auf diese Weise sei der Anschluss für die Schüler, die mit dem Bus aus Tarmstedt kommen, entspannter.

Je 8500 Euro zahlen die Gemeinden Grasberg und Worpswede pro Jahr für den Bürgerbus. Die Kosten deckt das nicht, rechnet Zielinski vor. Alleine 12 000 Euro werden für Diesel ausgegeben, dazu Versicherungen, der Beitrag zur Berufsgenossenschaft, Geld für Reparaturen, Reifen, Inspektionen: „Wir brauchen rund 25 000 Euro im Jahr, um den Bus bewegen zu können.“ Gemäß Tarif der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) kostet eine Fahrt mit dem Bürgerbus 2,20 Euro. Davon lasse sich nicht einmal der Diesel annähernd bezahlen. Zielinski sagt: „Wir brauchen Sponsoren.“ Zwei sind auf den Seiten des neuen Busses präsent: die Osterholzer Stadtwerke und die Volksbanken Osterholz und Worpswede. Hinzu kommen rund 30 „kleinere Sponsoren“, wie ein Ehepaar aus Hüttenbusch. Als Voßgröne dessen Umschlag öffnet lugt neben der Weihnachtskarte die Ecke eines 50-Euro-Scheines heraus.

Weil der Bürgerbus ein offizieller Bus ist, darf er keine Tour ausfallen lassen. Die Leerfahrten – seit der Pandemie mehr – nehmen Zielinski und Voßgröne lieber in Kauf als die Mobilitätskonzepte anderer Gemeinden, wo beispielsweise Bürgerbusse als Ruftaxi fahren. „Das ist eine Koordination, die ich nicht machen wollte“, sagt Voßgröne.

Info

Zur Sache

Ab 13. Dezember:

Die Linie 612 startet an der Kreuzung Grasberg montags bis freitags jeweils um 9.30, 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr und fährt von da über Seehausen, Tüschendorf und Adolphsdorf nach Worpswede und von da bis nach Hüttenbusch - Fünfhausen 52. Dort geht es um 10.12, 12.12, 14.12 und 16.12 Uhr wieder zurück in Richtung Grasberg. Die Linie 616 fährt an der Kreuzung Grasberg montags bis freitags jeweils 9.10, 11.10, 15.10 und 17.10 Uhr in Richtung Rautendorf ab. Der vollständige Fahrplan ist unter www.bürgerbus-grasberg-worpswede.de zu finden.

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