Gewerbegebiet in Grasberg

Grüner wird's nicht

Die hochtrabenden Pläne für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gestaltung des Grasberger Gewerbegebiets haben einen Dämpfer erfahren. Viele Ideen seien mit dem Baurecht unvereinbar, hieß es im Bauausschuss.
26.02.2021, 17:36
Lesedauer: 3 Min
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Grüner wird's nicht
Von André Fesser
Grüner wird's nicht

Auf dieser Ackerfläche am Ortsrand von Grasberg soll das neue Gewerbegebiet entstehen.

André Fesser

Grasberg. Begrünte Fassaden, Photovoltaik auf den Dächern und Toilettenspülungen mit Regenwasser – mit ihren Vorschlägen zur Gestaltung des neuen Gewerbegebiets an der Wörpedorfer Straße demonstrierten die Grasberger Ratsfraktionen vor sechs Wochen Verantwortungsbewusstsein. CDU, SPD und Grüne hatten wie berichtet unabhängig voneinander einen Katalog an Ideen präsentiert, mit dem trotz aller Versiegelung eine nachhaltige Nutzung der knapp neun Hektar großen Fläche sichergestellt werden sollte. Im Rahmen der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Donnerstagabend in den Räumen der Gesamtschule aber kassierten die Fraktionen ihre Anträge vorerst wieder ein. Zum Unmut einiger Beobachter.

Dass das Thema die Menschen im Ort bewegt, zeigte sich allein schon an der Besucherzahl. Rund 35 Menschen waren bei der Ausschusssitzung dabei, die im Zuge der Bauleitplanung für das Gebiet allenfalls einen Zwischenschritt darstellte. Mitglieder der Bürgerinitiative Lebensraum Grasberg verteilten vor der Sitzung gelbe Protestflyer und stellten im Rahmen der Fragestunde erneut die Sinnhaftigkeit des Gewerbegebiets an der Wörpedorfer Straße infrage. Zumal es ja im Ort noch ungenutzte Flächen für die Gewerbeentwicklung gebe.

Raum für Entwicklung

So sind am Wörpedorfer Ring Flächen vorhanden, die einstmals für Unternehmensansiedelungen vorgesehen waren. Doch einem Gutachten zufolge wäre die Erschließung dieser Flächen aufgrund der Bodenbeschaffenheit aufwendig und teuer. Daher hatte die Gemeindeverwaltung das Gebiet verworfen und sich irgendwann auf den Alternativstandort in Grasbergs Westen festgelegt.

Auf Nachfragen zu diesem Thema reagierte Bürgermeisterin Marion Schorfmann im Zuge der Einwohnerfragestunde einigermaßen bissig. Die Verwaltungschefin mühte sich zu betonen, dass die Gemeinde aufgrund der geltenden Raumordnung in ihrem Siedlungsgebiet gefangen sei und nun Möglichkeiten zur Entwicklung suche. Aus diesem Grund sei die Gemeinde aktiv geworden, um das aktuelle Raumordnungsprogramm ändern zu lassen und Zukunftsoptionen zu schaffen. Das Verfahren liegt nun beim Landkreis und wird noch einige Monate brauchen.

Dieser Kurs des Rathauses wird vom Gemeinderat weitgehend mitgetragen. Mit ihren Anträgen zur nachhaltigen Gestaltung des Gewerbegebiets machten CDU, SPD und Grüne sogar sehr deutlich, dass es ihnen nicht mehr ums Ob, sondern allenfalls ums Wie geht. Was genau von den Plänen für ein umweltfreundliches Gewerbegebiet am Ende übrig bleibt, muss sich nun aber noch zeigen. Denn nachdem die Fraktionen ihre Nachhaltigkeitsanträge gestellt hatten, machte ihnen das Rathaus deutlich, dass viele der Vorhaben gar nicht mit den Baugesetzen in Einklang zu bringen sind und somit auch nicht in Bebauungspläne aufgenommen werden können. Laut Stefan Ritthaler, dem Allgemeinen Vertreter der Bürgermeisterin, zählt dazu zum Beispiel die Pflicht zum Aufbau einer Photovoltaikanlage. Auch die von einer Fraktion gewünschte Einbeziehung des Klimaschutzmanagers des Landkreises bei der Planung des Gebiets komme nicht infrage: „Das“, so Ritthaler, „scheitert allein daran, dass diese Stelle gar nicht besetzt ist.“

Kritik von Anwohnern

Nach diesen Rückmeldungen der Verwaltung zogen die Ausschussmitglieder ihre Anträge allesamt zur Beratung in den Fraktionen zurück. CDU-Vertreter Ruven Voß zum Beispiel betonte, dass seiner Fraktion an dem Nachhaltigkeitsaspekt gelegen sei, es sich bei den Vorschlägen aber nur um Anregungen handele. Das Ziel des Antrags sei es gewesen, eine Einschätzung der Verwaltung über die Möglichkeiten zu erhalten. Voß unterstrich, dass die Regeln zur Gestaltung des Gebiets den Interessen der Firmen nicht entgegen stehen dürften – sonst drohe womöglich ein Gewerbegebiet ohne Gewerbetreibende.

Einzelne Besucher aus dem Kreis der Bürgerinitiative äußerten sich im Anschluss unzufrieden. Die mögliche Abkehr von der Idee eines grünen Gewerbegebiets bezeichneten sie als „Armutszeugnis“ und „abgekartetes Spiel“. Verwaltungsvertreter Stefan Ritthaler wiederum wies auf Nachfrage darauf hin, dass man bestrebt sei, den Bebauungsplan rechtssicher zu gestalten, um nicht Gefahr zu laufen, dass Richter unzulässige Vorgaben später wieder einkassieren. Ritthaler betonte, dass er in den Gesprächen mit den Unternehmen, die auf einen Platz im Gewerbegebiet spekulieren, durchaus Interesse an einer nachhaltigen Ausrichtung gespürt habe. Er habe aber auch erfahren, dass man unternehmerisch denken wolle. Soll heißen: Die Nachhaltigkeit muss bezahlbar sein.

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