Plan für neues Gewerbegebiet in Grasberg

Anwohner fordern Hochwasserschutz

Grasbergs Pläne für ein Gewerbegebiet an der Wörpedorfer Straße sorgen bei einigen Anwohnern für Unmut. Bei einer Einwohnerversammlung brachten sie nun ihre Kritik vor.
18.01.2021, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Anwohner fordern Hochwasserschutz
Von André Fesser
Anwohner fordern Hochwasserschutz

Bürgermeisterin Marion Schorfmann stellte sich im Rathaus der Kritik.

CARMEN JASPERSEN

Grasberg. Mit der Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets an der Wörpedorfer Straße will die Gemeinde Grasberg Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmen schaffen und sich zugleich eine Zukunft als Wirtschaftsstandort verpassen. Der Plan stößt bei Anwohnern aus der Nachbarschaft aber auf Widerstand. Daher lud die Verwaltung am Montag zu einem Bürgerinformationstag ins Rathaus. Mitglieder einer neu gebildeten Bürgerinitiative hatten schon im Vorfeld angekündigt, kritische Fragen stellen zu wollen. Und so kam es dann auch.

Wie berichtet, soll das Vorhaben nach Wunsch der Verwaltung bis Sommer politisch entschieden und damit der Weg frei sein für die Umsiedelung des örtlichen Edeka-Marktes und die Schaffung weiterer Gewerbeflächen, die der Ort nach Einschätzung der Verantwortlichen im Rathaus dringend braucht. Der Bedarf wird aus Kreisen der Bürgerinnen und Bürger nicht bestritten. Die Standortwahl an der Wörpedorfer Straße aber kann sie bislang nicht überzeugen.

Um der Kritik zu begegnen und Fragen zu beantworten, hatte die Verwaltung am Montag zu drei Veranstaltungen – morgens, nachmittags und abends – geladen. Das hätte sie nicht gemusst, betonte Stefan Ritthaler, Allgemeiner Vertreter von Bürgermeisterin Marion Schorfmann. Es sei dem Rathaus aber wichtig gewesen, die Bürger zu beteiligen und auf diese Weise auch Anregungen aufzunehmen. Knapp 40 Menschen hatten sich offiziellen Angaben zufolge angemeldet. Die Vormittagsrunde war mit sechs, der Nachmittag mit sieben Besuchern besetzt.

Dort stellte Egbert Petschke das Vorhaben ganz grundsätzlich infrage. Er ist Anwohner des Wiesendamms und somit einer jener Anrainer, die mit Errichtung des Gewerbegebiets aus ihren Wohnzimmern nicht mehr auf ein Maisfeld, sondern auf Betriebsgebäude blicken würden. Der Vertreter der erst vor einigen Wochen gegründeten Bürgerinitiative (BI) Lebensraum Grasberg monierte die Größe des Plangebiets und warf der Gemeinde vor, sich nicht ausreichend um Alternativstandorte für Gewerbeansiedlungen bemüht zu haben. Petschke und eine weitere Anwohnerin äußerten obendrein die Sorge, dass die Schaffung des Gebiets und die damit einhergehende Versiegelung der Oberfläche den Hochwasserschutz in der Gegend beeinträchtigen könnte. Angesichts ihrer Erfahrungen mit den Hochwassern zu Beginn des Jahrtausends und der Aussicht auf eine Wiederholung komme man ins Grübeln, mehr noch: „Wir haben Angst!“

Ganz nehmen konnten ihr Schorfmann und Ritthaler die Sorge nicht. Sie betonten aber, dass eine Verknappung einer Überschwemmungsfläche an der einen Stelle zur Schaffung von Ausgleichsflächen an einer anderen führen müssten. Udo Lohreit vom Stadt- und Raumplanungsbüro Instara bestätigte das: Es müsse eine ordnungsgemäße Oberflächenentwässerung sicher gestellt werden. Es würde, so unterstrich er, keine Genehmigung für die Planung geben, wenn man das Wasser einfach auf eine Straße laufen lassen wollte. Anwohner Petschke forderte daraufhin, dass die Gemeinde nicht nur Mindestanforderungen erfüllen, sondern mit Blick auf kommende Hochwasserereignisse gleich mehr machen sollte.

Mehr Engagement forderte der BI-Vertreter auch bei der Standortwahl, woraufhin Marion Schorfmann ausführlich darlegte, welche Stellen in der Gemeinde sie in den vergangenen Jahren für Gewerbesansiedelungen ins Auge gefasst habe. Aber mal seien die Flächen zu klein gewesen, mal wäre es nicht wirtschaftlich gewesen, sie zu erschließen. Bei mehreren Flächen habe es auch an der Bereitschaft der Eigentümer zum Verkauf gemangelt. Dem Vernehmen nach sollen die Flächeninhaber im Einzelfall auch Preise aufgerufen haben, die die Gemeinde zu zahlen nicht bereit ist.

Für den Abend plante die BI die Übergabe einer Liste von 220 Unterschriften gegen das Gewerbegebiet an der Wörpedorfer Straße. Die Gemeinde nimmt für den Entwurf der Bebauungsplanänderung noch bis zum 29. Januar Stellungnahmen entgegen. Anschließend werden die Eingaben ausgewertet. Ein konkretisierter Plan soll im Frühjahr dem Gemeinderat zur Beratung und Entscheidung vorgelegt werden. Anschließend wird es eine weitere Beteiligungsrunde geben.

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