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Grasberger Frischdienst liefert bis in die Arktis

Der Frischdienst Behrens in Grasberg beliefert gut 900 Kunden in der Region. Die nächste Generation des Familienunternehmens steht schon bereit.
05.10.2019, 21:03
Lesedauer: 4 Min
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Grasberger Frischdienst liefert bis in die Arktis
Von Florian Schwiegershausen
Grasberger Frischdienst liefert bis in die Arktis

Maike Behrens mit ihrem Vater Günther: Der Frischdienst Behrens ist ein Familienunternehmen.

Christian Kosak

Es ist ein Uhr nachts. Die meisten Menschen in Grasberg schlafen tief und fest. Doch beim Frischdienst Behrens brennt schon Licht: Das geschäftige Treiben geht los, während selbst bei den Höfen drumherum noch Stille herrscht. Spätestens um drei Uhr sollen die Lastwagen von Behrens auf die Straße, um die Ware auszuliefern. Behrens versorgt die Küchen von Hotels, Kitas, Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen. Seine gut 900 Kunden befinden sich im Elbe-Weser-Dreieck, wobei es auch bis nach Ostfriesland geht. Aber vor allem in Bremen muss die Ware spätestens bis 8.30 Uhr ausgeliefert sein. „So, wie dort der Verkehr in den letzten 20 Jahren zugenommen hat, kommen wir sonst mit unseren Lieferfahrzeugen nicht mehr durch“, sagt Günther Behrens. Bei einem Kunden geht die Lieferung sogar bis in die Arktis – zumindest indirekt: „Wir haben das Forschungsschiff „Polarstern“ mit Lebensmitteln versorgt, wenn die sich jetzt in der Arktis für ein Jahr einfrieren lassen.“

Bei Behrens handelt es sich um ein Familienunternehmen: Günther Behrens‘ Frau Ingrid ist die Geschäftsführerin vom Frischdienst, seine ältere Tochter Maike ist auch mit im Unternehmen. Günther Behrens leitet die HaWe Nahrungsmittel GmbH. Die wurde erst im Frühjahr übernommen, nachdem das Unternehmen Insolvenz beantragen musste. Behrens hatte zugegriffen, weil sich die Sortimente ideal ergänzten: „Wir hatten bereits vorher viele gemeinsame Kunden, die erhalten ihre bestellte Ware nun aus einer Hand.“ Von HaWe kommen Soßen, Bouillons, Suppen und Gewürze, die die Firma nach eigenen Rezepturen entwickeln lässt. Behrens hat sich auf die Lieferung von Gemüse, Obst, Feinkost, Tiefkühlware und Getränken spezialisiert. Alles zusammengenommen ist er jetzt ein Vollsortimenter.

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Ursprünglich hatte der Betrieb mit Schulmilch angefangen. 1987 übernahm Behrens die Landwirtschaft von seinem Vater. Ab 1991 begann die Direktvermarktung der Vorzugsmilch in Flaschen. Ein Jahr später erhielt das Familienunternehmen von der Landwirtschaftskammer Hannover die Zulassung für Schulmilch. Auch die wurde in Flaschen abgefüllt ausgeliefert, mit in die Angebotspalette kamen Gemüse und Feinkost.

Wenn also die Bäcker in der Früh anfangen zu arbeiten, geht es auch bei Behrens los – im Büro von Montag bis Freitag, im Lager auch bis Sonnabend. Schulmilch wie früher ist auf den kommissionierten Paletten aber eher seltener dabei. „Das ist stark zurückgegangen“, bedauert Behrens. Es werde nicht mehr so viel Milch getrunken. Wenn er Milch ausliefert, dann ist es H-Milch, auf Wunsch auch Bio. Die Bio-Milch sei wiederum in den Küchen der Bremer Kitas sehr beliebt, weil es die Vorschrift verlangt, dass mindestens zehn Prozent der eingesetzten Lebensmittel Bioware sein müssen.

Vom Milch- zum Frischdienst

Ein Einschnitt für Behrens bedeutete 1996 die Ausbreitung des Ehec-Virus. Aus diesem Grund wurde die Auslieferung von Rohmilch an öffentliche Einrichtungen verboten. Das brachte die Familie zum Nachdenken, sodass Behrens die Milchproduktion selbst einstellte und die Milch von der naheliegenden Molkerei bezog. Im Jahr 2000 benannte sich das Unternehmen dann von Milchdienst in Frischdienst um. 2001 kam ein Vertrag mit der Stadt Bremerhaven hinzu, um die Schulen dort zu beliefern.

Die Zahl der Kunden wuchs stetig, auch durch die Übernahme und die Zukäufe anderer Unternehmen. 2014 kam der Zusammenschluss mit dem Frischdienst Windler. Potenzial für neue Kunden sieht er auch bei Hotel und Gastronomie auf den ostfriesischen Inseln. „Einer unserer Außendienstmitarbeiter ist auch in Hamburg unterwegs. Da wollen wir stärker in den Markt hinein“, sagt Behrens. Von seinen Geschäftspartnern sind 90 Prozent Stammkunden. Wenn von denen einer noch nach 16 Uhr anrufe, weil er am nächsten Tag dringend diese oder jene Ware benötige, dann liefere Behrens das auch.

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Wenn es weitere Firmen gibt, die zu Behrens passen, dann kann er sich vorstellen, auch dort wieder aktiv zu werden. Bisher waren die Übernahmen eher in der Region. „Für mich gehört Hamburg auch zur Region“, sagt der Firmeninhaber. Früher ist er selbst noch zum Hamburger Großmarkt gefahren, um Ware abzuholen.

Eigentlich wäre es an der Zeit, dass Behrens die Lagerhallen und Kühlhäuser, die eine Fläche von 400 Quadratmetern einnehmen, erweitert. Aber das will er nicht in Angriff nehmen: „Ich könnte das noch angehen, aber vielleicht will meine Tochter das ganz anders planen. Da will ich ihr nichts vorsetzen.“ Günther Behrens wird im kommenden Jahr 65 Jahre alt und schon jetzt zieht er sich langsam aus dem Betrieb zurück.

Lieferanten aus ganz Deutschland

Wenn es um die Preisverhandlungen mit Lieferanten geht, sitzt er aber noch gerne mit am Tisch. Die kommen aus ganz Deutschland, gerade erst waren Vertreter von einem Lebensmittelhersteller aus dem Rheinland da, die extra nach Grasberg gefahren sind. Behrens selbst ist immer mal wieder als Besucher auf Messen unterwegs, einen Stand wird er im kommenden Februar auch auf der Bremer Gastronomiemesse Gastro Ivent haben.

Behrens Tochter Maike will das Unternehmen weiterführen, und Behrens hat bereits zwei Enkelkinder. Aber da winkt er direkt ab: Es solle sich bloß keiner verpflichtet fühlen, den Betrieb zu übernehmen. Wie es ansonsten gelingt, einen Familienbetrieb von der einen auf die nächste Generation weiterzugeben? „Man muss darauf achten, dass die jüngere Generation nicht zu viele Fehler macht“, sagt der 64-Jährige.

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Was für Behrens klar ist: Er könne sich niemals vorstellen, mit dem Betrieb Grasberg zu verlassen: „Hier ist unser Hof, das ist unser Eigentum, warum sollen wir hier wegziehen?“ Woanders zieht es Günther Behrens höchstens mal auf seinem BMW-Motorrad. Das ist sein großes Hobby, am Wochenende geht es auf Tour irgendwohin zum Kaffeetrinken. Bis ihm das Rentnerleben dafür auch unter der Woche Zeit gibt, dauert es aber wohl noch etwas.

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