Neues Gewerbegebiet in Grasberg

Nachbarn wollen keine Blechhallen

An der Wörpedorfer Straße wird ein Gewerbegebiet mit Supermarkt geplant – für die Fortführung des Projekts sprach sich der Planungsausschuss nach umfänglicher Diskussion einstimmig aus.
04.09.2020, 10:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Kessels
Nachbarn wollen keine Blechhallen

Das Maisfeld am Ortseingang Grasbergs soll einem Gewerbegebiet weichen. Für die Fortsetzung entsprechender Planungen hat sich der Planungsausschuss einstimmig ausgesprochen, die Nachbarn halten wenig davon.

CARMEN JASPERSEN

Grasberg. Ungewöhnlich voll war es bei der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses, und die Beratung dauerte für Grasberger Verhältnisse ungewöhnlich lange: Zwei Stunden wurde über das geplante Gewerbegebiet an der Wörpedorfer Straße vor und neben der Holzhandlung von Bahrenburg beraten unter reger Mitwirkung der 45 Zuhörer, die trotz Beachtung der Corona-Abstandsregeln im Ratssaal Platz gefunden hatten. Die meisten von ihnen sind Nachbarn des Gebietes, und sie halten wenig von dem, was dort geplant ist.

Vor 20 Jahren sei das Gewerbegebiet am Wörpedorfer Ring ausgewiesen worden, sagte der Ausschussvorsitzende Klaus Feldmann (CDU). „Das ist voll.“ Es lasse sich auch, anders als ursprünglich beabsichtigt, nicht in Richtung Seehausen erweitern. Auch im Südteil der Gemeinde habe man keine Flächen – laut Bürgermeisterin Marion Schorfmann wurden sieben andere Flächen im gesamten Gemeindegebiet untersucht mit dem Ergebnis, dass sie alle ungeeignet seien. Aber 80 Prozent aller in Grasberg wohnenden Arbeitnehmer arbeiteten auswärts, die meisten in Bremen oder Lilienthal. Das müsse man ändern.

Erschließung durch eine Straße

Noch einen zweiten Grund gibt es für die Ausweisung eines Gewerbegebiets: Dorthin soll auch der Edeka-Markt (ehemals Aktiv-Markt) umziehen, der sich an seinem jetzigen Standort an der Wörpedorfer Straße auf der anderen Seite des Kreisverkehrs nicht erweitern kann. Die Immobilie gehört der Schausberger-Gruppe, einstmals auch Gründerin der Aktiv-Supermarktkette. Die ASC Grundstücks-GmbH, ein Tochterunternehmen der Schausberger-Gruppe, hat inzwischen das Grundstück Wörpedorfer Straße 14 (bisher Dr. Thiede) erworben, das vor der Holzhandlung liegt. Dieses Grundstück und Teile der danebenliegenden Äcker gehören zum Bereich eines alten Bebauungsplans für ein Gewerbegebiet, das 32 500 Quadratmeter groß sein sollte, aber nie realisiert wurde. Jetzt sollen im Bebauungsplan Nummer 51 „Gewerbegebiet Grasberg West“ noch 57 000 Quadratmeter hinzukommen. Auf den 15 000 Quadratmetern vor der Holzhandlung soll der neue Supermarkt angesiedelt werden, auf dem Rest Gewerbe, wobei, wie Claus Meyer von der Schausberger-Gruppe erklärte, noch nicht klar ist, welches.

Dagmar Renneke vom Bremer Planungsbüro Instara sagte, das gesamte Gebiet werde von einer Straße erschlossen, die von der Wörpedorfer Straße abzweige. Einzelne Einfahrten von der Wörpedorfer Straße werde es nicht geben. Ob in dem Gebiet auch Betriebsleiterwohnungen zugelassen werden sollen, werde noch geklärt. Außerdem müsse ein Schallgutachten erstellt werden. Die Entwässerung des Gebiets könne mit einer ökologischen Aufwertung des Wörpeufers im Süden verbunden werden. Eingegrünt werden soll die gesamte Fläche mit Bäumen oder Sträuchern. „Es ist städtebaulich sehr schön, dass dort schon ein Gewerbegebiet ausgewiesen ist“, meinte Dagmar Renneke, erntete damit aber ironisches Gelächter der Zuhörer.

Keine Hochregallager

In einer Sitzungsunterbrechung kamen diese zu Wort. Ein Teilnehmer erinnerte daran, dass im alten Bebauungsplan die Gebäude 70 Meter lang werden dürfen. „Das werden blecherne Hallen wie in einigen Lilienthaler Gewerbegebieten“, befürchtet er, und sie dürften zwölf Meter hoch werden – laut Planerin wurde über die maximale Höhe aber noch gar nicht entschieden. „Hochregallager kommen da nicht hin“, sagte Renneke. Der Zuhörer blieb dabei: Von „schön“ könne keine Rede sein. Als die Silos von Gieschens Mühle am Kreisverkehr abgerissen worden seien, hätten die Grasberger sich gefreut, dass sie jetzt endlich einen ansehnlichen Eingang zur Ortsmitte bekämen, aber der werde durch das Gewerbegebiet wieder zerstört. Für die Planerin ist hingegen klar, dass Wert auf ansprechende Architektur gelegt wird.

Rouven Voß (CDU) nannte den Standort frei nach Angela Merkel „alternativlos“. Grasberg bekomme mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze und werde mehr Gewerbesteuern einnehmen. In dem Gewerbegebiet solle die Klimafreundlichkeit beachtet werden, vor allem aber müsse in einem städtebaulichen Vertrag festgelegt werden, was mit dem Gelände des alten Edeka-Markts geschehen solle. Dieser Meinung war auch Karl-Heinz Thimm (SPD) – der ganz alte Aktiv-Markt in der Speckmannstraße gegenüber dem Grasberger Hof, in dem sich zum Schluss der Discounter NP befunden habe, stehe seit Jahren leer. Das dürfe bei Edeka nicht passieren. Für Sabine Alpers (Grüne) bieten die Pläne die Gelegenheit, am Standort des alten Markts einen schönen Ortskern zu entwickeln mit preiswerten Wohnungen und kleinen Geschäften. Sicher ist, dass der alte Markt bei einem Neubau schließen wird, erklärte Claus Meyer; für zwei Vollsortimenter fehle in Grasberg die Kundschaft.

Kai Entelmann (CDU) äußerte Verständnis für die Sorgen der Nachbarn. Das Gewerbegebiet müsse mit einem Wall von der Wörpe abgegrenzt werden, und die Ausgleichsmaßnahmen für die Versiegelung müssten in der Nähe erfolgen – „nicht irgendwo im Teufelsmoor“. Schließlich wurde nach zwei Stunden einstimmig empfohlen, auf Grundlage des ersten Entwurfes weiterzuplanen.

Wegen des Supermarktneubaus mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche muss die Gemeinde auch ein Einzelhandelskonzept aufstellen. Dabei sollen auch die Veränderungen in der Einzelhandelsstruktur der Gemeinde innerhalb der letzten zehn Jahre berücksichtigt werden. Das Konzept werde auch benötigt, um zu entscheiden, was mit dem alten Edeka-Markt geschehen solle, sagte Stefan Ritthaler, der allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, ehe seine Aufstellung ebenfalls einstimmig empfohlen wurde.

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