Zahl der Fische soll steigen Kleine Forellen in die Wörpe entlassen

Erneut wurden Meerforellen-Brütlinge in die Wörpe entlassen. Erbrütet wurden sie im Bruthaus in Grasberg.
12.04.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine von der Decken

Grasberg. Seit 25 Jahren setzt der Fischerei- und Gewässerschutzverein Lilienthal und Umgebung im Rahmen seiner „Aktion Wanderfischprogramm Wörpe“ Meerforellen in der Wörpe aus. In diesem Jahr entließ Martin Schüppel, Initiator und Projektleiter des Programms, nach einer arbeitsreichen Zeit rund 20.000 kleine Meerforellen in die Freiheit. Unterstützung bei der Entwicklung der Jungfische erhielt sein 1975 gegründeter Verein von Mitgliedern des Jugendparlaments Grasberg sowie vom Lions Club Lilienthal und dem Lions Club Worpswede „Paula Modersohn-Becker“ als Paten, die dem Verein finanziell wie tatkräftig unter die Arme griffen. Sie haben prominente Vorgänger: Auch die ehemaligen niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander und Stefan Birkner übernahmen früher Patenschaften für die wenige Zentimeter langen Fische.

Fast vier Monate lang wuchsen die Miniforellen unter täglicher Kontrolle im Grasberger Bruthaus heran. Hier lagen sie nicht warm und trocken, sondern reiften in vier Grad Celsius kaltem Wörpewasser langsam heran, bis der Zeitpunkt endlich gekommen war, sie in die Freiheit zu entlassen. Alt genug zum Aussetzen waren sie, als der kleine Nahrungsvorrat im Dottersack aufgebraucht war, die Sonne hoch genug am Himmel stand und sich Plankton als Nahrungsgrundlage in der Wörpe gebildet hatte.

In diesem Jahr ist jede kleine Forelle besonders kostbar, gab es doch aufgrund niedriger Wasserstände und hoher Wassertemperaturen deutlich weniger Fischeier als in den Vorjahren. Mithilfe der Paten und Bingomitteln konnte das marode Kühlaggregat im Bruthaus ersetzt werden. Das sorgt in den Brutwiegen für eine konstante Wassertemperatur und damit für die Vitalisierung der Miniforellen.

Vorsichtig und behutsam endete die „Wiegenzeit“ im Bruthaus. Martin Schüppel füllte die kleinen Fische für den Transport zum Oberlauf der Wörpe in 20 weiße Plastikeimer. Denn, so Schüppel, dort herrschen für die Jungfische mit Sand- und Kiesbett idealere Bedingungen als am Wörpeabschnitt hinter dem Bruthaus.

Die Verluste in der Natur sind allerdings sehr hoch. Nur drei Prozent der ausgesetzten Miniforellen werden voraussichtlich überleben und wieder zum Ablaichen in die Wörpe zurückkehren, vermutet Martin Schüppel. Das aber ist für ihn und den Fischerei- und Gewässerschutzverein Lilienthal und Umgebung kein Grund, die Bemühungen um das Wanderfischprogramm einzustellen. „Umweltschutz fängt im Kleinen an und die Sensibilisierung dafür in der Heimat“, sagte der Artenschutzbeauftragte im Anglerverband Niedersachsen. Fische seien nicht so im allgemeinen Fokus wie Vögel und Säugetiere, trotzdem aber nicht weniger schützenswert. Antrieb des Lilienthaler Fischerei- und Gewässerschutzvereins ist es, Naturschutz erlebbar zu machen und Jugendlichen mit dem Umweltschutzprojekt ein Fenster zu öffnen. „Naturschutz und Artenvielfalt beginnt in heimischen Gewässern“, betonte auch Lisa Kück als Mitglied des Grasberger Jugendparlaments. Mit einem von Martin Schüppel und Klaus-Jörg Plöger, dem Präsidenten des Lions Club Lilienthal, ausgearbeiteten Umweltprojekt sollen Lebensgemeinschaften im Wasser erlebbar gemacht werden. Die räumliche Nähe des Bruthauses zu einem in Planung stehenden außerschulischen Freiluftlabor und der Grasberger Kläranlage bieten für die Arbeit mit Wanderfischen optimale Bedingungen.

„Nicht in einem Schwung reinkippen“, ermahnte Martin Schüppel die Paten, die ihren quirligen Patenkindern am liebsten so schnell wie möglich die Freiheit geben wollten. Mit dem Kescher entnahmen sie den Plastikeimern zehn bis 15 kleine Meerforellen-Brütlinge und verteilten sie mit viel Gefühl Meter für Meter in der Wörpe. Nicht alle auf einmal und nicht alle an der gleichen Stelle, so die Devise, um den Miniforellen die Möglichkeit zu geben, genügend Deckung zu finden. „Fischbrut ist ein gefundenes Fressen für Räuber“, hob Vereinsmitglied Fabian Warnken hervor. „Wir hoffen, dass sie in einem Jahr auf Wanderschaft gehen und gut genährt in drei bis vier Jahren wieder zur Wörpe zurückkehren“, sagte Martin Schüppel.

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Zur Sache

Meerforellen auf Reise

1997 wurden erstmals 2500 Meerforelleneier in die Wörpe ausgebracht, ab 1998 waren es 40.000. In den Folgejahren zeigte sich jedoch, dass drei bis vier Monate alte Brütlinge eine größere Überlebenschance haben. Die Elektrobefischung im Jahr 2000 machte deutlich, dass in der Wörpe 207 Meerforellen von drei Zentimeter Größe bis zu 30 Zentimetern vertreten waren. Offiziell dürfen an der Wörpe Meerforellen geangelt werden. „Ich wäre froh, wenn mir jemand mal einen Fang melden würde“, sagt Matin Schüppel.

Zum Laichen steigt die Meerforelle als Wanderfisch vom Nordatlantik über die Nordsee, Weser, Lesum, Wümme bis in die Wörpe auf. Erst im Folgejahr nach der Auswilderung haben die Jungfische den Drang, in Richtung Atlantik zu schwimmen. Nach drei bis vier Jahren setzt der Geschlechtstrieb ein, und die Meerforellen zieht es an den Ort ihrer Entstehung. Bis zu 90 Prozent finden den Weg zurück (dek).

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