Neuer Platz für Edeka-Markt

Grasberg plant neues Gewerbegebiet am Ortseingang

Ein Projektentwickler will an der Wörpedorfer Straße in Grasberg ein Gewerbegebiet mit einer Fläche für einen neuen Edeka-Markt erschließen. Das Projekt wird am 3. September im Rathaus vorgestellt.
27.08.2020, 22:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Undine Mader
Grasberg plant neues Gewerbegebiet am Ortseingang

Die Sanierung der Wörpedorfer Straße läuft noch und am Ortseingang wächst der Mais. Nach den Vorstellungen der Gemeinde soll an dieser Stelle am Ortseingang in ein paar Jahren ein Gewerbegebiet entstehen.

CARMEN JASPERSEN

Grasberg. Die Gemeinde Grasberg sucht einen Platz für ein neues Gewerbegebiet und ein Projektentwickler sucht nach einem Grundstück für einen modernen Supermarkt – sie beide könnten jetzt eine gemeinsame Lösung gefunden haben. 20 Jahre alt ist der Grasberger Edeka-Markt mittlerweile. „Das ist im Handel mehr als eine Generation“, sagt Claus Meyer von Schausberger Immobilien. Der Projektentwickler stellt am Donnerstag, 3. September, in der öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses im Rathaus ab 20 Uhr ein Projekt vor, das Grasberg ein neues Gewerbegebiet und einen neuen Edeka-Markt an einem neuen Standort ermöglichen soll. Der Ort steht schon fest: Beides solle neben der Holzhandlung Bahrenburg an der Wörpedorfer Straße gelegen. Mit der Durchführung des Bauleitplanungsverfahrens soll nun die Öffentlichkeit zu diesem Projekt zu Wort kommen.

Das letzte große Grasberger Gewerbegebiet, der Wörpedorfer Ring, ist rund 20 Jahre alt. Seitdem setzte die Kommune auf Einzellösungen. „Flächen für eine Entwicklung zu bekommen, ist ein hartes Stück Arbeit“, sagt Bürgermeisterin Marion Schorfmann. Für eine neben dem Wörpedorfer Ring angedachte Fläche beispielsweise habe die Gemeinde keinen Erschließungsträger gewinnen können. Und auch Claus Meyer winkt ab. Der notwendige Erdaushub auf moorigem Grund mache es zu teuer.

Anfragen nach Gewerbeflächen erhalte die Grasberger Verwaltung indes immer wieder. Aktuell aber gebe es im Ostkreis keine Gewerbegrundstücke, die auf Zuruf frei seien, sagt Stefan Ritthaler von der Verwaltung. Und für die Bürgermeisterin steht fest: „Nichts zu machen wäre fatal, weil es eine stetige Entwicklung für Gewerbetreibende geben muss.“ Zudem sei es für eine Gemeinde gut, Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort anzusiedeln.

Arbeitsplätze im Ort halten

In Grasberg aber fehlte in der jüngsten Vergangenheit die Fläche für ein zusammenhängendes Gewerbegebiet. Das soll sich nun ändern und dafür muss Grasberg nicht einmal auf das neue Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises warten. Denn ganz neu ist der nunmehr geplante Gewerbestandort nicht. Für ein Drittel der Fläche bestehe bereits seit 1983 ein entsprechender Bebauungsplan, so Ritthaler. Für die angrenzende bisher intensiv genutzte landwirtschaftliche Fläche habe Meyer Ausgleich gefunden.

Die Nähe zum Ort und die Erreichbarkeit der Gewerbebetriebe für Arbeitnehmer sprechen zudem für den Standort. Und für ein neues Gewerbegebiet sprechen Zahlen. 80 Prozent der Grasberger seien Auspendler, sagt Ritthaler. Daher habe man das Ziel, mit der Ansiedlung von Gewerbe Arbeitsplätze im Ort zu schaffen. Auch dem Grasberger Haushalt helfe das Gebiet, die Kommune liege bei den Einnahmen aus Gewerbesteuern etwa sieben Prozent unter dem Landesschnitt. Er freue sich, dass nun das Beteiligungsverfahren für das Baugebiet beginne. In der Ausschusssitzung werde Claus Meyer eine „grobe Skizze“ des 8,6 Hektar großen Gewerbegebiets mit einer Erschließungsstraße inklusive Einzelhandelsstandort vorstellen.

So denn alles in dem Bauleitverfahren mit zwei Beteiligungsrunden nach Plan läuft, könnte in etwa fünf Jahren der Edeka-Markt vom bisherigen Standort in der Wörpedorfer Straße in das neue Gewerbegebiet mit der Sonderfläche Einzelhandel umziehen, rechnet Meyer. Das Ganze heißt dann Standortverlegung, und wenn es aus irgendwelchen Grünen länger dauere, sei es auch kein Problem. Im bisherigen Bau jedoch stoße der Vollsortimenter mit bis zu 40 000 bis 50 000 Artikeln an seine Grenzen. „Wir müssen mehr Platz zur Verfügung haben“, sagt Claus Meyer. Das alte Grundstück aber sei nicht groß genug für eine Erweiterung, denn bei mehr Gebäudefläche gingen Parkplätze verloren und zugleich müsse mehr Verkehr sicher abgewickelt werden.

Meyer sieht all das an dem neuen Standort besser umsetzbar, zumal man die Verkehrssicherheit durch eine Abbiegespur auf der Wörpedorfer Straße erhöhen könnte. Flächen für Fahrräder und Parkplätze sind heute größer als vor 30 Jahren und der Markt selber vergrößert sich alleine in der Verkaufsfläche von rund 1600 Quadratmetern auf 2400 Quadratmeter. Diese brauche es bei einem Verbrauchsmarkt neuer Prägung mit geringeren Regalhöhen, breiteren Gängen und mehr Möglichkeiten, frisches Obst und Gemüse nicht nur hinzustellen, sondern ansprechend anzubieten.

Kein zusätzlicher Supermarkt

Sobald der Neubau grünes Licht bekomme, werde Schausberger Immobilien sich auch um die Nachnutzung des bisherigen Edeka-Marktes nahe dem Wörpedorfer Kreisel bemühen. Dies wiederum soll in ein kommunales Einzelhandelskonzept eingebettet werden, auch das steht in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses auf der Tagesordnung. Eines ist schon jetzt klar: „Es wird kein Lebensmittelvollsortimenter sein“, so Meyer. Einen weiteren brauche Grasberg nämlich nicht, mit zwei Discountern und einem Vollsortimenter sei der Ort gut versorgt.

Den Supermarkt versteht Meyer für das Gewerbegebiet auch als „Anker, der Frequenz erzeugt“, Handel und Gewerbe ergänzen sich demnach gut. Mit Blick auf die Nachbarn des neuen Gewerbegebiets jenseits der Wörpe im Wiesendamm sagt Stefan Ritthaler, es werde auf jeden Fall ein Lärmgutachten und ein Schallschutzkonzept geben. Welcher Branchenmix sich dort tatsächlich ansiedeln werde, wisse die Gemeinde erst, wenn bekannt sei, welche Flächen sie zur Verfügung habe. Aber: „Auch da dürfen die Menschen darauf vertrauen, dass jeder sein individuelles Schutzrecht genießt.“

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