Findorff-Geburtstag Ein Festjahr für den Moorkolonisator

Anlässlich des 300. Geburtstags von Jürgen Christian Findorff wird 2020 zwischen Hamme, Wümme und Oste gefeiert – Auftakt war jetzt auf dem Findorffhof in Grasberg.
02.02.2020, 05:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Undine Mader

Grasberg. Ein Jahr nach seinem Tod wurde Jürgen Christian Findorff (1720-1792) erstmals „Vater aller Moorbauern“ genannt. Und es gibt wohl wenige Menschen, die einen Landstrich derart prägten, wie es der Sohn eines Tischlers in den Niederungen von Hamme, Wümme und Oste getan hat. Am 22. Februar jährt sich dessen Geburtstag zum 300. Mal. Ein Anlass, das Findorffjahr 2020 auszurufen und mit vielerlei Veranstaltungen zu begehen. Zum Auftakt kamen auf dem Grasberger Findorffhof Initiatoren, Beteiligte und Sponsoren zusammen. Sie würdigten den Moorkommissar, stellten das Programm zum Findorffjahr vor, die Neuauflage eines Findorff-Buches sowie ein Moorprojekt für Kinder.

Etwa 14 000 Morgen Moorland wurden während der Moorkolonisation im 18. Jahrhundert in der Region kultiviert. 46 Dörfer wurden neu gegründet, zwölf bestehende durch Moorland komplettiert, und es entstanden 1116 Siedlerstellen. Der Planer und Motor dahinter: Jürgen Christian Findorff. Orte wie Eickedorf, Rautendorf, Mooringen oder Mevenstedt gehen auf den in Lauenburg geborenen Tischlermeister und späteren Moorkommissar zurück. Schulen, Straßen und ein Bremer Stadtteil tragen seinen Namen.

Über Kreisgrenzen hinweg

All die Menschen, die Findorff ehren wollen, hat der Vorsitzende des Iselersheimer Heimatvereins, Hermann Röttjer, zusammengebracht und auf dem Findorffhof begrüßt. Röttjer lebt in dem Ort, in dem Findorff beerdigt wurde. 2017 mobilisierte er einen Kreis von Interessierten, die das vorgelegte Programm zum Festjahr entwickelten.

Über Kreisgrenzen hinweg wird vorbereitet und gefeiert in den Landkreisen Osterholz, Verden und Rotenburg. Die Schirmherrschaft hat dafür der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil übernommen. In seinem Grußwort schreibt er, dass auch nach 300 Jahren noch das Leben und historische Wirken Jürgen Christian Findorffs in seinen Bann ziehe. Hermann Röttjer kündigte Weils Besuch für die Hauptveranstaltung zum Findorff-Jahr in Worpswede an.

Schon am 22. Februar wird in Bremervörde-Iselersheim mit einer Andacht in der Findorff-Kirche, einer Gedenkminute am Grab sowie einem Festprogramm Findorffs 300. Geburtstag begangen. In den Folgemonaten wird der Moorkommissar, der ein Tausendsassa gewesen sei und „in einer Person viele Berufe vereint hat“, so Röttjer, zu Land und zu Wasser gefeiert.

Neben dem zentralen Festwochenende am 29. und 31. August in Worpswede darf als ein weiterer Höhepunkt die Torfkahn-Armada am 25. und 26. April gelten, bei der sich 25 Torfkähne in Neu Helgoland in Worpswede treffen und gemeinsam zum Torfhafenfest in Bremen-Findorff fahren. Beim Oste-Hamme-Kanal-Fest am 12. und 13. September soll der 17 Kilometer lange Kanal am Sonnabendabend „in Flammen“ stehen, kündigte Richard Henning von den Findorffs Erben vom Kolbecksmoor an. Der 2015 gegründete Heimatverein habe bei dem Programm den Hut auf, so Henning am Rande der Veranstaltung. Über den Verein sei voraussichtlich ab 22. Februar auch eine auf 300 Stück limitierte Findorff-Taschenuhr erhältlich.

Aufs Wasser geht es wieder zur Findorff-Armada am 3. und 4. Oktober, einem Gemeinschaftsprojekt der Adolphsdorfer Torfschiffer, der Torfkahnschiffer Osterholz-Scharmbeck und des Vereins Findorffs Erben vom Kolbecksmoor.

Mehr als 60 Veranstaltungen

Die Liste der mehr als 60 Veranstaltungen füllt mit Grußworten und Informationen 42 Seiten in dem Veranstaltungskalender, der in der Region in Rathäusern und an vielen anderen Stellen ausgelegt werden soll. Wer mehr über Jürgen Christian Findorff erfahren wolle, dem Empfahl Hermann Röttjer die Lektüre der Neuauflage des Findorff-Buches von Karsten Müller-Scheeßel. Um Kindern das Findorff-Jahr näher zu bringen und Lehrerinnen und Lehrern „die Angst zu nehmen, das Thema Findorff anzupacken“, so Lehrerin Andrea Schwarz, haben die Festplaner die Moorkiepe entwickelt. Diese Moorgeschichte zum Anfassen stellt Schwarz und ihre Kollegin Heike Brüning im Findorffhof vor.

Das komplette Programm zum Findorffjahr findet sich im Internet unter findorffserben.de / veranstaltungen-findorff-jahr-2020 /

Info

Zur Sache

Buch über Findorffs Leben und Wirken

Grasberg. So wie sich die Eltern von Jürgen Christian Findorff 1720 wohl kaum vorgestellt hatten, zu welchen Ehren ihr Sohn gelangen sollte, so hatte auch Karsten Müller-Scheeßel als Student in einer Göttinger Geschichtsvorlesung wohl nicht geahnt, dass Findorff sein Leben derart prägen würde.

Für seine Dissertation hatte Müller-Scheeßel Ende der 1960-er Jahre erstmals „das Leben und Wirken Findorffs anhand der in Archiven noch vorhandenen Quellen“ akribisch erforscht.

Die 500 Exemplare der als Buch veröffentlichten Dissertation waren schnell vergriffen. Zahlreiche weitere Publikationen und Vorträge über Findorff folgten bis heute, und anlässlich des Festjahres präsentierte Müller-Scheeßel die Neuauflage seines Findorff-Buches.

Druckfrisch lagen die Exemplare auf dem Büchertisch im Findorffhof und Wolf-Dietmar Stock vom herausgebenden Verlag Atelier im Bauernhaus sagte: „Mit den Fotos ist das ein richtiger Prachtband geworden.“ Die Neuauflage wurde mit vielen Fotografien von Hans Saebens und weiteren Fotografen erweitert.

„Jürgen Christian Findorff und die kurhannoversche Moorkolonisation im 18. Jahrhundert“ von Karsten Müller-Scheeßel, ISBN 978-3-96045-055-9, 24 Euro – ab sofort erhältlich im Pressehaus der Wümme-Zeitung, Hauptstraße 87 in Lilienthal und beim Osterholzer Kreisblatt, Bördestraße 9, Osterholz-Scharmbeck.

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